, und Elisa wollte ihn beobachten. Kalt und mit Zurückhaltung redeten sie einander an; dieser Zwang war Beiden lästig, der feurige Jüngling konnte ihn nicht länger ertragen. Elisa, rief er aus, fehlt Ihnen etwas? Habe ich Sie beleidiget?
E l i s a , (Mit sanfter stimme.) Nein, lieber Birkenstein, aber Sie selbst sind ja verändert.
H e r r m . (feurig.) Ich, verändert? gegen Sie? Ha! ...
H e n r . (Einfallend.) O, des brausenden Menschen! Sagen Sie mir nur, warum Sie in so heftige Bewegung geraten?
H e r r m . Ach, verzeihen Sie, Elisa! Ich bin seit einigen Tagen so unruhig. Kommen Sie, lassen Sie uns auf jene Anhöhe gehen; mich dünkt, man atmet freier, wenn man die Erde unter seinen Füssen sieht, und sich den Wolken nähert.
Er ergriff ihre Hand, und sie erstiegen den Berg.
E l i s a . (Nachdem sie einige Zeit in stummer Betrachtung da gestanden hatte.) Wie schön ist es hier! Ihr, die ihr unzufrieden mit dem Schicksale seid, kommt hierher! Seht, wie schön die Erde ist! Seht jenen Wald, der auch für euch seine Schatten ausbreitet! Sauget der Blumen Balsamdüfte, die auch für euch da stehen! Sehet im Werke des Allmächtigen die Spur der Menschenhände, welche auch eure Brüder sind!
H e r r m . (Feierlich.) Allgütige natur, Mutter aller Freuden, lass uns dieses Augenblicks nie vergessen! Sollten wir je des Schicksals Härte empfinden, so erinnere uns, dass in deinem Schoosse uns der Freuden Fülle noch bleibt!
Alle waren bewegt; langsam richtete Elisa ihre Augen auf Herrmann. O, wie schön schien er ihr in diesem Augenblicke! Würde und Sanftmut war in seinen Blicken vereiniget, Grösse lag in seinen Zügen. Sie reichte ihm ihre Hand. Wohl! wohl! sprach sie, wollen wir des Augenblicks immer gedenken, um selbst bei Widerwärtigkeiten noch glücklich zu sein!
Eine Träne entschlüpfte bei diesen Worten ihrem Auge. Herrmann schlang seinen Arm um ihren Leib. Elisa kann nie unglücklich sein, rief er; und nun riss er sich von ihr los, und eilte hinweg. Staunend sah ihm Elisa nach, und seufzte, als er vor ihren Blicken verschwand. Sie verlor sich in ihren Betrachtungen über ihn, und bald sah sie nicht mehr die wirklichen Gegenstände, welche sie umgaben: sie sah nur Herrmann, der schon weit von ihr entfernt war. Henriette, welcher keine ihrer Bewegungen entging, näherte sich ihr endlich. Hat Herrmann, sprach sie, so ganz Deine Aufmerksamkeit mit sich genommen, dass Du alles übrige vergisst?
E l i s a . Zum wenigsten einen grossen teil derselben; sein Betragen war sehr sonderbar.
H e n r . (Lächelnd.) War sehr natürlich.
E l i s a . Du scherzest jetzt immer, Henriette, und nie war ich weniger zu scherzen aufgelegt, als jetzt.
H e n r . Sage auch, nie war ich so ungerecht, zu verlangen, dass Anderer Launen sich nach den meinigen richten sollten, als jetzt.
E l i s a . Verzeihe, liebe Henriette! und tausend Dank Dir, dass Du mir meine Fehler sagest. – Ohne Dich würde ich ein albernes Mädchen werden.
H e n r . Das nicht, liebe Elisa! ich verbessere nur hin und wieder kleine Flecken, um den Glanz noch zu erhöhen.
E l i s a . Mein Herz sagt mir in diesem augenblicke, dass ich Dein Lob diessmal nicht verdiene. Aber komm, lass uns zu haus gehen, es wird kalt! –
Elisa wurde nun nachdenkender; sie lächelte seltner; oft sass sie in Gedanken verloren, und Herrmann war der Gegenstand ihres Nachdenkens gewesen. Ich weiss nicht, sprach sie zu Henrietten, einige Tage nach ihrem letzten Spaziergange, warum Herrmann uns nicht besucht?
H e n r . Er glaubt vielleicht, dass deine Mutter ihn nicht gut aufnehmen würde.
E l i s a . O, dann kennt er sich – dann weiss er nicht, wie einnehmend er ist: (Henriette lächelt. Elisa errötend nach einer Pause.) Ich gestehe, ich bin feurig in seinem Lobe; wenn ich ihn sehe, schwindet der Vorsatz, ihn zu beobachten; mich dünkt, ich beleidige die Menschheit und die natur, wenn ich bei seinem Anblicke noch zweifle, dass er Einer der Besten unter den Sterblichen ist. Sein Ausruf, seine Anrede auf dem Berge an die natur, wie ungekünstelt! wie feierlich! Henriette, ich hätte mögen Tage da stehen, und ihn betrachten!
H e n r . So ist es denn wieder ein Ideal von Schönheit und Vollkommenheit, welches Dich zu Herrmann hinreisst?
E l i s a . Kein Ideal, welches in meiner Einbildungskraft entsprang. Seine Zärtlichkeit für seine Mutter, seine Ehrfurcht für die Tugend, sein lebhaftes Gefühl für die natur, dieses alles ist Wirklichkeit; und wehe den kalten Seelen, welche diesen Eigenschaften nicht achtung zollen! –
Noch an eben dem Tage liess sich Herrmann bei der Baroninn von Hohnau melden. Elisa's Wange wurde feuriger bei seinem Namen; ihr zur Erde gesenkter blick empfing ihn; langsam drückte er ihre Hand an seine Lippen, und ein Seufzer entfuhr seiner Brust.
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