die das Muster der Zärtlichkeit ist, sie kann den teuren Rosa immer noch nicht vergessen, und spricht mit Entusiasmus von ihm; Sie tun unrecht, das zärtliche geschöpf so ganz zu vernachlässigen, ich habe noch viele andre Grüsse zu bestellen, die Sie mir erlassen mögen, genug, Sie stehen bei allen unsern schönen Bekanntschaften im besten Angedenken. Ich bin auf heute abend zur schwarzäugigen Laura hinbestellt, die jetzt schon meine ganze Phantasie beschäftigt.
Wer kann die unbegreiflichen Launen zählen und beschreiben, die im Menschen wohnen? Die seit einigen Wochen in mir erwacht sind, und aus meinem Leben das bunteste und wunderlichste Gemälde bilden? Frohsinn und Melancholie, seltsame Ideen in der ungeheuersten Verbindung, schweben und gaukeln vor meinen Augen, ohne sich meinem kopf oder Herzen zu nähern. Man nenne doch die schöne Erwekkung der innersten Gefühle nicht Rausch! man sehe nicht mit Verachtung auf den Menschen hinab, dem sich plötzlich in der glücklichsten Erhitzung neue Tore der Erfahrungen auftun, dem neue Gedanken und Gefühle wie schiessende Sterne durch die Seele fliegen, und einen blaugoldnen Pfad hinter sich machen.
O Wein! du herrliche Gabe des himmels! fliesst nicht mit dir ein Göttergefühl durch alle unsre Adern? Flieht nicht dann alles zurück, was uns in so manchen unsrer kalten Stunden demütigt? Nie stehen wir in uns selbst auf einer so hoch erhabnen Stufe, als wenn die Augen wie Sterne funkeln, und der Geist wie eine Mänade wild durch alle Regionen der frechsten und wildesten Gedanken schwärmt. Dann pochen wir auf unsre Grösse, und sind unserer Seele und Unsterblichkeit gewiss, kein lahmkriechender Zweifel holt den fliegenden Geist ein; wir durchschauen wie mit Seherblicken die Welt, wir bemerken die Klüfte in unsern Gedanken und Meinungen, und fühlen mit lachendem Wohlbehagen, wie Denken und Fühlen, Träumen und Philosophieren, wie alle unsre Kräfte und Neigungen, alle Triebe, Wünsche und Genüsse nur eine, eine glänzende Sonne ausmachen, die nur in uns selbst zuweilen so tief hinuntersinkt, dass wir ihre verschiedene Strahlenbrechung für unterschiedene getrennte Wesen halten.
Spotten Sie nicht, Rosa, wenn ich Ihnen sage, dass jetzt eben diese Glut des Weins aus mir spricht: oder spotten Sie vielmehr, so viel Sie wollen, denn auch das gehört zu den Vortrefflichkeiten des Menschen. Ha! welche Wesen sind es, die das Tor Der dunkeln Ahndungen entriegeln? Was hebt den Geist auf goldbeschwingten Flügeln Zum sternbesäten Himmelsplan empor? – Es schlägt der schwarze Vorhang sich zurücke, Und wundervolle Szenen tun sich auf, Seltsame Gruppen meinem starren Blicke: Gleich Traumerinnerung! mit frischem Glücke Beginn ich froh den neuen Lebenslauf! Ich fühle mich von jeder Schmach entbunden, Die uns vom schönen Taumel rückwärts hält, Die jämmerlichen Ketten sind verschwunden, Mit Freudejauchzen stürzen goldne Stunden Rasch auf mich ein, und ziehen mich tanzend durch,
die Welt.
Es sammlen sich aus den verborgnen Klüften Die Freuden wie Mänaden um mich her, Es klingen ungesehne Lieder in den Lüften, Es wogt um mich ein ungestümes Meer, Und Töne, Jauchzen, Wonne schwebt auf
Blumendüften,
Und alles stürmt um mich, ein wildes Heer. Ich steh im glanzgewebten Feenlande, Und sehe nicht zur dürren Welt zurück, Es fesseln mich nicht irdischschwere Bande, Entsprungen bin ich kühn dem meisternden
verstand,
Und taumelnd von dem neugefundnen Glück! – hinweg mit allen leeren Idealen, Mit Kunstgefühl und Schönheitssinn, Die Stümper quälen sich zumalen, Und nagen an den dürren Schalen Und stolpern über alle Freuden hin. hinweg mit Kunstgeschwätz und allen Musen, Mit Bilderwerk, leblosem Puppentand – hinweg! ich greife nach der warmen Lebenshand, Mich labt der schön geformt lebendge Busen. Ach, alles flieht wie trübe Nebelschatten, Was ihr mit kargem Sinne schenken wollt: Nur der besucht Elysiums schöne Matten, Nur dem ist jede Gotteit hold, Der keinem Sinnentrug sein Leben zollt. Der nicht in Lustgefilden schweift, Und sich an Dunstphantomen weidet, Durch kranke Wehmut und Begeistrung streift – Nein, der die schlanke Nymphe rasch ergreift, Die sich zum kühlen Bad entkleidet. Ihm ist's vergönnt zum Himmel sich zu schwingen. Es sinkt auf ihn der Götter Flammenschein, Er hört das Chor von tausend Sphären klingen, Er wagt es zum Olymp hinaufzudringen, Und wagt es nur ein Mensch zu sein. Sie haben schon oft über meine Verse gespottet, und hier gebe ich Ihnen eine neue und noch bessere gelegenheit, denn ich habe die Silben und ihre Längen und Kürzen nicht nachzählen mögen; ein so korrekter Kritiker, wie Sie, findet also für seine Bemerkungen Stoff genug. –
Ich durchschweife oft in meinen abenteuerlichen Stimmungen die Stadt, und labe mich in der magischen Nacht an den wunderbaren und rätselhaften Bildern der äussern Gegenstände. Oft schwebt die Welt mit ihren Menschen und Zufälligkeiten wie ein bestandloses Schattenspiel vor meinen Augen. – Oft erschein ich mir dann selbst wie ein mitspielender Schatten, der kommt und geht, und sich wunderlich gebärdet, ohne zu wissen warum. Die Strassen kommen mir dann nur vor, wie Reihen von nachgemachten Häusern mit ihren närrischen Bewohnern, die Menschen vorstellen; und der Mondschein, der sich mit seinem wehmütigen Schimmer über die Gassen ausstreckt, ist wie ein Licht, das für andere Gegenstände glänzt, und durch einen Zufall auch in diese elende lächerliche Welt hineinfällt.
Dann schweif ich im wundervollsten Genuss der Phantasie auf den freien Plätzen und zwischen den Ruinen umher, und ergötze mich an den Gestalten, die vorübergehn und mein Gefühl nicht kennen, und von mir