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ist bis jetzt geschehn. Trinken, trinken will ich, bis sich alle Zufälle nach meinem tollen Willen bequemen, und wenn alles schiefgeht, je nun, so darf ich ja nur an Sie schreiben, und die Summen Goldes kommen auf meinen Wink zu mir herübergeflogen. Nicht wahr, da kann ich der übrigen jämmerlichen Menschen lachen?

Tod und Hölle! Ich habe von je im stillen vermutet, dass Andrea grosse Schätze besitzt, und ich bin ja doch, wie Sie wissen werden, sein bester Freund! Mir wird er's ja nicht fehlen lassen, wenn es so weit kommen sollte, oder ich würde ihn öffentlich für einen wohl, das will viel sagen.

Ich bin schon darauf aus gewesen, die dunkeln heimlichen Regeln in den Hasardspielen ausfindig zu machen, es liegt gewiss alles nur an Kleinigkeiten, allein ich kann es nicht deutlich herauskriegen. Je nun, mag's laufen! Ich will einmal mit Andrea darüber sprechen.

Ich freue mich darauf, dass ich ihn wiedersehe. Er soll mir Geister zitieren, bis mir der Verstand vergeht; das soll ein lustiges Leben werden. Mit einer Wette habe ich zwei Bouteillen Champagner gewonnen und die sind nun fast leer; ich muss jetzt so armselig wetten, sehen Sie, weil ich, unter uns gesagt, nicht mehr viel Geld übrighabe. So geht's in der Welt! –

Was machen Sie jetzt? Ich habe seit lange nichts von Ihnen gehört. Wie kommt das? Sie sind im Briefschreiben noch saumseliger als ich, das ist ein grosser Fehler von einem Menschen, der ein guter Freund sein will. – Apropos von guten Freunden! Ich glaube, ich habe keinen einzigen mehr in Paris, seit die Leute merken, dass ich kein Geld mehr habe: das ist eine magnetische Kraft des Metalls, die man bis jetzt noch nicht bemerkt hat; die Naturgeschichte könnte dadurch eine grosse Verbesserung erleiden. Denn was die Leute oft Liebe, Instinkt, Sympatie, häusliches Glück nennenwas ist es oft anders, als die Attraktion des gemünzten Metalles?

Ich muss fort. Man wartet beim Spieltische auf mich. Es wäre doch viel, wenn man das Glück nicht zwingen könnte. Sterben will ich eher, als verlieren: die Leute nennen es Aberglauben, wenn man manches beim Spiele beobachtet, aber ich habe mir eine Menge von Sachen ausgedacht, die gewiss helfen, und die kein Aberglaube sind. – Was nennen wir denn Aberglauben? Haben wir eine andre Weisheit? Eine ohne Aberglauben? Am Ende ist es ein Aberglaube, dass ich existiere; ein Satz, den ich so auf gut Glück annehme, weil es mir so vorkömmt. Aber wer ist jenes Ich, dem es so vorkömmt? – Die Frage kann mir keiner beantworten, und das wäre doch wahrhaftig äusserst notwendig.

Leben Sie wohl, Rosa, und schicken Sie mir bei gelegenheit etwas Geld; denn wenn ich auch gewinne, es kann nie schaden, wenn man Geld hat, das werden Sie hoffentlich auch zugeben. – Was machen unsre übrigen Freunde? Ich kann mir denken, wie sich Andrea nach mir sehnt; trösten Sie ihn, denn ich werde bald zurückkommen.

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Betty an Amalie

Bondly.

O liebste, liebste Freundin! Ich kann Ihnen noch immer nicht beschreiben, wie mir zumute ist. – Wir haben Sie recht hieher gewünscht und Ihre Kränklichkeit recht bedauert; bei der Hochzeit nämlich. Mein Vater hat mir freilich wohl gesagt, ich soll mich in meinem Glücke nicht übernehmen, aber das lässt sich leicht sagen und schwer tun. Ich weiss immer noch nicht, wie mir zumute ist, ich ziehe mich manchmal am arme, um zu erwachen. Wenn ich im Garten oder im dorf spazierengehe, so grüssen mich alle Leute sehr freundlich, und betrachten mich als ihre herrschaft; Eduard darf ich bei seinem Vornamen und ihn Du nennen, denselben Menschen, den ich bis jetzt nur aus der Ferne, wie eine Gotteit, angebetet habe. Mein Vater ist fröhlich und hat einigemal vor Rührung geweint, mit seinen schwachen Augen kannte er mich gestern in den neuen Kleidern selbst nichtach, liebste Freundin, kann man wohl dem Himmel für eine solche Veränderung genug danken? Gewiss nicht. Wenn doch meine Mutter noch lebte und alle diese Elend gestorben, und jetzt könnte ich sie so schön trösten. Aber es hat nicht sein sollen, und es ist, so wie es ist, schon Glück genug. – Wer hätte das damals gedacht, als Sie mich und meinen Vater mit so himmlischer Güte in unsrer Armut unterstützten? Oh, und Eduard ist ein himmlischer Mensch; er lässt es mich gar nicht fühlen, dass ich ohne ihn nichts war, er spricht mit mir, als wenn ich sein Glück gemacht hätte. So gute Menschen, wie ihn, gibt es gewiss nicht viele. – Sie hätten nur hier den Aufwand bei der Hochzeit sehen sollen; nun, Herr Mortimer kann Ihnen ja erzählen, ob es nicht kostbar war. – Besuchen Sie uns doch sobald Sie können. –

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Betty an Amalie

Bondly.

Wie freue ich mich, Sie wiederzusehn und Ihnen hier alles zu zeigen! Ich getraue mich oft noch gar nicht, zu tun, als wenn ich hier zu haus wäre. geben Sie mir einen Rat, wie ich mir immer die Liebe Eduards erhalten kann, auf welche Art ich sein Wohlwollen und seine Zuneigung verdienen soll. Er tut mir alles zu Gefallen,