ich die freche Erklärung wagte, als ich Ihnen entdeckte, warum ich verkleidet dieses Haus betreten habe. Was kann ich denn auch für die heissen Empfindungen meines Herzens? Ist es ein Verbrechen, Sie zu lieben? – O ja, so bin ich ein Verbrecher, verachten und hassen Sie mich und mit dem Ende dieses unerträglich schweren Lebens ist meine Sünde abgebüsst. – Aber nein, Sie haben mir verziehen, Sie haben sich meines Elendes mit der Gütigkeit eines Engels erbarmt, Sie wollen mich gegen meine wilde Verzweiflung schützen, Sie haben es mir zugesagt – warum bin ich denn nicht froh und glücklich? – Weil ich immer noch an diesem Glücke zweifle, weil ich in diesem Leben gelernt habe, dass uns alle Hoffnungen hintergehn, weil ich es nur für eine schuldlose Verstellung halte, um mich auf einige Tage zu trösten. O Emilie! bedenken Sie, wie ich denn zu meinem gewöhnlichen Leben wieder erwachen werde!
Warum sollte aber nicht ein Unglücklicher in seinem dürren Lebenslaufe, unter den unzähligen leeren Larven, die ihm begegnen, auch einmal einen Boten des himmels antreffen, der ihm von oben her Frieden verkündigt? Ach, mein ganzes verschlossenes, verwelktes Herz würde sich wieder wie eine Blume aufrichten, die ein warmer Frühlingsregen trifft. Ein schöner Regenbogen würde den Horizont meines dunklen Daseins umarmen, und Hoffnung, Liebe, Glück und Seligkeit würde aus jedem Sterne der Nacht, wie aus einem goldnen Auge auf mich herniederblicken. Wenn ich leben soll, so müssen Sie mir diese Hoffnung nicht nehmen; wenn ich lächeln soll, o so müssen Sie sie erfüllen.
11
Emilie Burton an William Lovell
Ich halte es für meine Pflicht, Sie zu beruhigen; – doch nein, das Wort ist zu kalt und ängstlich. – Ich bin es meinem klopfenden Herzen schuldig: ich kann nicht anders, wenn ich auch wollte. Aber ich will nun so und nicht anders. – Können Sie einen grösseren Beweis fordern, als dass ich Ihnen schreibe, dass ich Ihr Geheimnis verschweige, dass ich gern und geheim mit Ihnen spreche? – Ach, könnten Sie alle die Tränen sehen, die ich Ihrentwillen vergiesse, Sie würden nicht länger zweifeln.
Und darf ich denn mehr tun? – Hab ich nicht schon zu viel getan? – O unglücklicher Lovell, Sie haben Ihre Emilie vielleicht mit unglücklich gemacht; Sie haben vielleicht den schwarzen Samen in diesem friedlichen haus ausgestreut – und dann – was soll ich dann tun? Was soll ich dann sagen? –
O beruhigen Sie sich und lesen Sie nicht alle Worte zu ernstaft und aufmerksam. – Mir ist, als wenn mein Herz in mir springen wollte, ich kann kaum mehr Atem schöpfen. –
12
William Lovell an Emilie Burton
Und ich soll nicht seufzen und klagen? Nicht trauern und verzweifeln? – Mehr hat Emilie getan als sie durfte? – O dann wird es sie auch gereuen, dann – o dreimal unglücklicher Lovell – dann ist auch kein Herz auf der weiten Erde, das für dich schlüge! – Ach nein, denn das einzige, das übrig war, bereut es, dass es gewagt hat, dich zu bemitleiden!
13
Emilie Burton an William Lovell
Ich fürchtete Ihre Klagen und Ihren betränten blick, das war's, warum ich Sie heute gern vermeiden wollte. Gott! Und nun Ihr Gespräch im Garten! – O ich fühle noch das Erstarren in allen meinen Adern. – O Lovell, Sie haben mich heute viel dulden lassen, ich sagte es, Sie machen mich zur Gefährtin Ihres Unglücks.
14
William Lovell an Emilie Burton
O würden Sie die Gefährtin meines Unglücks! Wie schnell würde der arme Lovell der frohste und glücklichste unter den Menschen werden! – Aber nein, Sie haben sich ganz deutlich von mir zurückgezogen; – o warum hofft ich denn auch noch auf Freuden? – Bin ich nicht langsam zum höchsten Elende gereift, und nun sollte sich plötzlich alles umwandeln? – – Nein, ich will fort, fort ohne Trost und Abschied, über niemand soll mein Elend kommen; besser dass ich vergehe! –
O dass ich nie hiehergekommen wäre! – Dass ich nie die letzte Blume gefunden hätte, die ein höhnischer Fuss zertritt! – Leben Sie wohl! – Wohin soll ich mich wenden? – Wohin? – Der Tod wohnt in allen Weltgegenden, für ein Grab ist die Erde noch allentalben gut genug!
15
William Lovell an Rosa
Bondly.
O Rosa! was, was sind die Menschen? – Eduard besitzt ganz ruhig meine Güter, ohne dass ihm sein zartes Gewissen einen Vorwurf darüber macht. Hat er sie doch in einem rechtmässigen Prozesse gewonnen. – Um diese Menschen sollte man sich härmen? – Man sollte fürchten ihnen Unrecht zu tun? –
Doch ich wollte Ihnen meine Lage schildern, ich wollte Ihnen von Emilien erzählen.
Ich stellte mich als ein verarmter Kranker, der Gärtner sprach von mir mit Burton, und dieser liess mich in das Schloss bringen, mir ein Zimmer anweisen, und mich mit Essen und Trinken versorgen. Emilie kannte ich schon etwas aus vorigen zeiten, und ich beschloss mit ihr einen Versuch zu machen. Ich konnte darauf rechnen, dass sie vorzüglich neugierig war, wer ich sein möchte, ich suchte daher ihre Aufmerksamkeit noch mehr auf mein stilles, melancholisches Wesen zu richten. Es gelang mir. Ihr Bruder war an einem Tage abwesend, und ich sehe sie allein nach dem Garten gehen und sich in ihre Lieblingslaube setich