ansehen wird, die Er sonst mit so inniger Freude in seinen Armen drückte. Vergleiche er diesen Zustand mit dem Tage, an dem Er die Schuld seines Vaters bezahlte! Da verlor Er alles, aber Er war vergnügt. Mit dem Tage, an dem sein liebes Mädchen sein Weib wurde, da war Er auch arm, aber Er handelte ehrlich, und Er fühlte seine Armut nicht! Sie war ihm süss; sie ist Ihm erst drückend geworden, seitdem Er gestohlen hat! Diesen Unterschied wird Er immer empfinden. je nachdem Er Recht oder Unrecht tut. Seine eigne Erfahrung hat Ihn schon davon überzeugt. Armut ist nicht eher ein Unglück, als bis man Böses tut, dann fühlt man alle Leiden doppelt. – So etwas hatte mir der Priester nie gesagt; aber ich war auch noch nie so gerührt gewesen; denn ich fühlte, dass alles wirklich so war, wie mir der gnädige Herr gesagt hatte; denn ich konnte mein Weib nicht ansehen, ohne zu weinen, und wenn mir der Herr Pastor auch noch so viel von Höllenstrafen vorsagte, so empfand ich davon nichts, und ich dachte dann nicht weiter daran. Ich werde es nie vergessen, was der gnädige Herr sagte, wie einem Diebe zu Mute wäre, und ich wollte nicht mehr stehlen, sollte ich auch verhungern; denn ich würde dadurch doch nicht so unglücklich werden, als ich es jetzt bin. – Aber Sie sollten mahl den Bedienten des jungen Herrn hören, wenn der von ihm erzählt! Ach, da muss man weinen, wie ein Kind! Eine geschichte besonders! die vergesse ich nie, denn sie ist gar zu schön!
E l i s a . (Mit angenommener Gleichgültigkeit.) Wie ist sie denn!
H a r b . Unser junger Herr ist doch in Berlin in Diensten, und da ist in demselben Fach noch ein Herr, der ist neidisch auf ihn gewesen, weil er so geschickt ist, und der Minister so viel aus ihm machte; er hat ihn also nicht leiden können, und immer Böses von ihm zum Minister gesprochen. Endlich sollte unser junger Herr eine Stelle erhalten; allein der Andere hat so lange gemacht, bis dass er es verhindert hat. Diess alles hat nun unser junger Herr wohl gewusst; allein er hat sich nichts merken lassen. Bald drauf wird der Andre krank, und da er immer sehr lustig lebt, so hat er kein Geld, und Verwandten hat er auch nicht in Berlin, da geht es ihm nun sehr schlecht; diess erfährt unser junger Herr, der eben auch nicht bei Gelde ist, denn er lässt sich nur sehr wenig von seiner Mutter geben, weil sie auch nicht viel hat; und er sagt, er will es hier den Armen nicht entziehen, welchen sie es gibt. Er weiss sich nun nicht anders zu helfen, als dass er Stunden geben muss, um den Andern beizustehen; da, sagt Christian, hat er vier Wochen lang des Abends um sechs Uhr einen Oberrock angezogen, ist in eine andere Gegend der Stadt, und bei Leute gegangen, wo er nicht bekannt war, und hat bis um neun Uhr Stunden gegeben; dann ist er zu dem Menschen gegangen, hat ihn gepflegt, ihm einen Doktor und eine Wartefrau angenommen; aber das Geld hat er ihm durch die Post geschickt, so dass der nicht gewusst hat, von wem er es bekommen hat! er ist immer erst spät von ihm gegangen, und oft, sagt Christian, wenn er dann hat viel Arbeit gehabt, hat er des Nachts gearbeitet, um nicht die Stunden zu versäumen. – Wir hatten alle die Augen voll wasser, als Christian das erzählte, Gott segne den guten jungen Herrn, und gebe ihm ein gutes Weib, die ihn für alles das belohne!
Harberg stand nun auf, er bat Elisa'n noch einmal, zu ihm zu kommen; sie versprach es ihm, und er verliess das Zimmer.
E l i s a . (Nachdem Harberg hinaus ist, indem einige Tränen ihre Wangen herabrollten.) Herrmann! edler, guter Jüngling! Ja wohl, möchtest Du unaussprechlich glücklich sein! O, könnte ich Dein Glück mit meinem Leben erkaufen! Jeder Tag sollte für Dich ein Tag der Wonne sein!
So blieb sie noch lange sitzen, dachte nur an Herrmann, und rief in ihr Gedächtniss alles zurück, was Harberg ihr gesagt hatte. Sie erhielt von ihrer Mutter die erlaubnis, nach Birkenstein zu gehen, und nun beschäftigte sie sich, für Harbergs Tochter einen Anzug zu verfertigen. Ihre liebende Seele dachte sich die Freude der Mutter, wenn sie das kleine geschöpf so geschmückt sehen würde, es war ihr süss, diese selbst zu bereiten. Henriette wollte Elisa'n begleiten, allein sie befand sich am andern Morgen nicht wohl, und Caroline sagte, sie hielte es nicht für eine Ehre, die Gevatterinn eines Bauern zu sein, also fuhr Elisa allein nach Birkenstein. Herrmann erwartete sie schon vor dem dorf, und führte sie zu seiner Mutter. Beide konnten kaum die Freude verbergen, sich zu sehen. Ihr Schweigen, Herrmanns trunkene Blicke, und Elisa's stärker klopfender Busen, Alles entdeckte ihre Empfindungen, und Frau von Birkenstein las in ihren Herzen. Ach, könnte ich sie doch einmal als Tochter umarmen! sprach sie zu sich selbst.
Sie gingen nun zusammen zu dem ehrlichen Harberg, und die feierliche Handlung nahm ihren