mein herzliches Gefühl, das ich mir und Dir unmöglich verbergen kann.
Gib Deiner Seele einmal das traurige fest, lass die wehmütigen tragischen Empfindungen ungehindert zu Dir kommen, und denke recht lebhaft mich, Deinen Vater und Amalien! denke sie mit der Frühlingsempfindung wieder, wenn Du jemals für sie empfunden hast, und Deine ganze Liebe nicht Affektation war. Mir schien es, als würde Dir in einem Deiner letzten Briefe die Entsagung Amaliens gar zu leicht, weil Du nun um so erlaubter Deine neue Lebensbahn antreten konntest. – – Wie komme ich zu diesem Argwohn gegen meinen William? – Ja, in manchen Augenblikken tritt es, wie der böse Feind, zwischen uns, und will mein Herz ganz dem Deinigen abwendig machen; aber es soll gewiss nicht geschehn.
Wärest Du mir nicht zu wichtig; so könnte ich Dir noch von meinem und Deinem Vater manche Umstände schreiben, Dich auf manches vorbereiten, Dir zeigen, wie oft mit dem Unglücke das Glück des Menschen zusammenhängen könne: aber ich will lieber schliessen. Findest Du noch einiges Interesse für Deine ehemaligen Wünsche, so soll Dich der nächste Brief von mir weitläuftig darüber unterrichten.
Lebe wohl, lebe wohl, teurer William! antworte mir bald, und zeige mir, dass Du noch etwas von Deinem ehemaligen Gefühle für Deinen Eduard übrig hast. – Es ist mir ängstlich den Brief zu schliessen, weil ich nicht weiss, ob ich Dich im mindesten überzeugt habe, aber ich kann kein Wort mehr hinzusetzen. In manchen Rechtshändeln des Lebens kann nur das Gefühl allein das Wort führen, ein Händedruck, eine Träne ersetzt eine ganze Abhandlung – ach und meine Tränen kannst Du ja nicht sehen, die Seufzer hab ich nicht niedergeschrieben. –
17
William Lovell an Eduard Burton
Rom.
Ja, Freund, Geliebter, Einziger, ich will, ich muss Dir antworten. Welchen Eindruck hat Dein Brief auf mich gemacht! – O wie ein Gewitter ist jedes Wort durch meinen Busen gegangen, und die Frühlingssonne ist auf einzelne Momente zwischen den Regenschauern zurückgekehrt. – Ich wollte Dir so vieles sagen, und weiss nun keine Worte zu finden. Ich bin beklemmt, die Angst drängt mein Blut nach der Kehle – ach, ein Blutsturz würde mir Linderung schaffen, und meinem Herzen ein Labsal sein. – Und doch könnt ich nicht froh sein, ich möchte mein ganzes Dasein in stürzenden Tränengüssen dahinweinen, um nur der drückenden Bürde des Lebens loszuwerden. – Wenn ich an mein voriges Glück denke, und der gestrige Taumel noch wie ein Dampf voll ungeheurer Gestalten vor meinen trüben Augen zittert – Du hast gewaltig an die Kette gerissen, die unsre Seelen aneinanderbindet; die Wunde, die sich gespaltet hat, ist schmerzhafter, als jene, die Du hast heilen wollen.
Ach Eduard, wenn ich nicht meinen Vater fürchteals reuiger und beschämter Sünder vor Amaliens Füssen nieder, dass sie mir vergäbe, oder ich den Tod von ihrer Hand empfinge.
Es ist wie Wetterleuchten am Horizont meines Lebens – wie Glocken, die aus der Ferne den Gotteslästerer zur Kirche und zur Strafe rufen. – Vergib Du mir zuerst, mein Eduard – ach, weiss ich denn nicht, dass, wenn mein Schicksal in Deiner Hand stände, ich der Glücklichste der Menschen wäre!
möchte ich wenigstens nicht wieder von diesem Taumel der Angst erwachen, die mich allmächtig ergriffen hat – ach ich fühle schon jetzt die düstere entsetzliche Leere, die ihr folgen wird. – Lebe wohl, Teurester meiner Seele, und erquicke mich durch Deine Briefe, so wie Du mir durch diesen den letzten Mut entrissen hast.
Ich kann nicht weiter. –
18
Der Advokat Jackson an den Baron Burton
London.
Hochwohlgeborner Herr!
Ich bin den Befehlen, die mir Ew. Gnaden neulich zukommen liessen, auf das treulichste gefolgt. Soviel es von mir abhängen konnte, habe ich den gang des Prozesses beschleunigt, und ich bin fest überzeugt, dass ich jetzt so viel getan habe, als nur in meinen Kräften stand. Dieselben werden auch Ihre neulichen Briefe allbereits zurückerhalten haben, so dass ich den Befehlen, die Sie mir erteilten, die genauste Folge geleistet habe.
Jetzt hat sich nun ein Vorfall ereignet, der den ganzen Prozess in kurzer Zeit völlig beendigen könnte, aber leider zu Ew. Gnaden Nachteil. Neulich sass ich noch spät in der Nacht in einem Zimmer auf dem Lovellschen Landgute, das mir der Besitzer eingeräumt hat, um dort zu arbeiten. Man hat mir die Erlaubnis gegeben, alles zu durchsuchen, wo ich irgend nur Belege und Papiere zur Aufklärung der Sache zu finden hoffte. Ich hatte schon ganz, so wie mein Patron, die Hoffnung aufgegeben, die bewussten Dokuten, jemals aufzufinden, ich hatte schon alles durchforscht, was mir zu meinem Endzwecke nur irgend merkwürdig schien. Jetzt geriet ich in der Nacht über eine Schublade, die ich schon oft aufgezogen habe, und entdecke in dieser einen verborgenen Kasten, ich öffne ihn mit zitternder Hand, und finde, dass mich meine Ahndung nicht betrogen hatte. Die bewussten wichtigen Dokumente sind nunmehr in meiner Hand.
Ich würde es für Ungerechtigkeit halten, wenn ich nunmehr sogleich den Prozess zu Lovells Vorteil beendigte, wie es jetzt allerdings nur eine Kleinigkeit wäre. Ich glaubte, ich sei es Ew. Hochwohlgeboren schuldig, Denenselben zuvor wenigstens von dieser Begebenheit Nachricht zu erteilen, um zu erfahren, ob Sie nicht noch vielleicht neue und wichtige Gründe vorzubringen hätten, die nachher etwas von ihrer Kraft verlieren möchten: