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Du da nicht Trost finden?

H e r r m . An Deiner Seite hätte ich mich hinauf schwingen wollen zu jeder edlen Tat; hätte handeln wollen, wie ein Mann von Ehre und Gefühl! Meine Ruhe hätte ich meinen Pflichten, Vergnügungen meinen Geschäften aufgeopfert. Dein Lächeln hätte mich belohnt. Ach, es wäre der süsseste Lohn gewesen! – Er fehlt mir nun, und mit ihm verschwindet jede Kraft zu handeln.

E l i s a . Nicht so, mein Herrmann! Wenn ich Dir nicht mehr zulächeln kann, so bleibt Dir doch die innere stimme Deines Herzens, die Dir lohnen, zehnfach lohnen wird! Es bleibt Dir das selige Gefühl, Dich des Glücks zu freuen, welches Du schufest!

H e r r m . (Mit aufgehabenen Händen.) Ach, jedes ihrer Worte lässt mich die Stärke meines Unglücks fühlen! (Er lässt seinen Kopf auf ihren Schooss sinken.) Elisa, Engel, ich koste Dir Tränen! – Was soll aus mir werden!

E l i s a . (Umarmt ihn.) Sei standhaft, mein Herrmann! Verdopple meine Leiden nicht; ich muss unterliegen, wenn ich Deinen Schmerz sehe!

H e r r m . Aber, Elisa, wie konntest Du auch so bereit sein, Deiner Mutter zu gehorchen?

E l i s a . Herrmann! Du weisst nicht, wodurch ich dahin gebracht wurde! Meiner Schwester, meiner Mutter Glück fordert es von mir. Wenn ich Wallenheim meine Hand gebe, darf meine Schwester Philippen von Wallenheim, den sie liebt, heiraten. Dieses ist der Wille des alten Wallenheim, und meine Mutter drohte mir mit ihrem Fluche, wenn ich ihrer Tochter den Geliebten raubte.

H e r r m . Grausame Mutter, Dich opfert sie also auf?

E l i s a . Schweig, Herrmann! Liebe ist unwillkührlich. Eine ihrer Töchter musste sie zum Opfer bestimmen; wie natürlich also, dass es die wurde, welche ihrem Herzen am wenigsten teuer ist.

H e r r m . Wie bereit Du bist, sie zu entschuldigen! O Elisa! liebtest Du wie ich, Du könntest es nicht!

E l i s a . Herrmann, werde nicht unbillig! Du warest sonst so edel! O, wenn ich gegen meine Liebe kämpfen, wenn ich heisse Tränen des Schmerzes weinen werde, dass sie stärker als Vernunft und Tugend in mir ist, dann lass mir den Trost, in meiner Liebe die Entschuldigung zu finden, dass ich den edelsten Mann liebe!

H e r r m . Gott! welch ein Weib! O, dass Wallenheim ganz ihren Wert erkennen möge! (Er drückt sie mit Wehmut an seine Brust, mit erstickten Tränen.) Meine Elisa, werde glücklich, vergiss Deinen Herrmann!

Er steht schnell auf, und lehnt sich an einen Baum; Elisa nähert sich ihm, nimmt seine Hand, und drückt ihre Lippen auf die seinigen. Herrmann, bleibe mein Freund; ich bleibe ewig Deine Freundinn! – Nun entfernte sie sich mit starken Schritten; Herrmann wandte sich um, er sieht sie forteilen, und fast sinnlos sinkt er an den Baum zurück. Elisa! Gott! ruft er aus. Sie sieht sich noch einmal um, und mit schwacher stimme ruft sie ihm zu: Er gebe Dir Kraft, Geliebter meiner Seele! Sie verdoppelt ihre Schritte, und bald erreicht sie den Eingang des Gartens, an welchem Henriette ihrer wartete; sie wirft sich in ihre arme; ihre Kräfte waren erschöpft; sie bleibt empfindungslos am Busen ihrer Freundinn liegen. Ihre Augen waren geschlossen, Blässe überzog ihre Wangen; Henriette legt sie auf den Rasen; mit mitleidsvollem Auge blickt sie auf ihre Freundinn, und trauert, dass das edle geschöpf so jung den Kummer kennt. Sie reibt ihre Stirne und Schläfe, und Elisa kehrte zurück ins Leben. Ihre ersten Worte waren, indem sie Henrietten umarmte: Ach, Henriette, nie, nie werde ich ihn nun wiedersehen! Ein Strom von Tränen brach durch ihr mattes Auge. Meine Seele, mein ganzes Dasein, sprach sie, ist bei ihm zurückgebliebenaberich habe meine Pflicht erfüllt! Trost war ihr dieser Gedanke; ihre Tränen wurden ruhiger. Ach, dachte Henriette, möchten doch Alle die, auf welchen die Hand des Kummers ruht, sich dieses sagen können! Ihr Schmerz würde nicht so zerreissend, ihre Seele des Trostes fähig sein.

Am arme ihrer Freundinn ging Elisa zurück. Sie kam vor ihrer Mutter Zimmer vorbei! sie hört Wallenheims stimme, und schaudert. Gott! sagt sie voller Schrecken, bald bin ich sein Weib! In düstre Schwermut stürzt sie diese Betrachtung; ihr Schweigen war schrecklich; ihre Blicke drückten Verzweiflung aus.

H e n r . (Sie umarmend) Elisa, meine Freundinn, Dein Zustand zerreisst mein Herz!

E l i s a . Ich Elende! Alles, was mich liebt, mache ich unglücklich!

H e n r . O, meine süsse Elisa, wer würde nicht gern mit Dir leiden, wenn man von Dir geliebt wird?!

E l i s a . (Mit aufgehobenem und tränenvollem Blicke.) Ach, in den bittersten Stunden unsers Lebens gibt es noch süsse Augenblicke! Nie fühlte ich so, wie jetzt, die Seligkeit der Freundschaft!

H e n r . Nie, meine Elisa, warest Du mir so teuer! O, könnte ich Glück und