mutwilliger Knabe mit einem einzigen Steinwurfe vernichten. – Nein, mein Sohn, ich kann Dir zu Deiner vorgeschlagenen Verbindung nie meine Einwilligung geben. Glaube nicht durch eine Menge von Briefen über diesen Gegenstand meine Einwilligung zu erbitten, oder zu ertrotzen, ich dürfte hierin mehr Standhaftigkeit besitzen, als Du mir vielleicht zutraust.
Führe nicht meine Liebe zu Deiner Mutter an; ich liebte nicht töricht, wie Du; unsre Familien waren sich gleich, an Ansehn und Vermögen; mögen diese Hindernisse Zufall sein; meinetwegen, aber der weise Mann geht dem undurchdringlichen Zufalle aus dem Wege, da im Gegenteile das Leben des Toren nichts als ein rastloser ohnmächtiger Kampf gegen Zufall und notwendigkeit ist. Glaube mir, dass ich meine Liebe würde zu bekämpfen gewusst haben, wenn sich diese Schwierigkeiten unsrer Verbindung in den Weg gestellt hätten. Darum folge dem Rate und dem Beispiele Deines Vaters.
Es scheint mir überhaupt, als dürftest Du etwas die Vergleichung mit mir in Ansehung unsrer Liebe scheuen. Deine Mutter war die verehrungswürdigste Frau, sanft und verständig, gefühlvoll ohne Empfindelei, ein Herz schlug in ihrer Brust, wie sie nur selten auf dieser Erde gefunden werden: und Du wagst es, mit ihr Amalie Wilmont zu vergleichen? Ein Wesen, dessen Gutmütigkeit und Weichheit sie vielleicht etwas aus den ganz gewöhnlichen Frauenzimmern herausheben. – Und dann liebst Du sie auch nicht einmal wirklich! – Diese sogenannte Liebe ist eine leichte Nahrung Deiner Phantasie, eine sanfte Empfindsamkeit, die sich Deines Herzens bemeistert hat und deren Ursprung Du nun in einer Liebe gegen dieses Mädchen suchst. – Glaubst Du denn wirklich, dass Du mit einem Herzen voll Liebe hättest nach Italien reisen können? bis jetzt froh und unbefangen leben und die Luft da einziehn, wo sie nicht atmet? – Du siehst wenigstens, dass ich nicht die Kälte von Dir verlange, die unbesonnene Jünglinge gewöhnlich ihren Vätern vorwerfen; um desto mehr aber überzeuge Dich auch, dass ich in diesem Verhältnisse richtiger und weiter sehe, als Du. – Schon im ersten Monate Eurer Ehe würdet Ihr Euch beide getäuscht finden; man würde erstaunen, dass die Wärme so schnell verflogen wäre; es würde eine von den gewöhnlichen Ehen werden, deren trauriges Gemälde ich nur zu oft sehe, um zu wünschen, dass es durch meinen Sohn noch einmal wiederholt würde.
Willst Du nach England zurückkommen, so wirst Du mir viel Freude machen: ich strecke Dir die arme entgegen, meine Kraft nimmt mit jedem Tage ab, ich werde dem grab zugebeugt, lass mich in Deinen Armen sterben! – Viele neue Freunde erwarten Dich sehnsuchtsvoll in London; du sollst die Lady Bentink kennenlernen, ein Frauenzimmer, deren Vortrefflichkeit allen Foderungen eines Mannes von Kopf und Herz entspricht; in ihrer Gesellschaft wirst Du die Bedeutung des Wortes Liebe verstehen lernen.
Ich traue Deinem guten, edlen Herzen zu, dass Du dieses Briefes wegen nicht lange auf Deinen Vater zürnen wirst. –
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William Lovell an Amalie Wilmont
Rom.
Es ist entschieden, und ich kann nun nichts weiter sagen, als: leben Sie wohl! leben Sie ewig wohl! – Im Vertrauen zu der Liebe meines Vaters hab ich um seine Einwilligung gebeten – aber – o ich möchte seiner scharfsinnigen, überweisen Antwort lachen – aber, o nicht wahr, Sie raten es gewiss schon, was er geantwortet hat? – O Amalie, ich will nicht mehr von meiner Liebe, meinen Hoffnungen mit Ihnen sprechen, alle diese Träume sind nun ausgeträumt, und erwacht stehen wir nun da und lächeln über die verflogenen, bunten Gemälde. – Vergessen Sie mich, denn ich selbst arbeite schon daran, mich zu vergessen. Ich bin ausgerottet aus der Reihe der Glücklichen, aus dem Paradiese mit dem Worte der Willkür hinausgestossen, und nun will ich auch das Mass meines Elendes bis oben anfüllen! – Wenn wir dem Verhängnisse zum grausamen Spiele dienen, nun so wollen wir dem Zuchtmeister, der uns in das eherne Joch spannt, wenigstens ein verächtliches Lächeln entgegengrinsen. – Leben Sie wohl! derung, glücklich zu sein? wunderbar! – Gähnend durchs Leben hinzuschlendern, mit einer Gefährtin, deren Vater genauso viele Goldstücke aufweisen kann, als der meinige, so recht gleich und gleich gesellt, dem tod entgegenzukriechen, dies ist unsre grosse, ehrenvolle Bestimmung! – Sie denken, ich bin erhitzt und bitter. O ich bin so kalt, dass ich meinem Vater eine Abhandlung schreiben könnte, um zu beweisen, wie sehr er recht hat. – O Amalie! Soll ich denn ganz Ihren Namen aus meinem armen, blutenden Herzen reissen? Soll ich auch die Wurzel meiner Seligkeit ausrotten, damit mich nie der grüne Schimmer einer jungen Pflanze wieder erquickt? – Ich kann es nicht, und will es nicht.
Über die weite Entfernung hinüber reiche ich Ihnen meine zitternde Hand zum ewigen, schrecklichen Abschiede. – Mein Vater mag es mir verzeihen, o seine Furcht ist unnütz, dass ich ihn mit bettelnden Briefen belagern werde, kein Wort mehr soll er darüber hören, wie ein Diener seinem Herrn will ich ihm schreiben: ich schwöre, dass er dann meine Briefe vernünftig findet.
Rasen möchte ich dann wieder, wenn ich mir Ihr Bild recht lebhaft in die Seele zurückrufe! – Nun gut, gut, er mag es haben! Schon sehe ich die wilden Pferde die Zügel zerreissen, rasselnd springen sie mit dem Wagen den schroffen Felsenweg hinunter, an den Klippen zerschmettert liegt das Fuhrwerk da, und er steht und beweint den Verlust