oh, Eduard, mir war, als klopft ich, im wald verirrt, an eine Hütte, und nichts antwortete mir aus dem verlassenen haus, als ein leiser, öder Widerhall. –
Lebe wohl. Ich will jetzt gleich auf einige Tage meine Tante Buttler in Waterhall besuchen – grüsse Deine liebe Schwester und verzeih mir meine Schwäche: doch ich kenne ja Dein Herz, das alle Leiden der Menschheit mitempfindet, über nichts spottet, was den Mut des schwächern Bruders erschüttert, das sich mit den Fröhlichen freut und mit den Weinenden weint. –
3
Der alte Willy an seinen Bruder Tomas, Gärtner in
Waterhall
Bondly.
So wie ich's vernommen, so hält sich ja jetzt mein lieber junger Herr auf Deinem Gute auf. Bewirte ihn recht ordentlich und ich will es ansehen, als wäre es dem alten Willy geschehn. Er ist also, wie gesagt, entweder schon da, oder er wird noch hinkommen, zu Pferde sass er wenigstens schon vorgestern, und das so hübsch und geschickt, als nur ein Mensch in den drei Königreichen zu Pferde sitzen kann, der ein Frauenzimmer begleiten will, das in einer Chaise nach London fuhr. Wie gesagt, fräulein Malchen ist vorgestern also auch abgereist. So wird's nun nach und nach bei uns leer, aber der lustige Herr Wilmont ist gestern schon mit seinem Schimmel zurückgekommen, er war ordentlich etwas müde und hatte nebenher ein Eisen verloren.
Der alte Toby hier im dorf ist nun endlich wirklich gestorben, von dem wir es immer schon vor 20 Jahren zusammen prophezeiten, und ich dachte dabei an Dich, guter Tom, denn Du bist fast ebenso alt, als noch einmal einen kleinen Vorschuss tun, wie vor zehn Jahren, als Du die grosse Krankheit hattest und ich immer des Nachts so viel für Dich beten musste. dafür rechne ich nun aber auch auf Dich, was das Beten anbetrifft, vollends da ich nun bald in fremde Länder komme, wo man meine Sprache nicht mehr versteht.
Ja, lieber Tom, Du kannst Dich immer wundern, ging es mir doch um kein Haar besser und ich hatte es doch schon vorher gewusst. – Ich soll mit meinen alten Augen noch fremde Länder sehen – Italien, Frankreich – je nun, wenn's nur nicht in die Türkei geht, solange ich noch Religionsverwandte antreffe, denke ich immer noch unter guten Freunden zu sein, wo aber die Türken angehn, da ist es mit der Freundschaft aus, denn wer nicht meinen Gott liebt, der kann auch mich nicht lieben; sie sollen apart einen Gott ganz für sich haben, und des Brot ich esse, des Lied ich singe.
Wenn ich aber meinen lieben Bruder nicht wiedersehn sollte? Denn der Herr William sprach da so etwas von ein paar Jahren, die die Reise kosten würde (das Geld abgerechnet); ja, wollt ich nur sagen, wenn ich nun so wiederkäme und hätte die ganze Welt gesehen, was hälf es mir, wenn ich meinen Bruder Tom nicht mehr sehen könnte? – Mir war schon immer, als säh ich ein schwarzes Kreuz auf einem grünen Hügelchen da in der Ecke des Kirchhofs stehen, wo der grosse Nussbaum gewachsen ist, und Deinen Namen, Tomas, mit grossen Buchstaben darauf, so recht als mir zur Kränkung; oh, lieber Bruder, ich würde lieber wünschen, mit Dir hinterm Ofen gesessen zu haben, um uns von Krieg und Frieden und vom Schottischen Kriege zu erzählen. Darum besuche mich. Ich hätte gestern fast geweint, und das schickt sich doch nicht, Tomas, für so einen alten Mann.
Vom Gelde sprich nicht wieder. Du bist ja mein Bruder, wir sind ja alte Männer; könnt ich Dir mit aller meiner Armseligkeit noch Leben ankaufen, frage nicht, ob ich's täte. Komm nach Bondly, oder lass Dich herfahren, denn Deine Füsse sind in dem Alter nicht mehr zum gehen geboren. Das Geld ist Dein, Du bist lange krank gewesen, und mein Herr gibt mir immer mehr als ich brauche. – Wie kann ein Bruder dem andern etwas schuldig sein? Gott sind wir alles schuldig, und der behüte Dich deswegen.
Willy, Dein Bruder bis ewig.
4
Eduard Burton an William Lovell
Bondly.
Ich vermute, dass Du einige Tage in Waterhall bleiben wirst, und darum schick ich Dir diesen Brief, der gestern angekommen ist. Wie sehr ich Dich liebe, habe ich bei Lesung Deines Briefes empfunden. Stets hab ich Dich um die Lebhaftigkeit Deiner Phantasie, um die Reizbarkeit Deines Gemütes beneidet, aber ich fange auch an, sie zu fürchten. Liebe, Vertrauen, Freundschaft, Glaube, sie sind Leben und Glück, aber sie gedeihen nur in gesunden Herzen, sie verlangen Mut und Ruhe. Oh, Lieber, gewiss gibt es Dämonen, sie sind jene Zweifelsucht, jene dunkle Angst, jene Lust an Unglück und traurigen Vorstellungen, der sich unsre Seele nur zu gern ergibt. Ist das Leben erst so dunkel geworden, dass kein Strahl wahrer Freude hereinbrechen kann, da regieren sie in der Finsternis und führen auch wohl jene Verhängnisse herbei, die wir früher aus der Ferne mit stummer Angst wahrgenommen haben. Wirf Dich in die arme der Freundschaft und Liebe, und lass dann die Zeit gewähren, es geht und wandelt sich alles ebenso oft in das Bessere, Schlimmern lenkt. Je inniger Du liebst, je stärker soll Dein Vertrauen sein. –
Eduard Burton.