, wenn ich nicht bei Rosalinen bin. In Rom fang ich an, allen Leuten fremd zu werden, ich mag niemand besuchen, ich mag nichts tun: schon seit lange ängstigt mich ein Brief, den ich an meinen Vater schreiben muss, ich kann nichts anders denken und sprechen. –
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Walter Lovell an seinen Sohn William
Kensea in Hampshire.
Ich bekomme keine Antwort auf meinen Brief, und ich werde mit jedem Tage schwächer. Der Arzt findet es jetzt bedenklich, und ich fühl es, dass die Uhr meines Lebens zu Ende gelaufen ist. – Alles wird mir gleichgültig, was mir sonst wichtig war, meine ehemaligen Plane habe ich völlig vergessen, komm also ohne alle Scheu nach England zurück, lieber Sohn, heirate, wenn Du durchaus willst, Amalien, ich will und kann nichts weiter dagegen einwenden, nur brich Dein Schweigen und komm. Ach, wenn Du willst, muss ich Dich freilich auch noch wegen einer meiner Briefe um Vergebung bitten, ich meinte es gut mit Dir, und damals war auch die Lage der Sachen anders.
Wenn der Wind hier durch den Wald bläst, und die losgegangenen Tapeten im Nebenzimmer rauschen und klatschen, o dann, lieber William, fühl ich mich so einsam, so heimatlos. Ich sehe trostlos dem trüben Beschluss eines trüben Lebens entgegen. Ich sehe keine Freunde, keine andre Gesichter, als die meiner und ich befinde mich wohl dabei. Nur Dich wünsch ich bei Tage und in der Nacht zu mir her; ich war ein Tor, dass ich mühsam erst ein Gebäude meines Glückkes aufführen wollte, und nicht die Freuden annahm, die mir das Schicksal an der Brust meines Sohnes, in den Armen einer guten Tochter, vielleicht in einem Zirkel von fröhlichen Enkeln anbot. Jetzt ist mir die Binde gelöst, und es ist vielleicht zu spät. – Doch nein, mein William gibt mir gewiss Freude und Trost zurück; wer weiss, welche einsamen Gegenden er schon durcheilt, um seinen alten kranken Vater noch wiederzusehn! Wo Du auch seist, Gott sei mit Dir!
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Rosaline an Antonio
Die ganze, ganze lange Nacht hab ich nicht schlafen können. Und daran bist bloss Du schuld! Immer war mir, als schliefest Du neben mir, ich hatte Dich in meinen Armen, und wachte von Deinen Küssen auf. Als der Mond durch eine Ritze der Fensterladen in meine stube schien, und der Strahl sich so über den Boden goss und an der Decke schimmerte, hab ich recht herzlich geweint, weil ich mich zum erstenmal im Leben so einsam fühlte. O Du böser Mensch kannst die Not gar nicht verantworten, die Du mir machst. Mein Vater ist tot und meine Mutter stirbt auch vielleicht bald; wenn nun Pietro nicht zurückkömmt, so bist Du der einzige Mensch auf der Welt, der mir noch beistehn kann. Aber wenn Du alle meine Liebe nicht verdientest! Ach Antonio, Du hast Dich so oft über meine Lustigkeit gefreut, ich bin nur fröhlich, wenn ich Dich sehe, Du siehst, wie betrübt ich werde, wenn ich allein bin. Drum sollten wir uns gar nicht trennen, dann würden wir beide immer recht vergnügt sein.
Du bleibst jetzt oft viel länger weg, als anfangs. Du freust Dich nicht mehr wie sonst darüber, wenn ich Dir einen Kuss gebe; sage mir, was habe ich Dir getan, Du Unzufriedner? Oder ist es die Sitte in eurem land, dass man immer so ernst und verdriesslich ist?
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Antonio an Rosaline
Was Du mir getan hast, liebstes, bestes Mädchen? Nichts, als dass Du mich nicht ebensosehr liebst, wie ich Dich liebe. – Warum verlässt Du mich oft so plötzlich? Warum darf ich nicht in der Nacht bei Dir bleiben, wenn Du Dich ohne mich so einsam fühlst? Die wahre Liebe ist mit diesem Eigensinne unbekannt. Wenn Du mich nur hier sähest, wie oft ich in der Nacht nach Deinem haus hinüberblicke, wie ich nicht schlafen kann, und mir schweigend Deine Lieder wiederhole, um mich nur etwas zu beruhigen, wie ich Dein Bild tausend und tausendmal küsse, das ich neulich bei Dir zeichnete! Das Papier ist von meinen Tränen nass; das Haus wird mir zu enge, und ich schweife im trüben Mondlichte dann zwischen den Ruinen umher, und Deine Gestalt begleitet mich allentalben. O Rosaline, dieses Zagen, diese Angst kennst Du nicht, denn sonst würdest Du meinen Zustand mehr bemitleiden. Nein, Harterzige! Du kennst die Liebe nicht, denn Du verhöhnst meine Empfindung. Undankbare! Du weidest Deine Eitelkeit an meinem Gram, und wirst Dich über meine Verzweiflung freuen! – Stand ich nicht gestern noch eine Stunde länger vor Deiner tür, und Du kamst nicht wieder, wie Du mir versprochen hattest? Spieltest Du nicht, um mich zu kränken, dies verhasste Lied von dem Antonio? – Nein, Du betrügst mich nur mit einem Schein von Liebe, Du freust Dich darüber, dass Du mich gedemütigt hast, und alle Deine Küsse, Deine Umarmungen sind Heuchelei. Labe Dich an meinem Anblicke, wenn Du mich wahnsinnig gemacht hast!
O vergib mir, Teure, wenn ich Dir Unrecht tue! Betrüben möchte ich Dich nicht.
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Rosaline an Antonio
Du kannst das Lied vom Antonio nicht leiden? Mein liebstes Lied, weil es Deinen Namen führt? Ach, Lieber, wie unrecht tust Du mir! Dir zum Possen soll ich es singen, und