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meinen Tod, sprach sie.

C a r o l i n e . (Nachdem auch sie den Brief gelesen hat.) Nein, meine Mutter, Philipp soll mich nicht verlassen!

B . v . H . Elisa, Du musst Dich entschliessen....

E l i s a . (Wirft sich der Baroninn und Carolinen zu Füssen.) Meine Mutter! Caroline! Ach, Mitleid! Mitleid! Tausendfache Leiden zerreissen meine Brust!

B . v . H . Elisa, Deine Mutter bittet Dich!

C a r o l i n e . (Umarmt Elisa'n.) Schwester, Du machst mich unglücklich!

E l i s a . Ach, Caroline, hast Du nur Gefühl für Dein eigenes Unglück? Könntest Du einem Andern die Hand geben, in dem Augenblicke, da Du Philippen entsagen müsstest?

B . v . H . Dein Zaudern würde nur Deine Verbindung mit Wallenheim aufschieben, aufheben nicht, so lange Caroline lebt. Was würde es Dir helfen, täglich ihre und meine Tränen zu sehen. Du würdest durch sie nicht glücklicher; denn Birkenstein soll nie der Deine werden. – Fluch würde dann mein letzter Gedanke an Dich sein; Fluch der Tochter, die das Herz ihrer Mutter zerriss!

E l i s a . Gott!

C a r o l i n e . O, dass jede meiner Tränen höllische Martern in Deine Brust giessen möge!

E l i s a . Halt ein, Caroline! Ach, Muttersegen, Mutterfluch, beide machen mich elend! – Und nirgends ein Ausweg für mich, nirgends mehr hülfe!

B . v . H . Noch in Deinem Gehorsam, Elisa.

C a r o l i n e . Noch in dem Wonnegefühl, wie Du es nennst, Andere glücklich zu machen. Oder hättest Du nur gelernt, schön zu sprechen, undschlecht zu handeln?

B . v . H . Sprich, Elisa, was ist Dein Entschluss?

E l i s a . (Mit schwacher stimme.) Zu sterben, aber Ihnen zu gehorchen.

C a r o l i n e . (Wirft sich Elisa'n um den Hals.) Elisa, Elisa, was soll ich tun?

E l i s a . Mir nicht danken. Dein Dank, Deine Freude lässt mich mein Unglück fühlen! (Nach einer Pause.) Nur eine Bitte, meine Mutter, gewähren Sie mir! Lassen Sie mich noch einige Tage in meinem Zimmer bleiben; ich muss Kräfte sammeln, um Wallenheim sprechen zu können, und – o Gott! – lassen Sie mich selbst meinem Herrmann sagen, dass er und ich ewig elend sind!

Hier sank sie wieder kraftlos in einen Sessel, und verhüllte ihr Gesicht in ein Tuch. Henriette eilte zu ihr, fasste sie in ihre arme; aber vergebens waren ihre Bemühungen, sie aus der Betäubung zu ziehen. Die Baroninn von Hohnau und Caroline verliessen das Zimmer, und die Erstere sagte Henrietten, sie willige in das Verlangen ihrer Tochter. Henriette weinte. Grausame Mutter, sprach sie, um die leidenschaft deiner einen Tochter zu befriedigen, opferst du die Ruhe der Andern auf? – Ach! mögest du nie dein Verbrechen empfinden!

In Elisa's Seele kehrte nun das Andenken ihrer letzten Worte zurück; sie erhob ihren Kopf, und sah die weinende Henriette an ihrer Seite. Auch Dich, meine Freundinn, sagte sie, mache ich unglücklich! O, meine Mutter! dass auch diese Tränen Dir mögen vergeben werden!

H e n r . (Für sich.) Die edle Seele! wie entfernt ist Zorn von ihr!

E l i s a . So werde ich dich auch nicht mehr lieben dürfen, mein Herrmann? Ach, Henriette! Das war mein Trost, als ich ihm entsagte, dass mein Herz ihm doch immer bleiben würde, und nun soll ich sein Bild darin vertilgen! Nun darf ich seinen Namen nicht mehr nennen! Gott! können Menschen dieses fordern, und kann ich das alles halten?

H e n r . Ich erwarte Stärke von deiner Tugend.

E l i s a . (Nach einer Pause, fällt auf ihre Knie.) Ewige, unsichtbare Macht, dein erster Wille lenkte die begebenheiten aller zeiten hindurch; auch ich bin mit begriffen in dem gesetz ewiger notwendigkeit; ach, lass mich immer überzeugt sein, dass es so am besten in der Reihe der Dinge war! (Sie lässt ihren Kopf auf Henriettens Schooss sinken) Henriette! ich wollte ihn aussprechen den Schwur, nicht mehr zu lieben. – Ich kann nicht!

H e n r . (hebt sie auf.) Fasse Dich, meine Freundinn! Du musst nun Dein Glück allein in der Tugend suchen.

E l i s a . Sprich nicht von Glück, Henriette; erflehe nur Ruhe für mich; dem Glücke habe ich entsagt!

Sie schwieg nun; ruhig war ihr blick und alle ihre Bewegungen. Henriette sagte ihr, dass ihre Mutter ihr ihre Bitte gewähre; ein Seufzer war ihre Antwort. Ach! sprach sie endlich, dass Herrmann mich vergessen möge, dass er nur möge glücklich werden! Eine Träne zitterte bei diesen Worten in ihrem Auge: aber Elisa unterdrückte jeden Ausbruch des Schmerzes.

Täglich war Herrmann in den Birkenwald gegangen, in welchem er stets seine Elisa anzutreffen pflegte. Hoffnung beflügelte an jedem Tage seine Schritte, und