als sie die übrigen Menschen täuschen. Lovell ist mein unversöhnlicher Feind, wenn er erfährt dass ich mit daran arbeiten half, ihm seine zärtliche Braut zu entführen, und er würde es nie zur Entschuldigung dienen lassen, dass Waterloo auch mein Freund und sogar mein Oheim sei. – Aber da der ganze Plan doch verunglückt ist, so denke ich mich auf jeden Fall wieder mit ihm zu versöhnen.
Aber Waterloo, ob er gleich mein Oheim ist, ob er gleich älter ist als vierzig Jahre, ob er gleich schon grosse Reisen gemacht hat, ist dennoch ein weit grösserer Narr, als der jugendliche Lovell. Er glaubt alles zu haben, indem er Witz hat, er meint die Menschen genug zu kennen, wenn er nur weiss, wodurch er sie zum lachen bewegen kann, er wäre vielleicht ein guter Komödiendichter geworden, aber zum Umgange mit Menschen ist er verdorben. – Er beklagt sich über mich, dass ich ihn hintergangen habe, ob ich gleich mit ihm an demselben Plane gearbeitet habe. Aber die ganz unterbleiben, wenn es nicht erlaubt sein sollte, dass ein Schelm den andern hintergeht. Er macht mir Vorwürfe, dass ich nun der einzige bin, der bei dem ganzen Handel etwas gewonnen hat; aber das war ja eben der Bewegungsgrund, warum ich mich einmengte, weil ich die Gewissheit hatte, dass ich auf jeden Fall gewinnen müsse. – Wenn ich hintergangen wäre, ich würde mich nie beklagen, sondern mich nur zu rächen suchen.
Waterloo ist abgereist, und wie ich eben höre, gestorben. Er ist vielleicht töricht genug gewesen, sich selbst umzubringen.
In meinem vierundzwanzigsten Jahre.
Ich hoffe, es soll mir gelingen, die Tochter der reichen Lady Sackville zur Frau zu bekommen. Die Mutter spielt die Aufgeklärte und die Tochter ist ziemlich empfindsam und pietistisch. Die Mutter spottet über die Tochter, die Tochter zuckt die Achseln über ihre irreligiöse Mutter. Beiden muss ich beitreten, um ihr Vertrauen zu gewinnen.
Wie platt sind doch alle die Komödien, in denen eine ähnliche Situation dargestellt wird! Eine Karikatur treibt sich zwischen allen mit schlecht erfundenen Lügen herum, um am Ende an allen seinen Spöttern zu scheitern. Ich finde es ebenso leicht als sicher, sich tere einzuschieben, denn man muss sich jedem nur unter gewissen Bedingungen nähern, die so gestellt sind, dass jener glaubt, es komme nur auf eine nähere Bekanntschaft, auf ein vertraulicheres Gespräch an, um auch diese Bedingungen wegzuschaffen. Die Mutter glaubt, ich spiele nur aus Liebe zu ihrer Tochter den Religiösen und um diese nachher von ihren Irrtümern zurückzubringen; die Tochter ist überzeugt, nur aus grosser Liebe zu ihr finde ich die Mutter erträglich. Man darf nur ernstaft vor sich selber heucheln, so ist die Heuchelei das leichteste Handwerk auf der Erde. Alle unsere gespräche in der Welt, unser Umgang, unsre Freundschaftsbezeugungen, unsre Vergnügungen, alles ist nur Heuchelei, folglich kommt es mir als gar nichts Schwieriges, ja nicht einmal als etwas Neues vor, hier eine Art von Rolle zu spielen, um eine reiche Frau zu bekommen.
Ich bin schon so glücklich gewesen, einige Liebhaber zu verdrängen, und wenn ich an den Tod oder an andere betrübte Gegenstände in der Gesellschaft meiner Geliebten denke, so wird es mir ganz leicht, eine melancholische Miene zu machen, und empfindsame Sachen zu sagen. – Oft verschiebe ich viele ernstafte Betrachtungen, die sich mir aufdrängen, bis ich dortin komme, und Tochter und Mutter sind immer mit mir zufrieden, und ich kann auf die Art noch Zeit in meinen Geschäften sparen. Diese Sparsamkeit kommt mir jetzt selber lächerlich vor, aber genug, dass es mir bequem ist.
Ich will dieses Buch aufbewahren, um mir im Alter das Vergnügen zu machen, es wieder durchzulesen. Man kann dann nur eine richtige Vorstellung von sich selber haben, wenn man solche Proben von den ehemaligen Kleidern zurückbehält. Aus diesem grund würde ich fast in jeder Woche etwas niederschreiben, wenn ich nicht zu träge wäre.
Warum sollt ich nicht auf eine recht gute Art den empfindsamen Verliebten spielen können, da es viele Dichter gibt, die sich poetisch irgendeine Liebschaft ersinnen, um poetische und herzrührende Verse darüber zu machen? Meine Rolle ist bei weitem leichter, da ich doch einen wirklichen Gegenstand, und noch überdies mit einem reichen Vermögen ausgestattet, vor mir habe.
In meinem fünfundvierzigsten Jahre geschrieben.
Eine sonderbare Empfindung befällt mich, da ich dies alte, staubige Buch wieder in die hände nehme und durchblättere. Ich kehre aus der Welt und zur Ruhe zurück, und finde hier die skizzierte geschichte meiner Jugendideen. Manches finde ich noch wahr, und ohne dass ich es wusste, habe ich mir während meines geschäftigen Lebens den hier beschriebenen Charakter Charakter, weil verwandte Züge in mir lagen; oder entwickelten sich diese, weil ich das Bildnis dieses Menschen immer mit Wohlgefallen betrachtet hatte? – Doch diese Spitzfindigkeit zerfällt in sich selber.
In der Welt hat mir der Zufall den verhassten Lovell stets gegenübergestellt, er kreuzte durch alle meine Plane und unaufhörlich musst ich mit ihm kämpfen. Er war gleichsam das aufgestellte Ziel, an dem ich meinen Verstand und Scharfsinn üben musste.
Meine Gemahlin ist tot und nur in den letzten Jahren war ich so glücklich, einen Sohn und eine Tochter von ihr zu bekommen. Ihr ist jetzt wohl, denn sie fühlte sich immer unglücklich. Sie gehörte zu den Menschen, die sich durch abgeschmackte Erwartungen den Genuss ihres Lebens selber verbittern