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. Ich fühle es, sprach sie, mit der Liebe schwindet die Ruhe, bange Besorgnisse erfüllen meine Brust! – O Herrmann! Möchtest doch du nie sie kennen! Möchtest doch du nur der Liebe Freuden geniessen, ich will ihre Leiden tragen! –

Aber auch Herrmann empfand wechselsweise Entzücken, Hoffnung, Zweifel und Furcht; er eilte am andern Tage nach Hohnauschloss. Wie schlug nun Elisa's Herz, als er sich ihr näherte! Wie zitterte nun seine Hand, als er die ihrige berührte! – Leise sprach er zu Henrietten: Henriette, wissen Sie mein Glück?

H e n r . Ja wohl sind Sie glücklich, Birkenstein; denn Elisa's Herz schlägt nur für Sie!

H e r r m . O, dass ich ihr gleich zu ihren Füssen danken, vor der ganzen Welt bekennen könnte: Elisa, ich liebe Dich!

H e n r . Nicht so heftig, lieber Birkenstein, noch müssen Sie sich nicht verraten.

Er entfernte sich von ihr, und augenblicklich kam Elisa und fragte: Was sagte er Dir?

H e n r . Er sprach, wovon die Geliebten gewöhnlich sprechen, von seiner Liebe.

E l i s a . O, nein, er spricht nicht wie Andere, lass mich jedes Wort hören!

H e n r . Man bemerkt uns, Elisa, Du musst vorsichtig sein.

E l i s a . O, des unerträglichen Zwanges! Wie kann man seine Empfindungen verbergen? –

Frau von Birkenstein, welche nichts unterlassen wollte, Herrmanns und Elisa's Glück zu befördern, hatte ihrem Sohne aufgetragen, die Baroninn von Hohnau um erlaubnis zu bitten, ihr ihre Aufwartung machen zu dürfen. Die Baroninn konnte dieses nicht abschlagen, und nach einigen Tagen stattete die Frau von Birkenstein einen Besuch in Hohnauschloss ab, welchen die Baroninn von Hohnau erwiderte; und nun erhielten Elisa und Henriette die erlaubnis, zuweilen nach Birkenstein zu gehen. Fast täglich sahen sich nun Herrmann und Elisa; ihre Liebe wuchs mit jedem Tage; ihre Besorgnisse schwanden; sie tranken nun aus dem Kelch der Liebe und der Freude. –

An einem Nachmittage ging Elisa allein in einen kleinen Birkenwald, welcher zwischen Hohnauschloss und Birkenstein lag. Ihr begegnete Herrmann; sich einander sehen, und einander in die arme fliegen, war immer das Werk eines Augenblicks. Herrmann war einige Tage abwesend gewesen, also noch feuriger war heute ihr Kuss. O, mein Herrmann, fing endlich Elisa an, wie sehr habe ich Ihre Abwesenheit empfunden! Wie öde schien mir der Wald, da ich wusste, Sie atmeten nicht in seiner Nähe!

H e r r m . Auch mir bot die natur vergebens ihre Schönheiten dar; wo Elisa nicht ist, da ist für mich Tod und Verwüstung.

E l i s a . Anmutiger lächeln nun wieder die Gefilde. – O natur! alle deine Werke liess der Hauch der Liebe werden!

H e r r m . (Nach einer Pause.) Kannst Du es fühlen, Elisa, das Entzücken, welches meine Brust belebt; kannst Du sie begreifen, die unnennbaren Empfindungen, welche durch meine Nerven beben, wenn ich Dich höre die Liebe preisen, und mir dann sage: Ich schuf dieses Gefühl in ihr; ich belebe das Feuer ihrer Augen; ich röte ihre Wange; ich lass ihn stärker sich heben, diesen klopfenden Busen? – Kannst Du es, Elisa? O! dann ist dein Gefühl das Gefühl eines Gottes, der Welten voller Wonne um sich schafft!

E l i s a . Bist denn nicht auch Du der Schöpfer meines Glücks?

H e r r m . (Sie an seine Brust drückend.) Gott! diese Worte aus Deinem mund! – Welchem Fühllosen würden sie nicht Gefühl einhauchen!

E l i s a . Wie heftig, Herrmann! Kommen Sie, lassen Sie uns unter den Schatten jener lieblichen Birken setzen, und erzählen Sie mir da von Ihrer Reise.

H e r r m . Von meiner Reise? O! ich will Ihnen Alles sagen, was ich sah und hörte. Unter jeder Linoe sah ich meine Elisa; die Winde weheten mir das Lispeln ihrer stimme zu; ich hörte immer diese sanften schmelzenden Töne; aber ich konnte nicht, wie jetzt, sie in meinen Armen drücken, nicht ihr sagen: Herrmann lebt nur für dich, lebt nur da, wo du bist! – Sie setzten sich nun; ein kleiner Bach, der ohnweit aus einem Berge floss, rauschte an ihrer Seite; sein Murmeln, die graue Dunkelheit des Waldes, des Tages Schwüle, Alles wiegte ihr Herz in jene dunkle Empfindung des Verlangens, und der Wollust Träne rollte von ihren Wangen. Herrmann sprach noch; aber seine stimme zitterte, und nur leise lispelte Elisa: mein Herrmann! und liess ihren Kopf auf seine Schulter sinken. Das Tuch, welches um ihren Hals sich schlang, entfaltete sich, und liess Herrmann den schönen Busen erblicken, auf welchem sanft ihre braunen Locken spielten, und welchen der Liebe Seufzer bewegten. Feuriger drückte er sie an sein Herz, und heisser wurden seine Küsse. Er wagt es, und drückt seine brennenden Lippen auf ihren Busen; aber nun erwachte Elisa aus dem Taumel der Wollust und der Liebe; eilig stand sie auf. Herrmann, lass uns fliehen, die Tugend verlässt uns!

H e r r m . (Bleibt liegen zu ihren Füssen.)