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leicht.

E l i s a . (Errötend.) Ich sagte ja nicht, dass mir Herr von Birkenstein gefiele.

C a r o l . (Im vorigen Tone.) Deine Röte beweist es!

Glücklicherweise bemerkte die Baroninn von Hohnau diese Unterredung nicht; Elisa war so schüchtern, dass sie den ganzen Abend nicht mehr sprach, und dieses gab Carolinen immer mehr Stoff zu ihren Spöttereien; die sanfte, geduldige Elisa ertrug sie gelassen. Sie sagte oft: es ist eine der ersten unter den geselligen Tugenden, Anderer Schwachheiten ertragen, und das sicherste Mittel, sie für sich unschädlich zu machen.

Herrmann kam nun oft nach Hohnauschloss; er und Elisa kannten keine höhere Wonne, als sich zu sehen. Das gefühlvolle Mädchen glaubte, achtung und Freundschaft wären ihre Empfindungen für den liebenswürdigen Jüngling, und er, ach! er fühlte wohl, dass Elisa ihm Alles war; aber er wagte es nicht, sich selbst seine Empfindungen zu gestehen. – So waren vierzehn Tage seit seinem ersten Besuche in Hohnauschloss verflossen, als an einem Morgen plötzlich ein junger Bauer in Elisa's Zimmer trat. Es war Harberg. Gott grüss Sie, schönes fräulein! Verzeihen Sie, dass ich gerade in die stube komme: war seine Anrede.

E l i s a . Das hat nichts zu sagen, mein Freund, entdecke Er mir nur sein Verlangen.

H a r b . Ich wollte Sie bitten, dass Sie möchten Gevatter bei meinem Mädchen stehen. Ich bin so arm gewesen, dass ich bis jetzt nicht habe können taufen lassen, aber unser gütiger junger Herr hat mich fortgeholfen. (Er zieht einen Brief aus der tasche.) Hier ist ein Brief von der gnädigen Frau, sie bittet auch für mich.

H a r b . (Nachdem Elisa gelesen hatte.) Verzeihen Sie, dass ich so frei bin, Sie so geradezu zu bitten; aber als ich Sie auf unserer gnädigen Frau Geburtstage sah, wie Sie so freundlich gegen uns arme Leute, und so voll Liebe gegen unsre gute Mutter waren, ach! da kann ich gar nicht sagen, wie mir war! Ich hätte mögen zu Ihnen rennen, und Ihnen den Rock küssen, wenn es sich so geschickt hätte!

E l i s a . Ich danke ihm für seine Liebe. Ich werde kommen, wenn meine Mutter es erlaubt. Aber, ist seine Frau nun wieder besser?

H a r b . Ja, Gott und unserm gütigen Herrn sei Dank! O, was ist das für ein Herr! Ich war in seiner Jugend sein Spielkamerad; die gnädige Frau sagte dann immer: Herrmann, sei höflich und gefällig gegen Jürgen, er ist so gut, wie du! Und wenn wir uns stritten, und Herrmann hatte Unrecht, so musste er mich um Verzeihung bitten, und die gnädige Frau achtete mich dann weit mehr, als ihn, bis dass er sein Unrecht erkannte. Aber ihre Lehren haben auch geholfen; er ist ein Engel geworden.

E l i s a . (Schnell einfallend.) O, erzähle Er mir doch etwas von ihm. (Sie holt einen Stuhl.) Setze Er sich, lieber Harberg, Er wird müde sein?

H a r b . O, das ist zu viel! das ist zu viel! liebes fräulein, machen Sie doch nicht so viel Umstände mit mir armen mann!

E l i s a . Er erzeigt mir einen Gefallen, wenn Er sich setzt; ich habe es nicht gern, wenn die Leute vor mir stehen.

H a r b . (Setzt sich.) So ist unser gnädiger Herr eben! Als er des Abends zu mir kam, wie meine Frau noch krank war, und im Bette lag, und ich nur einen einzigen Schemel hatte, so musste ich sitzen und er stand. Er sagte: Harberg, Er hat gearbeitet und ich nicht, Er muss nun ruhen! Er kam wohl viermahl des Tages, wie meine Frau so schlecht war, um zu sehen, ob sie die Arznei ordentlich bekam, welche er vom Doktor verschreiben liess, dem er täglich dafür, dass er aus der Stadt kam, einen Taler gab, und dann nahm er noch ein Weib an, welche meine Frau und mein Kind warten und pflegen musste. Ach, und wie ich das Gras gestohlen hatte, was gab er mir da für Lehren! Harberg, sagte er, wie Er durch eine einzige Handlung sich unglücklich gemacht hat! wäre er zu mir gekommen, und hätte mir sein Leid geklagt, ich hätte ihm geholfen, und wäre ich noch nicht hier gewesen, so hätte es meine Mutter getan; denn ehrlichen Leuten steht man immer bei. Nun kann Er aber ins gefängnis kommen, und dann bleibt seine ganze Wirtschaft den Sommer über liegen, und Er wird dadurch an den Bettelstab gebracht. Er erregt dann kein Mitleiden mehr; man sagt: Er ist ein Dieb, Er verdient sein Schicksal! Verachtung liest Er auf allen Gesichtern, und womit kann Er sich dann trösten! Mit innerlicher Zufriedenheit? Er hat sie verloren, Er wird sich in jedem Augenblicke sagen: Ich habe mein Weib, mein Kind Zeitlebens unglücklich gemacht! Sie werden aufhören, Ihn zu lieben. Von einem Jeden verachtet, und von Keinem geliebt, wird Er sein Leben zubringen. Mit Tränen wird er das erbettelte Stück Brod benetzen, weinen, wenn er sein Weib