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Ich empfehle mich Ihnen, gnädiger Herr, mit der ergebensten Bitte, mich nun bald nach haus kommen zu lassen.

Tomas.

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Ralph Blackstone an Tomas

Bondly.

Es ist mir sehr lieb zu hören, lieber Tomas, dass Er in Waterhall fertig ist, Er kann sich also aus diesem grund zur Abreise nur immer fertigmachen. Hier hat sich indessen mancherlei zugetragen, was wohl grosse und beträchtliche Veränderungen nach sich ziehen dürfte. Vor allen Dingen muss ich Ihm nur melden, dass ich jetzt Grossvater bin, und mein Kopf mit allerhand wichtigen Gedanken angefüllt ist. Es ist eine junge Tochter, die meine Betty zur Welt gebracht hat, und ich überlege eben jetzt immer, wie man sie wohl am besten erziehn könnte. Das wendet meine Gedanken nun von dem Garten und von den Baumschulen gänzlich ab, denn eine junge menschliche Seele ist ein zarterer und besserer Baum, der den Menschen näher angeht. Ich habe meine Tochter, wie die ganze Welt sagt, sehr gut erzogen, ich werde daher auch wohl noch imstande sein, einen kleinen Enkel zu erziehn. Alles dies hat mich bewogen, einen Entschluss zu fassen, der Ihm, Tomas, gewiss sehr lieb sein wird: ich will Ihm nämlich künftig ganz allein die Einrichtung mir nur die Jagd vor, um dort so zu schalten und zu walten, so wie es mir gutdünkt. Auch habe ich noch einen andern Plan entworfen, nämlich den, die hiesigen Fischteiche zu verbessern: wir müssen oft Fische aus fernen Gegenden kommen lassen, und das ist sehr unangenehm, sie haben dann bei weitem nicht ihren guten und natürlichen Geschmack; dem Übel muss auf irgendeine Art abgeholfen werden, und ich weiss es auch schon, wie ich mich dazu anstellen will. Vielleicht weiss Er mir einen tüchtigen Mann vorzuschlagen, der unter meiner Aufsicht die Besorgung über sich nehmen könnte. – Komm Er jetzt übrigens nur nach Bondly, oder vielmehr bleibe Er nur da, bis wir Ihn abholen, denn wir alle werden hinreisen und Herr Mortimer noch obendrein mit uns, denn unter uns gesagt, ich habe ein Vögelchen singen hören, dass Herr Mortimer das ganze Gut Waterhall gekauft hat; doch, das bleibt in den ersten drei Tagen noch unter uns, bis es ihm abgetreten wird, welches sehr bald geschehen soll. Es ist uns um eine gute Gesellschaft in der Nähe zu tun, und dazu ist Herr Mortimer ganz ohne Zweifel ein sehr tüchtiger Mann. – Wegen Seiner Verdienste, lieber Tomas, soll Er auch Zulage bekommen, und wenn Er es wünscht, eine ganze stille und ruhige Pension geniessen, denn Er ist schon alt, muss Er wissen, und wenn Ihm der Garten nicht gar zu sehr am Herzen liegt, so mag Er nun nur die ganze Arbeit wegwerfen. – Lebe Er recht wohl, bis wir uns persönlich wiedersehn; mein Schwiegersohn lässt grüssen.

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William Lovell an Rosa

Rom.

Nun ist es entschieden. – Es fehlt nichts weiter. – Ich kann mich nun hinlegen und sterben, denn alles, alles ist vorüber. – Lesen Sie das beigelegte Paket, es ist von Andrea, es ist sein Testament, in dem er mich unbarmherzig verstösst, in dem er nichts von mir wissen will. – Es ist wahrscheinlich dasselbe, woran er noch in seiner Krankheit schrieb, als ich ihn besuchte. –

Kann ich noch etwas sagen, oder auch nur denken? – O Gott, ich bin aus dem Reiche der Schöpfung hinausgeworfen. – Lesen Sie und fühlen Sie dann, wenn es möglich ist, wie jedes Wort mich zermalmt hat. – Ach, Rosa! – Es ist, als wenn ich zuweilen über mich selber lachen und spotten könnte. – Weinen kann ich nicht, und doch würde es mir wohltun: – ach, jetzt ist alles einerlei.

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Einlage des vorigen Briefes

Ich erwarte Deine Zurückkunft, Lovell, und bis dahin will ich für Dich diese Aufsätze schreiben, damit Du endlich die so sehnlich gewünschte Erklärung erhältst. Du hast recht, wenn Du glaubst, dass es nicht möglich sei, immer unter Träumen umherzugehn, dass der Geist endlich nach einer trocknen Überzeugung schmachtet, und diese soll Dir auch jetzt werden. – Ich habe alle Deine Briefe an Rosa gelesen und alles hat mich in meiner Meinung von Dir bestätigt; ich habe Dich jetzt kennen lernen und Du sollst nun auch erfahren, soviel es möglich ist, wie ich beschaffen bin.

Du wirst aber alle meine Gedanken vielleicht zu ernstaft nehmen und sie eben darum weniger verstehn: es ist sehr Deine Sache, aus allzugrosser Heftigkeit in einem Gedanken etwas ganz anders zu finden, als der andere gemeint hat. Du gehörst zu jenen Lesern, die in allen Büchern nur sich selber suchen, und nicht die Fähigkeit besitzen, sich in fremde Wesen hineinzudenken. – Ich hoffe, Du sollst durch einige Nachrichten erschüttert, durch manche Gedanken sollst Du klüger werden, und wenn beides geschieht, will ich meine Zeit und Mühe nicht bereuen. – Meine Krankheit zwingt mich zu irgendeiner Beschäftigung; ich will Dir also diese Papiere als ein Denkmal von mir zurücklassen, als ein Testament, als die Erbschaft selbst, die Du von mir erwarten kannst.

Meine Jugend

So wisse denn, dass ich Waterloo heisse und ein Engländer bin. Ich bin mit Deinem Freunde Burton nahe verwandt, denn ich bin der Oheim seines Vaters, Du kennst durch Deinen Vater vielleicht schon meinen Namen, ja Du musst sogar oft mein Gemälde gesehen haben