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a (Zu Henrietten, nachdem sie aus dem haus der Kinder gekommen ist.) Liebe Henriette, was ist es doch für eine süsse Empfindung, wenn man für das Wohl der Menschen arbeitet! Wenn ich diese Kinder sehe, ist mir, als wäre ich an einem schönen Sommermorgen voller Erwartung eines schönen Tages; ihre Gutmütigkeit lässt mich hoffen, dass sie den Zweck des Menschen erreichen werden, sie werden glücklich und in ihrem stand nützlich sein. Doch nun komm zu unsern Greisen, auch von ihnen will ich Abschied nehmen.

Sie fanden diese alle vor dem haus versammelt; auch Lotte war herausgekommen, um der schönen Frühlingsluft zu geniessen, ob sie gleich noch nicht völlig hergestellt war.

E l i s a . (Nähert sich ihnen.) Guten Tag, meine Lieben! Seid Ihr alle noch wohl, noch zufrieden?

E i n i g e . Ach, gnädige Frau! Ihre Güte

E l i s a . Ihr könnt doch wohl noch einige Bedürfnisse haben, die ich nicht kenne, und die ich leicht befriedigen könnte?

E i n i g e . Einen Wunsch haben wir noch; aber den kann nur der Himmel erfüllen. Er ist für Ihr Glück.

E l i s a . Ich danke Euch, meine Lieben! (Eine Pause.) Ich kam hierher, um von Euch Abschied zu nehmen, ich reise morgen weg. (Alle sehen sich betrübt an, Elisa wendet sich zu Martin.) Guter Greis, Er wird doch wohl nun auch bei uns wohnen bleiben? Er sieht unsre Einrichtung. Seine Tochter braucht nun Seinen Unterhalt nicht mehr kümmerlich zu erwerben; allein wenn sie künftig durch ihrer hände Arbeit für sich etwas verdienen will, so werde ich dafür sorgen, dass sie immer Arbeit bekömmt.

G r e i s . (Tränen strömen von seinen Wangen.) O, gnädige Frau! Sie retteten sie vom tod, Sie senkten Ruhe auf meine alten Tage, durch Sie kann ich mich meiner letzten Lebenstage freuen! – Nein, keine Worte können Ihre Güte und meinen Dank ausdrükken!

A l l e z u g l e i c h . Ach, Sie haben uns alle glücklich gemacht!

E l i s a . (Gerührt.) Es freut mich, meine Lieben, wenn es mir gelungen ist, Euch zufrieden gemacht zu haben. Ihr könnt glauben, dass ich glücklich dadurch werde. Lebt nun in Eintracht unter einander, und wenn ihr etwas verlanget, so sagt es dem Herrn Prediger, er wird es mir schreiben, und ich werde es euch gewähren, wenn ich kann.

Alle weinten jetzt, alle schlossen einen Kreis um Elisa'n, sie reichte einem Jeden die Hand. Lotte warf sich zu ihren Füssen. Gott, ihr deinen Segen; stammelte ihr Vater. – Lebt wohl, meine Freunde! rief Elisa, ich werde euch nicht verlassen! Sie wollte nun gehen, aber noch hielten einige ihr Kleid, einige ihre Hand. Süsse Tränen der Empfindung und der belohnten Tugend glänzten in Elisa's Auge. Liebevoll blickte sie noch auf einen Jeden, und riss sich dann von ihnen los. Segenswünsche und Danksagungen folgten ihr, und auf allen Gesichtern waren dieselben Empfindungen: Liebe, Dank, Freude und Rührung, ausgedrückt.

H e n r . (Nachdem sie einige Zeit schweigend fortgegangen sind.) O! meine Elisa, empfange meinen Dank, dass Du mich zur Zeuginn Deines Glücks machtest!

E l i s a . (Umarmt Henrietten.) Deine teilnehmende Freundschaft erhöht jedes mich beseligende Gefühl, und Dir verdanke ich sie auch, Du lehrtest mich meine Pflichten erfüllen!

H e n r . Nein, meine Elisa, die Vernunft gab Dir die Kraft, eine leidenschaft zu besiegen, und die natur dieses richtige Gefühl für das Gute und Schöne.

E l i s a . Ja! Dank der gütigen Vorsicht, dass ich beider Stimmen hören konnte, und dass nichts ausser mir sie übertäubte! Sie schenken dem Sterblichen, der auf sie hört, die seligsten Freuden!

H e n r . Du kannst Dir nicht vorstellen, Elisa, wie sehr, seitdem ich hier bin, mein Glaube an Tugend und an die Glückseligkeit, die sie gewährt, gestärkt ist! – Es ist mir so süss, Deine Seelenruhe zu sehen, ich fühle es überzeugend, dass Du glücklich bist, und glücklich durch die Ausübung Deiner Pflichten!

E l i s a . Ja, meine Henriette, ich bin es! Mein Glück ist der Genuss innrer, wahrer Zufriedenheit, und die Aussicht einer immer glücklichern Zukunft; denn jedes tätige Bestreben, Nutzen und Glück um mich zu verbreiten, wird diese Zufriedenheit erhöhen. – Und, Henriettebald werde ich die süssesten Pflichten, Mutterpflichten zu erfüllen haben. – O, welch ein seliges Vergnügen wird in ihrer Ausübung liegen! Schon der Gedanke daran erfüllt mich mit unaussprechlicher Freude!

H e n r . Ja, meine Elisa, auch ich fühle es, dass die Summe Deines Glücks sich mit der Summe Deiner Pflichten vermehrt. Edles Weib! Dank sei der Tugend, dass sie Dich belohnt für die Opfer, die Du ihr brachtest!

E l i s a . Gewiss, Henriette, das tut sie immer, wenn die Menschen dieses nur versuchen wollten. O, es ist so etwas Beruhigendes, so etwas Seliges in dem Gedanken: ich erfülle alle meine