hatte seinen Arm um Elisa'n geschlungen, und mit niedergesenktem Blicke sass sie da; höher hob sich ihr Busen; Herrmanns Auge wurde funkelnder; Liebe wehete ihm das Rauschen der Blätter zu; Liebe hörte er im Gesange der hoch sich schwingenden Lerche. Er ergreift Elisa's Hand; sie zittert. Er blickt sie an; eine Träne glänzt in ihrem Auge. Elisa, stammelt er, meine Elisa! und drückt seine Lippen auf die ihrigen. Purpurröte überzieht ihre Wangen; sie windet sich aus seinen Armen, und wagt es nicht, ihn anzusehen.
H e r r m . Bin ich schuldig?
E l i s a . (Mit bebender stimme.) So bin ich es denn auch, Herrmann?
H e r r m . (Sie feurig umarmend.) Nein, meine Elisa, das sind wir nicht! Wir gehorchen der stimme unsers Schöpfers, der aus Liebe uns schuf, durch Liebe uns werden liess, und durch sie uns beglücken wird!
E l i s a . (Ihren Kopf an seine Schulter lehnend.) O, Herrmann! –
H e r r m . Meine Elisa, wie glücklich machen Sie mich! Ich wagte nicht, es zu glauben – Liebe! Liebe! wie gross sind deine Freuden!
E l i s a . (gegen Himmel blickend.) Dank dir, mein Schöpfer, dass du mich ihn finden liessest, diesen Mann, der allein dieses selige Entzücken mich fühlen lassen konnte! (Sie reichte ihm ihre Hand.) Herrmann, Ihre Liebe macht mich stolz, macht mich glücklich!
H e r r m . (Kniet vor Elisa'n, und hält lange ihre Hand an seine Lippen.) Himmlisches Mädchen! ich vermag es nicht, meine Gefühle auszudrücken!
Bei diesen Worten sank er in ihre arme, und Beide schwiegen nun. Die Sprache des Gefühls ist zu mächtig, zu trunken das Wonnegefühl der Liebe, um durch Worte sie auszudrücken. Ihre Blicke nur sagten sich ihr Glück.
E l i s a . (Nach einer langen Pause.) Herrmann, die Sonne ist untergegangen, wir müssen zurückgehen.
H e r r m . O, dass ich eine Ewigkeit hier sitzen könnte!
E l i s a . Lassen Sie uns hoffen, nie getrennt zu werden! Ach, ich könnte den Gedanken, ohne Sie zu leben, nicht ertragen!
H e r r m . Und ich ihn nicht fassen! Ohne Sie kann mir kein Glück mehr werden!
E l i s a . Wir wollen ihn nicht denken, mein Herrmann; das Schicksal liess uns einander finden, unsere Liebe wird uns auf ewig vereinigen!
H e r r m . Süsses, liebevolles geschöpf! Dank dir, gütiger Vater, du liessest mich einen Engel finden!
Ein holdlächelnder blick, ein Kuss, den sie errötend auf seine Lippen drückte, war Elisa's Antwort. Schnell eilte sie nun fort; doch Herrmann erreichte sie bald wieder. Im tiefen Schweigen war schon die natur versenkt; allein ihre Liebe belebte Alles, oder vielmehr hörten sie auf, andere Gegenstände zu bemerken. In der ganzen natur sah Herrmann nur Elisa, und Elisa nur Herrmann. Zum Erstenmale erblickte sie ohne Entzücken den gestirnten Himmel, den aufgehenden Mond; zum Erstenmale hörte Herrmann nicht die Schallmeie des fröhlichen Hirten, welche in der Ferne erschallte, und welche er sonst mit Vergnügen belauschte. Im stummen Entzücken gingen sie fort, nur Seufzer der Liebe weheten die Lüfte ihnen nach. Frau von Birkenstein erwartete sie am Eingange des Gartens. (Elisa nähert sich ihr verwirrt.) Sind Sie schon fertig, liebe Mutter?
F r . v . B . Es freuet mich, dass Herrmann Sie so gut unterhalten hat, dass Sie den Verlauf zweier Stunden nicht bemerkt haben.
E l i s a . (Immer verwirrter, sieht errötend nach der Uhr.) In der Tat, es ist schon spät. Wir sind weit gegangen....
H e r r m . Mutter, unsere Unterhaltung war die, welche Jahre zu Minuten macht!
(Elisa verbirgt ihr Gesicht am Busen der Frau von Birkenstein, welche sie umarmt.)
F r . v . B . Erröten Sie nicht, meine Freundinn! Herrmann ist Ihrer Liebe würdig; und Liebe in solchem Herzen, als das Ihrige, ist Engelgefühl!
H e r r m . (Kniet nieder, vor Elisa und seiner Mutter.) Meine Elisa! Hier, vor meiner Mutter, gelobe ich Ihnen Liebe und Treue, und bekenne, dass Sie mir das Heiligste auf der Erde sind!
E l i s a (Ihn aufhebend.) Und hier eröffne ich Ihnen ganz mein Herz. Unaussprechlich, Herrmann, liebe ich Sie; nur unbedingte Pflicht kann mich je von Ihnen reissen, und nie wird ein Mann, so wie Sie, meine Liebe besitzen!
F r . v . B . (Beide umarmend.) O, meine Kinder! möchte doch Eure Liebe Euer Glück und meine Freude im Alter machen!
Der Mutter und der beiden Liebenden Tränen der Freude und des Gefühls vermischten sich mit einander; dichter, als ihre arme, waren ihre Herzen in einander gekettet, und nur mit Mühe entriss sich ihnen Elisa, und eilte zurück nach Hohnauschloss. Der Schleier der Nacht lag schon auf der natur verbreitet, Elisa'n war er willkommen; des Tages