künftiges Weib schien ihm bis jetzt noch keiner Aufmerksamkeit würdig. Sie gingen nun, nur die Mutter und Henriette blieben zurück, und bald entfernte sich Caroline mit ihrem Geliebten von ihrer Schwester. Sie war nun allein mit Wallenheim, und sie befanden sich eben am Eingange einer Laube. Wallenheim fragte sie, ob sie einige Augenblicke ruhen wollte? Elisa wünschte es; denn kaum vermochte sie noch zu gehen. Sie setzten sich nun. In eben dieser Laube hatte sie so oft mit Herrmann gesessen, hatte mit ihm von ihrer Liebe, von einer glücklichen Zukunft gesprochen; jedes Wehen der Blätter lispelte ihr hier den Namen Herrmann zu. Elisa war stark erschüttert, allein sie unterdrückte ihre Empfindungen; ihr blick war zur Erde gesenkt; denn sie wagte es nicht, Wallenheim anzublicken. Er ergriff endlich ihre Hand. Mein gnädiges fräulein, sprach er, Ihre Frau Mutter hat mir Hoffnung gemacht, dass ich vielleicht so glücklich sein würde, bald diese Hand zu erhalten.
Er küsste bei diesen Worten die Hand, welche er hielt.
E l i s a . (Mit einem Tone voll Würde) Mein Herr, man hat mich bestimmt, Ihre gattin zu werden; es ist der Wille Ihres Vaters und meiner Mutter. Ich gehorche ihm – aber ich werde den Mann nicht betrügen, dessen gattin ich werden soll. Ich liebe, mein Herr; edel und gut ist der Jüngling, den ich allen Andern vorziehe; allein ich weiss, dass meine Liebe nun zum Verbrechen wird, und ich will sie bekämpfen; ich will mich bestreben, die Gesinnungen zu erlangen, welche ich Ihnen schuldig bin. Wenn Sie nach diesem Geständnisse mich noch würdig finden, Ihre gattin zu werden, so sei mein ganzes künftiges Leben angewandt, Ihre Liebe zu verdienen.
Elisa schwieg; Wallenheim sah sie staunend an; sie schien ihm so edel, und dieses machte ihn verlegen; endlich sagte er stotternd: Glauben Sie, mein gnädiges fräulein, dass ich bis jetzt nichts hiervon gewusst habe; es wird mir nun schwer werden, meiner Hoffnung zu entsagen.
E l i s a . Aber darf ich hoffen, dass, wenn ich gleich nicht Ihre gattin werde, Sie von Ihrem Herrn Vater die Einwilligung zur Verbindung meiner Schwester bewirken werden?
W a l l e n h . Dieses kann ich nicht versprechen: jede Mühe, welche ich anwenden würde, würde vergeblich sein.
E l i s a . Nun dann, mein Herr, so stehe ich nicht länger an, Ihre Hand anzunehmen.
W a l l e n h . Mein fräulein, darf ich wohl hoffen, Sie des glücklichen Mannes vergessen zu machen?
E l i s a . Ich werde es nie vergessen, dass ich Ihre gattin sein werde.
Nun stand Elisa auf, und sprach von andern Gegenständen. Unbefangen und ruhig war ihr Wesen, aber auch ruhig war ihre Seele; zwar schien ihr Wallenheim nicht liebenswürdig; zwar entflohen ihr Seufzer, sobald sie an Herrmann dachte, und sie dachte nur ihn; allein ein blick, den sie auf ihre Mutter und ihre Schwester warf, gab ihr das Wonnegefühl der Tugend, und dieses Kraft, ihren Schmerz zu tragen. Sie war voller Aufmerksamkeit gegen Wallenheim; er begegnete ihr höflich; sie erwartete nicht seine Liebe; aber seine achtung wollte sie verdienen, und nichts verriet ihm den Widerwillen, den sie im Herzen gegen ihn hegte. Vier Wochen vergingen so, und der Tag kam endlich, der sie mit Wallenheim, und ihre Schwester mit Philippen vereinigen sollte. Welch ein Tag war dieses für Elisa'n! Kaum hatte er angefangen, so eilte sie hinaus, ins freie Feld, erstieg eine Anhöhe, und fiel da nieder auf ihre Knie, ihre Augen gegen Himmel gerichtet, ihre hände gefaltet. Verwirrt waren ihre Empfindungen; der erste Strahl der Sonne weckte Alles zu neuer Freude, nur in ihrem Herzen blieb es öde. Die Lerche zwitscherte ihren Morgengesang; alle Bewohner der Luft schwangen sich jauchzend in die Höhe; es blökten in der Ferne die hüpfenden Heerden; Leben war wieder verbreitet in der ganzen natur! Vater der natur, rief endlich Elisa aus, du schufest ja alle deine Geschöpfe zur Freude! Und ich sitze hier in der Mitte deiner fröhlichen Schöpfung, und kann mich nicht freuen! Die wiederkehrende Sonne, ihr Strahl, der Alles belebt, erleuchtet den Tag der Trauer für mich. – Nur noch einige Stunden, und ich bin das Eigentum eines Mannes, den ich nicht lieben kann! – In deinem Schoosse, allgütige natur, will ich mich stärken. – Ordnung und Schönheit erblicke ich hier, wo ich nur meine Blicke hinwerfe. – Ach, dieses lehrt mich, dass alle meine Empfindungen, Gedanken und Handlungen dieses Gepräge haben müssen, wenn ich glücklich werden will. Ich nehme heute alle Verbindlichkeiten eines Weibes auf mich; ich werde nun ein wirkendes Mitglied der Gesellschaft. – Schon längst wusste ich meine Bestimmung; aber nie erschien sie mir so feierlich als heute, und nie wähnte ich sonst, dass die Pflichten der gattin mir würden so schwer zu erfüllen werden. – Heute soll ich Wallenheim Treue und eheliche Liebe versprechen! Und noch denke ich mit Schaudern an den Augenblick, der uns vereinigen soll! – Doch über alle Wesen auf der Erde ist ja der Mensch erhaben. – Er hat die Kraft, gross und gut zu handeln. – O! hier im Angesichte der natur schwöre