, nur ihr zu leben, und ich will ihr und mir mein Versprechen halten.
Alles dämmert vor meinen Augen, und ich sehe sie immer noch vor mir stehen, halb in sich geschmiegt, halb an mich gedrückt. Nein, keine andre Erinnerung verdient seit diesem Augenblicke einen Platz in meiner Seele – ich möchte zu ihr hinüberstürzen, aber die Mutter ist jetzt dort. – Über die elende Narrheit! dass es unsre sogenannte Tugend, unsre Lebensweise mit sich bringt, dass wir nicht so glücklich sein dürfen, als wir sein könnten! – Die Menschen haben ordentlich darauf studiert, alle ihre Freuden schon in der Geburt zu ersticken; da muss erst Hochzeit, Trauung gehalten werden, tausend unangenehme und widrige Sachen um sich her versammlet, Glückwünsche von alten Narren und Muhmen, damit ja das Allerhöchste, der himmlischste Genuss im Menschen zum niedrigsten und langweiligsten Spasse herabgewürdigt werde, damit wir uns ja auf keinen Augenblick von dieser jämmerlichen Erde entfernen, und aus ihrem Dunstkreise von Armseligkeiten mit den Flügeln der Wonne hinüberheben.
Sie hätten sie sehen sollen, Rosa, wie Scham und Wonne in den hellen Augen kämpften: wie sich mich zurückstossen wollte, und doch nur fester an sich drückte; wie sie klagen wollte, und doch ihren Mund meinen wollüstigen Küssen darbot. – Nein, bis jetzt hab ich noch nie diesen Genuss empfunden; das Vergnügen an anderen Weibern ist nur wie ein Vorgefühl, eine Ahndung dieser Seligkeit. In den Armen der Blainville fühlt ich nur den Anfang des Rausches, und log mir eine Entzückung der Götter; Reue und Überdruss bemeisterten sich meiner sehr bald. Laura, Bianca und alle übrigen dieser Zunft sind verworfene Geschöpfe, die ihre Entzückungen heucheln, und nach dem Preise erhöhn. – Rosaline, Rosaline ist das einzige Weib in der Welt, die übrigen sind ihr nur gleichsam nachgebildet.
Ich fange jetzt wirklich an, schläfrig zu werden; die Traumbilder, die mich begrüssen wollen, tanzen schon jetzt um mich herum, und necken mich. Alle haben die entkleidete Rosaline in ihrer Mitte. – Ich werfe mich aufs Lager. Willy, sehe ich, ist schon zu Bette gegangen; in Rom schlägt es drei Uhr. – Leben Sie recht wohl, lieber Rosa; ich beneide jetzt keinen Menschen, sondern bedaure sie alle. Noch nie hab ich mich so darüber gefreut, dass ich Lovell bin. –
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Rosaline an Antonio
Ach, Antonio, Antonio! Komm doch so bald, als möglich. Ich getraue mir gar nicht, meinte Mutter anzusehen; alles was ich sonst gern tat, ist mir jetzt zur Last, mir ist, als gehört ich gar nicht mehr in dieses Haus. – Ich möchte einsam und unbemerkt im Winkel sitzen, und den ganzen Tag über weinen. Ach, Antonio! was hast Du aus mir gemacht? – Ich lebte so still vor mich hin, und war mit allem zufrieden, und jetzt ist mir das ganze Haus zu enge, ich denke unaufhörlich an Dich und an gestern, und mit einer quälenden Unruhe; mein Herz schlägt schwer und gewaltsam. O komm heute recht früh, damit ich nur wieder ein Paar Augen finde, die ich ansehn darf, und die ich, ach! so gern betrachte.
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Rosaline an Antonio
Ach, Antonio, Du geisst es war zu gut, dass ich Dir nichts abschlagen kann, und das macht Dich so stark und dreist, weil ich nur zu schwach bin. Aber habe Mitleid mit mir. – Ach, was kann mir nun alles noch helfen? Meine Laute macht mir keine Freude mehr, meine Mutter ist mir oft in der Seele zuwider; und doch möchte ich ihr manchmal um den Hals fallen, und ihr alles, alles sagen. Aber es hält mir die Zunge fest, es drängt mir in der Kehle, dass mir die Sprache versagt. Ich weine viel, und sie meint, es sei um den armen Pietro. – Ach, Antonio, halte nur Dein Versprechen, ich beschwöre Dich bei der Muttergottes, denn sonst bin ich gänzlich verloren.
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William Lovell an Rosa
Rom.
Wenn man recht froh und zufrieden lebt, in einer schönen Einförmigkeit, den einen Tag, so wie den andern, so schreibt man ungern, weil man nichts zu schreiben hat. Ich habe mich mit Rosalinen nun ganz gut eingerichtet, und ich fühle nach langer Zeit die schöne Behaglichkeit wieder, die Erfüllung aller Wünsche zu sehen, ohne jenen Sturm des Bluts, ohne jenes ängstliche Herzklopfen, das aus unserm Leben unangenehme Abschnitte macht. Ich wäre ganz glücklich, wenn mich der Eigensinn und die Launen Rosalinens nicht zuweilen störten. Dass sich doch keine von den Schwachheiten ihres Geschlechtes losmachen kann! Sie ist unzufrieden mit der Art, mit der ich Willy behandle, täglich wird sie dringender, dass ich sie heiraten soll, und, was das Traurigste ist, alle ihre Munterkeit, ihre Laune ist hin, und mit ihr jener unaussprechliche Zauberreiz. Soll ich es mir gestehn, dass sie mich nicht liebt? Denn sonst könnte sie das nicht beweinen, was mich glücklich gemacht hat.
Willy hätte jetzt gelegenheit, nach England zu reistörte.
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Rosa an William Lovell
Tivoli.
Ja ich will nur endlich kommen, denn es scheint mir selbst, als wenn Sie meiner bedürften. Lieber Freund, Sie sind in Ihren Briefen nicht mehr so aufrichtig, als Sie es anfangs waren; Sie fangen an, sich zu maskieren, aber ich