, ich würde seinen Anblick nicht aushalten können.
Erbarmen Sie sich meiner und besuchen Sie mich; helfen Sie mir; vergelten Sie den armen Leuten hier, was sie an mir getan haben. –
O Amalie! liebste Freundin! – wenn ich Ihr Angesicht noch einmal sehen könnte! –
Ich kann nicht weiter. –
34
Mortimer an Eduard Burton
Nottingham.
O Freund, sein Sie ein Mann, bezähmen Sie Ihren Gram. – Ihre Schwester ist nicht mehr. Ich fand sie bloss, um sie sterben zu sehen.
Meine Augen sind noch immer von Tränen nass, ob ich gleich fast nie geweint habe; aber diese Szenen haben mich durch und durch erschüttert und alle Standhaftigkeit in mir umgeworfen. Sie nannte Ihren Namen oft, sie wünschte Sie herbei, sie lässt Sie durch mich um Verzeihung bitten. – Wilmont war gerade bei mir, als der Brief ankam, er ritt mit mir hieher. – Als sie ihn sah, wandte sie mit der grössten Betrübnis ihr Gesicht abwärts. Karl sah fürchterlich aus. Er starrte mit seinen Augen immer gerade vorwärts – sie schluchzte – ein grosser Krampf drückte an ihrem matten Herzen.
trösten Sie sich; und doch kann ich Ihnen nichts zu Ihrem Troste sagen: ich bedarf selbst eines tröstenden Freundes.
O Lovell! wie viele Seufzer und Tränen brennen auf Deiner Seele! gegen. –
35
Karl Wilmont an Eduard Burton
Nottingham.
So ist es denn aus, völlig aus! – Alle Hoffnungen sind tot! – Ach Emilie! Emilie! – O könnt ich Dir folgen! – Aber bald; erst muss ich aber den Niederträchtigen aufsuchen und strafen. Er kann nicht mehr in England sein, ich will fort und ihn finden. – Dann, Emilie, sehen wir uns wieder. – Sie nannte seinen Namen, noch ehe sie starb; es war ein Feldgeschrei zur Rache! –
Leben Sie wohl, Freund! trösten Sie sich, ich will nicht getröstet sein. – Mortimer nannte meinen neulichen Brief unmenschlich und er hat recht, ich bin kein Mensch mehr, ich mag es nicht sein; ein Dämon der Rache bin ich, der jetzt durch die Welt zieht, die Strafe, die den Verbrecher aufsucht. –
36
Eduard Burton an Mortimer
Bondly.
Ich kann mich kaum überwinden, Ihnen einige Worte zu schreiben. Meine hände zittern, Tränengüsse haben meine Augen verdunkelt. – O Gott! ich habe sie nicht noch einmal gesehen! – Sie hat sich in der Stunde des Todes nicht an mich gewandt. – Siehst du, Eduard, so wirst du geliebt! – Ach, was kann ich sagen? – Ich kann nur schluchzen und jammern! – Musste es so mit Emilien endigen? – Und durch Lovell, durch Lovell musste mir dieser Jammer zubereitet werden? – O Emilie! hättest Du mir vertraut, früher vertraut, so hätte ja noch alles können gut werden! – Aber nun – wüst und tot ist alles; keine Aussicht, keine Hoffnung!
Der Kirchhof sieht mir so schön und freundlich aus; ich wünschte dort zu ruhen. –
Ach Willy! Du tatest recht, dass Du starbest. – Was gibt es hier für Freuden? –
Neuntes Buch
1
Adriano an Francesco
Florenz.
Schon seit ich von Rom entfernt bin, wollte ich Ihnen schreiben, ja ich wollte Sie schon vor meiner Abreise einmal mündlich sprechen, allein eine gewisse Blödigkeit hielt mich immer davon zurück. Ich bin wirklich darin unglücklich, dass ich meinem verstand den übrigen Menschen gegenüber zu wenig zutraue, ich muss erst in einen gewissen Entusiasmus gebracht werden, und dann traue ich meinen Überzeugungen vielleicht wieder zu viel: wenn ich also bis jetzt gegen Sie zurückhaltend war, so schieben Sie es allein auf diese Unentschlossenheit, auf kein Misstrauen, das ich wahrlich gegen Sie am wenigsten kenne.
Andrea hat mir geschrieben, und sein Brief ist ein Beweis seines Unwillens darüber, dass ich Rom verlassen habe; und dennoch, was kann ihm an mir liegen, da er andre Freunde hat, mit denen er öfter und lieber umgeht?
Seit einem Jahre kenne ich Sie und Andrea, und ich hielt im Anfange Andreas Bekanntschaft für das höchste Glück meines Lebens. Er gab meinem geist dahin noch nicht gekannt hatte. Meine Seele ward durch ihn für mündig erklärt, und sie erschrak im ersten Augenblicke über das grosse Vermögen, das ihr jetzt plötzlich zu Gebote stand, und eben dieses Erschrecken war die Ursache, dass ich es viel zu hoch anschlug; ich hatte viel gewonnen, aber doch noch nicht die Kunst, mich selbst zu beobachten und richtig zu schätzen. Andrea nahm mir Vorurteile und Irrtümer; ich hatte vieles bis dahin angenommen, ohne je darüber gedacht zu haben, meine eigene Seele war mir gleichsam fremd geblieben, ich hatte das grosse Feld des Denkens nicht gekannt, und auch keine sehnsucht nach dieser Bekanntschaft gefühlt. Andrea lehrte mich die grosse Kunst, alles auf mich selbst zu beziehn und so die ganze natur meinem inneren näherzurücken. Wie hab ich diesen Mann damals verehrt! mit welcher Liebe habe ich in der ersten Zeit an ihm gehangen!
Nicht, dass ich ihn nicht noch jetzt achtete, aber meine ehemalige Liebe hat er verloren. Er hat oft über mich gespottet, dass ich mit meinem verstand immer nur gradeaus will, und alle Gedanken rechts und links am Wege liegenlasse, er hat mir immer eine gewisse Einfalt zugesprochen, und ich weiss, dass mich sein Scherz nie erbittert hat, denn