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Oberflächliches in dieser sogenannten genussreichen Art zu leben, eine Nüchternheit, in der ich mir oft die Langeweile des Tantalus recht lebhaft habe denken können. Ich habe mich jetzt darum aus dieser Gesellschaft mehr zurückgezogen, ich bin mehr allein undDu wirst vielleicht lachenich habe oft wieder angefangen zu studieren und mich dessen zu erinnern, was ich auf meinen Reisen gelernt habe.

Halte mich aber nicht für einen so schwachen Menschen, der aus einer Anwandlung von Langeweile sich gleich über Hals und Kopf in eine so steinharte Ernstaftigkeit wirft, dass ihn die Hunde auf der Strasse anbellen; denke nur etwa nicht, dass ich jetzt mit einem essigherben gesicht dasitze und wunder wie sehr meinen Geist zu beschäftigen glaube, indem ich mit philosophischem Anstande gähne und grübelnd eine Prise Tabak zwischen den Fingern zerreibe. Halte mich nicht für ein Wesen, das sich seine Zeit verdirbt, indem es sich tausend unnütze Geschäfte macht und sich selbst zur Bewunderung über die Menge seiner arbeiten zwingtnein Karl, ich bin noch immer der unbefangene Mortimer, der noch ebenso gern lacht, als zuvor, und der nichts sehnlicher wünscht, als einmal mit Dir ein herzliches Duett lachen zu können. O ich möchte meine Dinte in schwarze Klagelieder ergiessen, oder die erste beste Stelle aus Youngs Nachtgedanken abschreiben, um es Dir recht fühlbar zu machen, wie sehr Du mir fehlst.

Wenn das alles wahr ist, was Du mir von William Lovell schreibst, so steht es schlimm mit ihm; es tut mir jedesmal weh, wenn ich einen jungen Menschen sehe, der sich selbst um die Freuden seines Daseins bringt. – Gibt es etwas Abgeschmackteres, als zu seufzen, zu weinen und alle Freuden der Welt aus einer Metapher in die andere zu jagenund zwar, wie äusserst sinnreich und vernünftig! – weil ein andres Wesen nicht auch jammert und klagtund zwar darüber, weil ich es tue. – Denn wahrlich, ich habe schon Liebhaber gesehen, die so geliebt wurden, dass nur noch ein Gran gefehlt hätte, und es wäre ihnen selber zur Last gefallendie aber beständig die unglücklichsten Geschöpfe in der Welt waren; denn ihr Mädchen war ihnen lachend entgegengekommen, und sie hatten sie sich gerade weinend gedacht, weil sie einen Abschied auf zwei ewig lange Stunden nehmen sollten, um eine grosse Reise in die nächste Gasse zu ihrem Onkel zu tun, der ihnen einen Wechsel auszahlen wollte. – Es sind Schauspieler, die sich einen ellenhohen Koturn angeschnallt haben, der nur dazu dient, sie in jedem Augenblicke fallen zu machen; sie sind unendlich über alle fade Sinnlichkeit erhaben, und sitzen da und können sich tagelang von ihrer Geliebten über die Farbe eines Bandes unterrichten lassen; der Schosshund ihres Mädchens ist ihnen mehr wert, als ein halbes Menschengeschlecht, sie schwärmen in allen Regionen der Phantasie umher, um endlich doch dahin zurückzukommen, wo sie sich wieder in die Reihe der übrigen sterblichen Menschen finden; denn, ich hoff es zur Ehre der Menschheit, dass von diesen Mondsüchtigen noch keiner die Ansprüche gemacht hat, seine Geliebte ohne Augen zu sehen und ohne Ohren zu hören, wenn sie auch vergessen haben, dass die Sinne zu dem haus, das sie bewohnen, die erste Etage ausmachenam Ende sind sie oben dem Winde ausgesetzt, und sie ziehen wieder herunter.

Merkutio hat recht, wenn er sagt, das fadeste Gespräch hätte mehr Sinn, als das Selbstpeinigen dieser verlornen Söhne der natur, die sich von Trebern nähren, und diese in einem beklagenswürdigen Wahnsinne für Ambrosia halten.

Deine Schwester hab ich heute schon besucht, sie ist schön und scheint ebenso verständig, ausserdass sie traurig war und gewiss um Lovelles tut mir leid um sie. –

Es wäre übrigens wohl möglich, dass Du Dich in Deiner Einsamkeit ganz ernstaft verliebtest. Dein Auge sieht keinen andern Gegenstand, der Dich zerstreuen könnte, und die Gewohnheit ist auch hierin die zweite natur. Diese allmächtige Gotteit macht ja sogar, dass so mancher mit seiner Frau zufrieden ist, die er ausserdem gegen einen Star austauschen würde. Dazu ist Emilie, die Schwester Deines Freundes Burton, schön und liebenswürdig, und liebt, wie alle jungen Mädchen, die hohen Spannungen des Gemütes, es ist daher keinem Zweifel unterworfen, dass Deine Stimmung die ihrige erschaffen kann, oder umgekehrt.

Ich erwarte also nächstens einen Brief voller Seufzer und mit einer Träne gesiegelt; bis dahin bin ich Dein treuer Freund

Mortimer.

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William Lovell an Eduard Burton

London.

Ich bin auf dem Landhause meines Vaters, nahe bei London, ich sehe die Türme der Stadt, die Amalie bewohnt, ich höre ihre Glocken aus der Ferneoh, das Herz schlägt mir ängstlich und ungestüm, dass ich sie so nahe bei mir weiss und sie noch nicht gesehen habeja, ich muss sie heute noch sprechen.

Mein Vater war ungemein fröhlich, da er mich wiedersah, seine Freude hatte einen Anstrich von Melancholie, die mich gerührt hat, er sah bleich und krank aus, er umarmte mich mit einer Herzlichkeit, in der ich ihn noch nie gesehen habe, er findet überhaupt sein Glück in dem meinigen und in der Zukunft, die er mir ebnen will; er sprach so manches von Verbindungen, die er meinetwegen suchen würde; er schien mir ankündigen zu wollen, wie sehr er einst meine Verheiratung mit der einzigen Tochter und Erbin des Lord Bentink wünschen würdewer weiss, wie viel Unglück mir noch die