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, wie man etwas gegen Dich haben kann. Alle Menschen sollten so sein, wie Du, so wäre das die schönste Welt. – Adieu, und bleibe ja heute länger.

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Antonio an Rosaline

Also heute, wirklich nun heute! – So ist denn doch endlich die zögernde Stunde herangeschlichen, die mich vollkommen glücklich machen soll. – O wie dank ich Dir! Aber Du wirst doch Wort halten? –

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William Lovell an Rosa

Rom.

Es ist wunderbar, wie lange ich in dem Vorhofe der Seligkeit aufgehalten werde; tausend Zufälle vereinigen sich, um mich immer wieder von der höchsten Wonne zu entfernen. Rosaline ist mein, unbedingt mein. – Sie hatte sich neulich für meine Bitten erweicht, und mir versprochen, mich in der Nacht heimlich zu sich kommen zu lassen, aber die Mutter wurde krank, und sie musste bei ihrem Bette wachen. Welche Nacht hatte ich! Die sehnsucht regte sich mit allen ihren Gefühlen in mir, ich konnte nicht eine Minute schlafen, und doch auch nicht wachen. Ich lag in einer Art von Betäubung, in der sich Bilder auf Bilder drängten, und mein kleines Zimmer zum Tummelplatze der verworrensten Szenen machten. Es war eine Art von Fieberzustand, in welchem mir hundert Sachen einfielen, über die ich noch lange werde denken und träumen können.

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William Lovell an Rosa

Rom.

Es ist um rasend zu werden! Alles ist dahin! Alle meine Ruhe, alle meine Liebe ist gänzlich, durchaus verloren! Ich kenne mich kaum wieder, ich verachte und hasse mich selbst, ob ich gleich nur auf den Zufall fluchen sollte. Denken Sie nur selbst, alles war bestimmt und fest gemacht, Rosaline war so zärtlich gegen mich, wie sie noch nie gewesen ist, sie war völlig davon überzeugt, dass ich sie heiraten wollte, und bei Gott, ich hätt es auch getan; sie hatte mir die gestrige Nacht zugesagt, und ich erwartete mit Ungeduld die Abendröte; ich konnte mir meine Phantasieen und Hoffnungen gar nicht als wirklich denken – o und sie sind es auch nun nicht geworden! Ich stehe hier wie ein Schulknabe, der seinen Lehrer fürchtet, ich bin beschämt und verworfen: gestern kam noch bei Tische ein alter Mann als Bote, der Pietros, des armseligen Fischers, des Bräutigams Zurückkunft ansagte. In wenigen Tagen wird er hiersein. Ich war wie vom Schlage getroffen, alle meine Sinne waren gelähmt, bleich, und wie aus der Ferne hört ich nur die genaueren verdammte Gesicht des Kerls, als er zur tür hereintrat, kündigte mir nichts Gutes an. Es war eine von den Physiognomieen, die dazu gemacht sind, Unglücksbotschaften zu bringen.

Und dann die Freude der Mutter! Die stille Beschämung Rosalinens, die mir plötzlich durch die blosse Nachricht ganz abgewandt wurde! O mich wundert, dass ich nicht den Verstand verloren habe! Sie weicht mir seitdem ängstlich aus, sie ist kalt und fremde, und ich stehe auf demselben Punkte, auf dem ich mich am ersten Tage unsrer Bekanntschaft befand. – Ich könnte den Kerl ermorden, der sich so ungerufen zwischen uns drängt, und all mein Glück und meine schönen Träume vernichtet. –Warum hängen wir so oft von nichtswürdigen Zufälligkeiten ab! – Und nun jetzt, jetzt, da sich soeben alle meine Wünsche krönen wollten. – Wenn ich sie sehe, mit all ihren Reizen, und die Phantasie mir die heiligen, von keinem Blicke entweihten vor die Augen zaubert! Wenn ich mir das alles so ganz hingegeben denke, und nun geht sie mir vorüber, und kennt mich nicht, und heute abend war das letzte Ziel meines Glücks! – Ich könnte sie ergreifen, und im Gefühle der Begierde erwürgen, und wütend an ihrem Busen sterben. – Raten Sie mir, Rosa, was ist zu tun? Ich habe allen Verstand, alle Besinnung völlig verloren.

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William Lovell an Rosa

Rom.

Ich bin noch wie im Traume, es ist Nacht, indem ich Ihnen schreibe, und ich weiss noch immer nicht, was morgen geschehen wird. Seit einer Stunde bin ich von einer Reise zurückgekommen, ich bin müde und kann doch nicht schlafen. – Die Ankunft Pietros hatte mir mein Leben geraubt; ich, wusste den Weg, den er kommen, und wann er anlangen würde. Ich ritt auf die Strasse nach Neapel: bei Rosalinen schützte ich eine notwendige Arbeit vor, die ich in der Stadt zu Ende bringen müsste. Hinter Sezza liegt ein einzelnes einsames Haus, dort erwartete ich den Bösewicht, den ich schon im innersten Herzen hasste, noch ehe ich ihn gesehen hatte. Er wollte gestern abend dort ankommen, und kam nicht. Endlich tat sich nach Mitternacht die Tür auf, und er trat herein; er hatte noch gegenüber ein kleines Dorf besucht, und hatte sich jetzt bei unruhigem Wetter über den Fluss setzen lassen; dadurch war er so lange aufgehalten. – Nun ich ihn vor mir sah, erwachte mein Hass noch grimmiger. – Ein ganz gemeiner Mensch, der kaum sprechen kann, verdriessErbschaft nicht so ansehnlich ist, als er erwartet hatte. Das widrigste Gemisch von bäurischem und schurkischem Wesen, schmutzig und gefrässig; dieses Tier ging jetzt dem Besitze der göttlichen Rosaline entgegen, von der er in seinem ganzen Leben nicht die kleinste ihrer Vortrefflichkeiten verstehen wird.

Er brach auf, weil er gern bald nach Rom wollte; es war Mondschein, und er fühlte sich noch frisch. Ich ritt dieselbe Strasse