– sehen Sie, wie ich mich zu rächen weiss – doch, auch davon mündlich.
Wenn Sie den seltsamen Lovell bekehren können, so wünsch ich Ihnen und ihm Glück; mir scheint es fast unmöglich, denn seine Vorurteile sind zu tief mit ihm verwachsen – doch, was ist den Weibern unmöglich? Sie lösen die schwersten Probleme, und auf die leichteste und einfachste Art von der Welt. Ich werde mich freuen, mit dem jungen Engländer an einem Siegeswagen zu ziehen; dulden Sie es nicht, dass er ein so schwerer Verbrecher an Ihrer Schönheit wird, strafen Sie seine Kälte, sie mag nun erzwungen oder natürlich sein, auf eine exemplarische Art, und ich werde noch mehr sein der innige Verehrer Ihres Verstandes und Ihrer Reize.
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William Lovell an Eduard Burton
Paris.
Ja Eduard, auch in meiner Seele haben sich nun schon so manche Träume entwickelt, wie ich einst glücklich, mit Dir glücklich leben will. – So nahe bei Dir – vielleicht an Amaliens Seite, im Schosse einer ländlichen Einsamkeit – ich verliere mich seit Deinem lieben Briefe so oft in diesen Traum und tausend Vorsätze spinnen sich dann leise in meiner Seele aus. – Mit einem kindischen Wohlbehagen verweil ich bei meinen Planen und wünsche die Zukunft schon herbei, um sie wirklich zu machen.
Es ängstigt mich, Eduard: mein Vater ist krank und hat mir einen sehr melancholischen Brief geschrieben; er liebt mich gewiss mit der innigsten Zärtlichkeit, aber ich kann nicht an Amalien denken, ohne mich mit Wehmut meines Vaters zu erinnern: sooft mir sein Bild vorüberschwebt, werf ich einen schwermütigen blick auf Amaliens schnell nachfolgendes; diese nebeneinandergestellten Ideen zerschneiden meine Seele. Ich hasse mich, Eduard, wenn ich daran denke, dass durch Amaliens Besitz meines Vaters Tod wenies wird nicht sein. Zu diesem unedlen Eigennutze wird Dein Freund nie hinabsinken. –
Ein böser Dämon verfolgt mich in der Gestalt eines Engels, um Amaliens Bild aus meinem Herzen zu reissen; aber dieser Versuch wird in Ewigkeit nicht gelingen, ich bleibe ihr und meinen ersten, meinen schönern Gefühlen treu. – Ich spreche von der Comtesse Blainville, der Nichte des Grafen Melun; sie ist das Modell einer griechischen Grazie, ein Zauberreiz begleitet jede ihrer Bewegungen, sie darf nur lächeln, um die Göttin der Liebe zu sein – ein sanfter blick ihres Auges – und sie ist das schönste Bild der Schwermut. – Ich kann sie nicht betrachten, ohne zu erröten, und sooft ihr blick dem meinigen begegnet, schlägt sie ihn sogleich furchtsam nieder, sie sucht meine Gesellschaft und scheint sie doch vermeiden zu wollen; so viel Herzensgüte, Sanftmut und Verstand hab ich noch bei keinem Mädchen gefunden. Ihre Schönheit ist auffallender, ihr Auge grösser und sprechender, und ihr ganzes Wesen hat, möchte ich sagen, einen gewissen Zauber durch Bizarrerie und Pracht, wogegen Amaliens stille Schönheit für die Phantasie gleichsam in den Schatten tritt. Nie wird sie aber in meinem Herzen auch nur den kleinsten Sieg über jene himmlische Erscheinung davontragen; aber darum kann ich mir ja doch gestehn, dass sie liebenswürdig ist, dass sie zu den ersten ihres Geschlechts gehört. Auch empfindet sie wirklich tief, ihre zarte Seele ist nicht durch jenen witzigen Weltton der Franzosen verdorben; sie ist ein einfaches Kind der natur, ohne alle Prätension und Verstellung, ich habe sie beim Anblicke des Elends gerührt gesehen.
Ich schliesse; Mortimer bringt mir soeben einen Brief. – O Eduard, er ist von Amalien! – Nein, ich bin ein Elender, wenn ich sie vergessen könnte! – Welche Freude hat dann noch der Garten aufzuweisen, wenn dieser schönste Baum in mir verdorrt? – Ich bleibe ewig der ihrige, so wie der Deinige.
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Karl Wilmont an Mortimer
Bondly.
Ich muss Dir endlich schreiben und sollte auch mein ganzer Brief nichts als die Wiederholung der Phrase entalten, dass ich Dir nichts zu schreiben weiss. Ich schäme mich meiner Nachlässigkeit und meine ungelenkigen Finger haben das Schreiben indes verlernt; oratorische Wendungen, Tropen, Metaphern und alle Arten von Figuren hab ich rein vergessen, und ich selber spiele hier an meinem Schreibpulte eine höchst armselige Figur, indem ich die Feder beisse und mir mit der linken Hand in den Kopf kratze, um mich zu besinnen, was ich Dir wohl zu sagen haben könnte. Ich möchte den Brief gar gern ins Feuer werfen, aber es reut mich dann, dass ich ihn einmal angefangen habe, und einen Brief musst Du doch irgendeinmal von mir bekommen, daher will ich nur einen dreisten Trott fortreiten, ohne mich um die Künste eines Schulpferdes zu bekümmern. Wenn es nur Worte sind, so hab ich die Rechnung bezahlt, und ich habe mir einmal vorgenommen, dass das, was ich hier angefangen habe, ein Brief werden soll, und nun soll er genötigt sehen, einige rührende Betrachtungen über die Entfernung zweier Freunde mit einfliessen zu lassen.
Ich fange an, mir hier in Bondly zum teil weniger, zum teil besser als ehedem zu gefallen. Der gänzliche Müssiggang behagt mir nicht recht, und doch würde es mir schwer werden, ihn aufzuheben. Der Mensch ist ein wahres Kind, er weiss nie recht, was er eigentlich will, er schreit und heult, und eine blecherne Klapper kann ihn zufrieden und glücklich machen; im folgenden Augenblicke wird sie wieder weggeworfen, und er sieht sich um, was er denn nun wohl wünschen könne. Glücklich ist dabei noch immer der, der einer Klapper oder einer