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Gewalt; in Gesprächen, in hundert kleinen Zerstreuungen verlieren sich endlich jene trüben Empfindungen, eine Freude wäscht nach der andern den Gram aus unserm Herzenja, wir wollen dennoch froh miteinander sein. Man kann sich gegenseitig tausendfaches Vergnügen erschaffen und die gewöhnlichen Freuden erhöhen; in des Freundes Gesellschaft spriessen auch Blumen aus dem dürrsten Boden, man lacht und freut sich über tausend Kleinigkeiten, die man in der Einsamkeit kaum bemerken würde. – Oh, ich fange wieder an, aufzuleben, wenn ich mir alles dies in einem schönen Lichte und recht lebendig denke. Vielleicht machen wir auch beide eine kleine Reise nach Schottland, ein Verwandter hat mich schon seit langer Zeit dortin eingeladen. –

Ich wundre mich, dass ich mir die Mühe gebe, Dir so vieles zu schreiben, da wir uns nun bald mündlich sprechen könnendarum werfe ich die langsame und langweilige Feder aus der Hand und drücke Dich dafür um einige Minuten eher in meine arme. –

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Der alte Burton an den Advokaten Jackson

Bondly.

Sie werden sich vielleicht wundern, hochgeehrter Herr, von einem mann einen Brief zu erhalten, gegen den Sie jetzt für den Herrn Lovell arbeiten. Da mir Ihre Gelehrsamkeit und glückliche Praxis schon seit lange bekannt war, so hätt ich den Entschluss gefasst, Sie um Ihre Bemühungen zu meinem Besten zu ersuchen: als mir Lovell hierin zu meiner grössten Unzufriedenheit zuvorkam. Ich bin überzeugt, dass er durch diesen einzigen Schritt den grössten Vorteil über mich gewonnen hat, da es mir zu gleicher Zeit leid tut, die Summen, die ich Ihnen bestimmt hatte, an geringere Talente zu verschleudern, und ich überdies weiss, dass Lovell nie Ihren Fleiss und Ihre Verdienste hoch genug anschlagen wird. Da Sie Ihr Genie nun gar für eine ungerechte Sache aufwenden, so geht Ihre Bemühung in jeder Rücksicht verloren. Ob Sie mir selbst nun zwar nicht mehr dienen können, wollte ich Sie wenigstens darum bitten, sich von Ihrem Eifer nicht zu einer eigentlichen Erbitterung gegen mich verleiten zu lassen. Indem Sie auf die Seite der einen Partei treten, nicht der Feind der andern werden; diese Erinnerung entsteht bloss aus achtung, die ich für Ihre überwiegenden Fähigkeiten habe, die selbst einer ungerechten Sache den Schein des Rechts geben könnten. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir in einer kleinen Antwort deutlich machten, wie weit meine Besorgnisse gegründet oder ungegründet sind.

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Der Advokat Jackson an Burton

London.

Hochgeborner Herr,

Meine Bemühungen gegen Ew. Gnaden aufzuwenden, ward mir schon seit einigen Wochen eine unangenehme Pflicht, da ich von der Rechtmässigkeit der Sache, für die ich streite, nicht überzeugt werden kann; seit ich aber durch Ew. Gnaden Neuliches mit der Vortrefflichkeit und dem Edelmute der Gesinnungen meines hochgebornen Herrn bekannt bin, so fühlt Ihr untertänigster Diener seitdem die Last seines Geschäftes doppelt. Es wird daher stets unmöglich sein, niedrig genug zu denken, gegen eine nicht unrechtmässige Sache mit Erbitterung zu streiten, oder einen Herrn zu beleidigen, für den ich die tiefste und innigste Verehrung empfinde, und Ew. Gnaden können versichert sein, dass ich nichts eifriger wünsche, als dass meine itzigen Verhältnisse mich nicht zurückhielten, um ganz zu zeigen, wie sehr ich bin

Meines Hochgebornen Herrn

ergebenster und untertänigster Knecht

Jackson.

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Burton an den Advokaten Jackson

Bondly.

Ihre Antwort hat mir viele Freude gemacht, denn ich sehe daraus, dass ich nun dem Gange des Prozesses etwas ruhiger zusehn kann. Ich wünsche nur, dass Sie zu meiner Freundschaft ein ebenso grosses Vertrauen hätten, als ich zu Ihren Talenten habe, dann könnte ich mich noch dreister meiner gerechten Sache und der Entscheidung des Gerichtes überlassen; dann könnte ich glauben, dass die Absicht meiner Feinde gewiss nicht gelingen werde. Ich kann und darf Sie jetzt auf keine Weise überreden, Lovell zu verlassen und auf meine Seite überzutreten; aber da Sie von der Unrechtmässigkeit der Sache, für die Sie streiten, überzeugt zu sein scheinen, und da ich sehe, dass ich mit einem verständigen mann spreche, so könnten wir uns vielleicht auf einem andern Wege begegnen. Wenn es unsre Pflicht ist, nach unsrer Überzeugung zu handeln, und das Gute zu befördern, soviel wir können: warum wollen wir uns denn ängstlich an die äussere Form der Sache halten und nicht mehr auf unsern Endzweck selber sehen? Wer kann es mir verbiedas reichlichste zu belohnen, selbst wenn Sie auch in einem Prozesse mein Gegner sind, und welche vernünftige Ursache kann Sie zurückhalten, zu meinem Vorteile zu handeln, da dieser mit Ihrer Überzeugung zusammentrifft? Warum sollte man hier den günstigen Zufall unbenutzt lassen, der Sie grade an einen Ort gestellt hat, wo Sie mehr für mich tun können, als mein eigner Advokat? etwa darum, weil es nur Zufall ist? Als wenn der Lebenslauf des Weisen und des Toren sich nicht eben dadurch am meisten unterschiede, dass dieser hin und her schweift, hier die günstige gelegenheit rechts, dort eine andre links liegen lässt; der Verständigere aber jede Kleinigkeit in seinen Plan und Nutzen verbindet und es eben dadurch bewirkt, dass es für ihn keinen Zufall gibt! – Ich bin überzeugt, dass ein so vernünftiger Mann, wie Sie, hier nicht lange voller unnützen Zweifel wählen wird. In dieser Hoffnung bin ich

Ihr Freund und Beschützer Baron Burton.

Nachschrift: Ich mache es, weil dies allentalben meine Gewohnheit ist, zur Bedingung unsrer Korrespondenz, dass Sie mir diesen, wie meinen ersten Brief und alle etwanigen künftigen