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ist alles Grübeln und Träumen, was alle Freiarme menschliche Geist am Ende darben muss. – Ich könnte jetzt in ein Kloster gehen, ich könnte mich in eine Einsiedelei vergraben.

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Rosa an William Lovell

Tivoli.

Lieber Lovell, Sie sollen einsehn, dass sowohl Andrea als Sie sich in mir geirrt haben. Ich denke mein Vermögen nicht zu verschwenden, sondern auf eine angenehme Weise zu geniessen, und zwar in Ihrer Gesellschaft. Sie stehen jetzt einsam und verlassen in der Welt; kommen Sie zu mir nach Tivoli, hier ist Raum für uns beide, und in einer schönen Einsamkeit wird Ihr kranker Geist vielleicht etwas wiederhergestellt. Denken Sie nicht mehr an meinen unmenschlichen Brief, den Sie in Paris erhielten, damals war ich gezwungen, so zu schreiben, weil Andrea noch lebte, jetzt aber kann ich nach meinem eignen, bessern Willen handeln.

Wir sind durch Andrea klüger gemacht, und so mag denn seine trübe, hyperphysische Weisheit fahren! Wir wollen das Leben sanft geniessen. Ich habe eine rechte sehnsucht nach Ihnen, kommen Sie ja recht bald. Ich habe hier schon alles für Ihren Aufentalt eingerichtet. Sie sollen jetzt erfahren, wie sehr ich Ihr Freund gewesen bin, seit ich Sie kenne, und wie Ihrer Seite spielen musste. –

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William Lovell an Rosa

Rom.

Ja, Rosa, ich nehme Ihren Vorschlag an, ich komme zu Ihnen, aber nicht um von neuem ein wildes und unstetes Leben zu beginnen, sondern mich ganz einer dunkeln, träumevollen Einsamkeit zu überlassen. – Was ich an den Menschen verbrochen habe, will ich durch Sorgfalt an Blumen und Bäumen wieder abbüssen. Wie ein schwacher Regenbogen in Gewitterwolken, so steigt die Aussicht meines künftigen Lebens empor: ich glaube, ich könnte dort manches vergessen, und in einem tiefern Traume meine vorigen unruhigen Träume begraben. Es ist mir, als könnte ich mich freuen, als würde ich wieder wohl und gesund werden. – –

Ja, ich komme bald zu Dir, lieber Rosa. Warum sollt es nicht möglich sein, dass die quälenden Geister endlich wieder von mir wichen und ich freier atmete?

Mein ganzes Leben habe ich wie einen Toten zur Erde bestattet, und auf dem Grabmal will ich meine heissesten Tränen, meine innigste Reue, eine süsse und schmerzliche Busse zum Opfer bringen. Schwer hab Erinnerung, in der Sühne, in der Vergangenheit will ich leben, und so geht vielleicht in meinem Herzen ein wehmütiger Nachsommer mit scheinender Freundlichkeit auf. Fühl ich es ja doch, dass ich noch lieben kann, mein erstorbenes Innre beherbergt noch Strahlen der Ewigkeit, die wieder durchbrechen wollen; so will ich mich aus der Ferne mit Eduard, mit Amalien, Rosalinen und mir selbst zu versöhnen suchen. Bin ich reiner geworden, darf ich auch zum Ewigen selbst, zur unvergänglichen Liebe meine Hoffnung wieder erheben. Stiesse er mich in den tiefsten Abgrund, so soll doch mein Sehnen, mein Liebeverlangen zu ihm hinaufreichen; diese Wurzel meiner Seele kann und wird er mir nicht nehmen, und so werden meine Schmerzen selber einen Blumenkelch von Glück ausblühen. So will ich sterben, und Du auch wirst mich lieben, und ich werde Dein Freund sein. Gebessert, geweiht, gereinigt treten wir dann vor den Tron des Richters. – –

O ich muss eilen, zu Ihnen zu kommen, sonst ist alles vergebens. Karl Wilmont ist hier in Rom; ich glaube, er hat mich gesehen. – Ich komme so schnell als möglich.

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Karl Wilmont an Mortimer

Neapel.

Es ist geschehen: wir sind beide zur Ruhe, er und ich. Von Lovell ist die Rede. Ich fand ihn in Rom; er erschrak, als er mich erblickte, und suchte sich seit der Zeit vor mir zu verbergen. – Ich gab acht auf ihn, und traf ihn am folgenden Morgen ganz früh auf der Strasse. Er konnte mir nun nicht entrinnen; er musste mir folgen.

Ich hatte zwei Pistolen bei mir; er war still und in sich verschlossen. Wir gingen durch die Porta Capena und von da durch die Ruinen. Er schien fast ausser sich zu sein, denn er sprach für sich verwirrte Reden. Wir kamen vor einem kleinen haus vorbei, er stand lange still und sah in das Fenster hinein, bis ich ungeduldig wurde und ihn weitertrieb. Er sah auf, brach aus einem kleinen nebenliegenden Garten eine Malve ab, und rief mit Verwunderung aus: die Malven blühen schon wieder! – Dann heftete er die Blume auf seine Brust und sagte, dass ich nun sein Herz nicht verfehlen könne.

Wir waren jetzt von der Landstrasse entfernt genug. er sich noch einigemal umgesehen hatte, drückte er los und verfehlte mich: ich schoss, und die Blume und seine Brust waren zerschmettert. – Ich eilte nach Neapel.

Und jetzt bin ich mit mir unzufrieden. Es ist mir unbegreiflich, wie das rohe Gefühl der Rache mich so bezaubern konnte, dass er mich nicht rührte. konnte ich ihm nicht dies ärmliche Leben lassen, da er ausser diesem vielleicht nichts besessen hat? – Was ist mir und Emilien damit geholfen, dass er die Luft nicht mehr einatmet? –

Adieu! – Ich fahre von hier nach Amerika. Der Krieg lockt mich dahin; es wird in der englischen Armee wohl eine Stelle für einen Lebenssatten übrig sein, der sich dann wenigstens noch einbilden kann, zum Besten seines Vaterlandes zu sterben. – Grüsse meine Schwester und Eduard.