welche sie vor Herrmann verbergen wollte; er sah sie aber, ergriff ihre Hand, und drückte sie an sein Herz.
O, meine sanfte, meine süsse Elisa, Sie lieben mich noch; ich fühle in diesem Augenblicke keinen Kummer! Ich nehme den Trost mit mir, dass Sie mein bleiben, mein, durch das Band ewiger Liebe, das kein Mensch trennen soll!
E l i s a . Halten Sie ein, Herrmann, ich bin gattin; mein Bestreben ist, Sie zu vergessen! – Wollen Sie mich strafbar machen, Sie, für den mein Herz so warm noch schlägt? O nein! Lassen Sie mir die Freude, Sie sehen zu dürfen, ohne mir sagen zu brauchen: du bist schuldig!
H e r r m . Kann meine Elisa fürchten, dass ich ihre Ruhe aufopfern will? Und weiss ich nicht, dass sie diese nur in der Tugend findet? Verzeihen Sie, wenn mich die Liebe auf einen Augenblick hinriss! – Ach, kann ich vergessen, dass vor wenig Monden –
Hier schwieg er, ihre Blicke begegneten sich, sie seufzten Beide, und Tränen rollten von Beider Wangen.
E l i s a . (Nach einer langen Pause.) Herrmann, der Vergangenheit dürfen wir nicht mehr gedenken, sie verschwand mit ihren Freuden! – Und in künftigen Jahren werden auch diese Tage voll Kummer nur noch in unserm Gedächtnisse leben; neue Freuden, vielleicht auch neue Leiden, werden ihr Andenken verdrängen. O, dass wir es jetzt schon tun könnten! Mein Herrmann, vergessen Sie, dass Sie mich liebten! Denken Sie nicht immer an Elisa, entreissen Sie sich jeder Erinnerung an sie, die Ruhe wird Ihnen dafür lohnen.
H e r r m . Wohl, Elisa, ich will Ihrer würdig bleiben! Ich will eine leidenschaft bekämpfen, durch welche ich einst glücklich war. – O, sagen Sie mir nur noch, dass Sie nicht unglücklich sind, dann will ich mich vergessen, dann soll der Kummer nicht mehr an meinem Herzen nagen, Ihr Glück wird mir Trost sein!
E l i s a . Ich suche meine Pflichten zu erfüllen, urteilen Sie selbst, ob ich unglücklich bin?
H e r r m . Aber Sie weinten, Elisa, als ich Sie überraschte?
E l i s a . (Reicht ihm das Gemählde) Dieses war die ursache meiner Tränen, Uebereilung und Zufall hatten mir es wieder in die hände gegeben, und – ich bin noch nicht stark genug, um bei dem Anblicke desselben gleichgültig zu bleiben.
(Herrmann ergreift das Gemählde, und bleibt mit seinem kopf auf Elisa's Hand liegen.)
E l i s a . (Nach einer Pause, zieht ihre Hand zurück.) Herrmann, wir müssen uns trennen, auch Sie können meinen Anblick nicht ertragen!
H e r r m . Elisa, heute zum Letztenmale. O, nur noch einige Augenblicke!
E l i s a . Wie, und warum kamen Sie hierher?
H e r r m . Ich war in Birkenstein gewesen, um von meiner Mutter Abschied zu nehmen, denn auch sie werde ich nicht mehr sehen. O, Elisa! wenn Sie nach Hohnauschloss kommen, besuchen Sie die unglückliche Mutter, trösten Sie sie wegen des Verlustes ihres Sohnes – sie liebt Sie ja als ihre Tochter! – Ich verlasse mein Vaterland, vielleicht sehe ich es nie wieder. Ich suche nicht Glück unter einem andern Himmelsstriche, aber Ihre und meine Ruhe, welche wir nicht erlangen würden, wenn nur wenige Meilen uns trennten. Aber mich ewig von Ihnen entfernen, ohne Ihnen noch einmal Lebewohl zu sagen, war mir unmöglich! Ich wusste, dass die strengste Tugend dieses nicht verdammen könnte, und ich flog nach Wallental, um noch einmal, Elisa, Sie zu sehen, Sie, die mich einst des Lebens höchste Freuden kennen lehrten!
E l i s a . Herrmann, ich entferne Sie von Freunden und vom vaterland? – Edler Jüngling! Sie suchen meine Ruhe? O! möchte ich nie sie finden, wenn Sie nicht glücklich werden!
H e r r m . Nichts davon, Elisa! Ich will nicht murren, nicht klagen an Ihrer Seite. – Mein künftiges Schicksal sei welches es wolle! – Ich konnte nur ein Gut verlieren – und ...
E l i s a . Auch ich verlor das einzige Gut, Herrmann, und wir müssen Beide lernen, den Verlust ertragen.
H e r r m . Schreckliche notwendigkeit! Warum stellten Sie sie mir in diesem Augenblicke vor?
E l i s a . Weil ich nicht vergessen darf, was ich bin! Wollen Sie zürnen, Herrmann, dass ich meine Pflichten mehr liebe als Sie?
H e r r m . Weib! Weib! Eben Deine Tugend macht meine Liebe unauslöschlich!
E l i s a . Aber die Tugend soll sie auch heiligen, soll sie nicht zur verzehrenden Flamme machen. Sie soll wieder Frieden in Deine Seele giessen. (Elisa's Augen füllen sich mit Tränen, eine Pause, sie reicht ihm ihre Hand) Reisen Sie jetzt, Herrmann! Zeit und Zerstreuungen werden Ihre Wunde heilen, und nach Jahren vielleicht werden wir uns wieder umarmen können!
Mit stummen Schmerze drückte Herrmann sie an sein Herz. Lebe wohl! rief er aus, teures ewig geliebtes Weib!
E l i s a . Noch eine Bitte