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mir in seinem Entzücken die hände. Auf diese Art muss man den Schatz unserer Sprache studieren, um die wahre Art zu sprechen zu finden. Es fällt mir immer ein, dass die Menschen offenbar Narren sind, die so reden wollen, wie sie denken, die ganze Welt dadurch beleidigen, und sich nur Schaden stiften. Ich denke für mich und spreche für die andern, folglich muss ich nur sagen, was diese gern hören. Es wird auch niemand erwarten, dass ich die sogenannte Wahrheit rede, so wenig wie ich es von einem andern fordere, denn sonst müsste ich nie jemanden etwas Schmeichelhaftes sagen, so wenig wie ich von irgendeinem ein Kompliment bekommen würde. Die Sprache ist nur dazu erfunden, um etwas zu sagen, was man nicht denkt; und wie selten denkt man selbst ohne zu lügen!

Die sogenannten Wahrheitsfreunde sind daher Menschen, die ausgemachte Toren sind, die selbst nicht wissen, was sie wollen, oder sie sind eine andere Art von Lügnern. Sie haben sich in den Kopf gesetzt, dass in ihrer Wahrheitssagerei ihr Charakter bestehet, und sie sagen daher von sich und andern Leuten eine Menge Sachen, die sie wirklich nicht denken, sie wollen sich nur auf diese Art auszeichnen, und sich freiwillig verhasst machen. Sie sehen nicht ein, dass unsere ganze Sprache schon für die Begriffe und Dinge, die sie bezeichnen soll, äusserst unpassend ist, dass schon diese die Unwahrheit sagt, und dass es daher unsere Pflicht ist, ihr nachzuhelfen.

Der Grund von allen unsern Künsten, von allen unsern Vergnügungen, von allem, was wir denken und träumenwas ist er anders als Unwahrheit? – Plane und Entwürfe, Tragödien und Lustspiele, Liebe und Hass, alles, alles ist nur eine Täuschung, die wir in uns selber erzeugen; unsere Sinne und unsere Phantasie hintergehen uns, unsere Vernunft muss daher falsche Schlüsse machen; alle Bücher, die geschrieben sind, sind nur Lügen, wovon die letzteren die ersteren in ihrer Blösse darstellen sollen; und doch soll ich den kleinen teil meines Körpers, die Zunge, der Wahrheit widmen? Und wenn ich es wollte, wie kann ich es?

Ein Jahr nachher.

Mein Vater ist gestorben, und die ganze Welt wünscht mir Glück, mit Worten, die wie Kondolenzen gestellt sind. Viele suchen sich mir zu empfehlen, und manche darunter meine schwache Seite ausfindig zu machen. Die Menschen, die meinem Vater viel zu danken haben, ziehen sich ganz zurück, und tun, als wenn er nie auf der Erde gewesen wäre. Alle Weiber, die mich als Kind manchmal auf ihren Schoss genommen haben, präsentieren mir ihre Töchter, die sich mit allen Reizen aussteuern. Die Bedienten haben Pensionen und sind froh, selbst der Verwalter, dem etwas an seinem Gehalte zugelegt ist. – Wo sind denn nun die Menschen, die so viel fühlen wollten? Wer kann denn Bettler geht unten vorbei, den ich weinen sehe, weil mein Vater ihm wöchentlich etwas gab. Er weint, weil er fürchtet, dass er jetzt sein Einkommen einbüssen wird. – – Ich habe ihm etwas heruntergeschickt, und er geht mit einem frohen gesicht fort; er weinte vielleicht bloss, um mein Mitleiden zu erregen.

Die Menschen sind gewiss nicht wert, dass man sie achtet, aber doch muss man sich die Mühe geben, mit ihnen zu leben. Ich will sie kennenlernen, um nicht von ihnen betrogen zu werden, denn wie kann ich dafür stehen, dass nicht irgendeinmal meine Eitelkeit, oder eine andre meiner Schwächen meine Vernunft verblendet?

Alles schmeichelt mir jetzt, selbst die Menschen, von denen ich weiss, dass sie mich nicht leiden können und mich verachten. Alle denken, wenn sie mich erblicken, an mein Vermögen, und alle Bücklinge und Erniedrigungen gelten diesem Begriff, der nur auf eine zufällige Weise mit mir selber zusammengefallen ist. Diese Vorstellung von meinem Reichtum beherrscht alle die Menschen, die in meine Atmosphäre geraten, und wohin ich trete, folgt mir diese Vortrefflichkeit nach. Ich kann es also niemand verargen, wenn er sein Vermögen und seine herrschaft über die Gemüter zu vergrössern sucht, denn dadurch wird er im eigentlichsten verstand Regent der Welt. Ein goldner Zauberstab bewaffnet seine Hand, der allen gebeut. Dies ist das einzige, was noch mehr wirkt, als alle möglichen Captationes benevolentiae.

Solange man bei recht vielen Leuten den Gedanken erzeugen kann, dass man ihnen wohl nützlich sein könnte, hat man viele Freunde. Alle sprechen von Aufopferung und hohen Tugenden, bloss um uns in eine solche heroische Stimmung zu versetzen. Diese Situation aber gibt zugleich gelegenheit, sie auf mancherlei Art zu nutzen, und sie so zu verwickeln, dass sie am Ende schon froh sind, wenn sie nur aus den Netzen freigelassen werden.

Man lebt in der Gesellschaft wie ein Fremdling, der an eine wilde barbarische Küste verschlagen ist; er muss seine ganze Bedachtsamkeit, alle seine List zusammennehmen, um nicht der Rotte zu erliegen, die ihn mit tausendfachen Künsten bestürmt. Wenn man es vermeiden kann, dass das Leben ein Hasardspiel wird, so hat man schon gewonnen. Seltsam, dass alle zu gewinnen trachten, und manche doch die Karten nicht zu ihrem Vorteile mischen wollen! Für den Klügern muss es keinen Zufall geben.

Im zwanzigsten Jahre.

Der junge Lovell ist ein Narr, recht so, wie man sie immer in den Büchern findet. Ich habe das wunderbare Glück gehabt, ihn