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des Landlebens noch immer sehr glücklich; es scheinen mir lauter Missverständnisse zu sein, wenn die Menschen so emsig nach ihrem Glücke suchen; selten denkt man sich bei dem Worte Glück etwas Deutliches, und die Wandrer gehen nun oft auf wunderbaren Wegen um das Ziel herum. Amalia ist ebenso froh und gesund, als ich bin, und ich möchte sagen, dass sie mit jedem Tage heiterer wird.

Ich habe mich jetzt daran gewöhnt, eine eigene Haushaltung zu führen, und ich und meine Frau haben uns noch nie gestritten, ein paar recht freundschaftliche Zänkereien abgerechnet, die über ein hässliches Weib entstanden, die Amalia aus zu grosser Guterhat ganz das Ansehen einer verzauberten Fee, wenigstens habe ich noch in keinem Märchen eine Beschreibung von einer hässlichern gefunden; ihre Physiognomie ist mir im höchsten Grade zuwider, es ist nicht meine Schuld, wenn ich sie zugleich für boshaft halten muss.

Leben Sie recht wohl und antworten Sie mir bald.

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Eduard Burton an Mortimer

Bondly.

Ich konnte Ihnen bisher nicht schreiben, teurer Freund, weil die Krankheit meines Vaters, die mit jedem Tage zunahm, mich zu sehr beschäftigte und zerstreute. Sie ahnden es vielleicht aus diesem Anfange, dass er nicht mehr ist, und diese Nachricht war es, die der Inhalt meines Briefes werden sollte. Ja, Mortimer, er hat endlich alle Schmerzen, die ihn folterten, überstanden, und auch ich bin nun ruhiger. Seine Seele schied schwer von ihrem Körper, der sie doch nicht mehr zurückhalten konnte; ich kann es nicht unterlassen, ihn stets von neuem zu beweinen, wenn es mir wieder lebhaft einfällt, dass er nicht mehr ist. Er war in seinen letzten Stunden sehr freundlich und zärtlich gegen mich; er hätte sich mit der ganzen Welt so gern versöhnt, und sprach oft mit vieler Rührung von Lovell, seinem gestorbenen Feinde. – Vor seinem tod hat er noch viele Papiere verbrannt, die er mit nassen Augen betrachtete.

Leben Sie recht wohl und glücklich; ich werde Sie auf einige Tage besuchen, um mich zu zerstreuen.

Siebentes Buch

1

Karl Wilmont an Mortimer

London.

Du vermutest mich vielleicht noch in Bondly und wunderst Dich, den Brief von London datiert zu sehen? Nein, Mortimer, ich wünschte nicht, dass Du lange in Deinem Erstaunen bleiben mögest, denn ich fühle es, dass ich hiersein muss.

Ich habe vier glückliche Tage in Bondly an Emiliens Seite verlebt, und bei Gott, es hat mich noch nicht einen Augenblick gereuet, dass ich wieder so schnell abgereist bin. Ich sollte unwürdig genug sein, sie sogleich mit ihrer reichen Aussteuer zu heiraten und dann gemächlich von ihrem Vermögen zu leben? Es kam bloss auf mich an, aber bei der ersten Nachricht von Burtons tod ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich ein unwürdiger Mensch wäre, wenn ich es täte. Du weisst, dass ich mehrere gute Empfehlungen an den Minister hatte, und er nahm mich freundlicher auf als ich erwarten konnte: bei ihm arbeite ich jetzt. Ich teilte Emilien sogleich, als ich in Bondly ankam, meinen Plan mit, und sie konnte ihn auf keine Weise missbilligen. Das Bewusstsein ihrer Liebe begleitet schäfte lächeln mich an; wir sind beide jung, und so mag unsere Vereinigung noch immer ein Jahr oder etwas länger aufgeschoben bleiben; in dieser Zeit denke ich befördert zu werden und ihr dann doch mit einem kleinen Glücke entgegenzukommen.

Ich lächle über mich selber, wie ich bisher alles ernstere, festere Leben verabsäumt habe, sie nur so oft als möglich zu sehen suchte, und dass ich jetzt hier sitze, freiwillig von ihr verbannt und mir noch aus meinem kältern Sinn ein grosses Verdienst mache. Aber bisher war sie mir ungewiss.

Zuweilen mache ich mir Vorwürfe darüber, dass ich innerlich so froh bin. Die Menschen, (und ich mit eingerechnet,) sind ausgemachte Narren. Einen trüben, verkehrten Sinn, in dem sich alle Gegenstände dunkel und unkenntlich abspiegeln, halten sie viel leichter für den Rahmen der Tugend, als die frohe Gemütsstimmung. Ich freue mich ja nicht über Burtons Tod, nicht dass er mir aus dem Wege gegangen ist – o nein, nur über die Ebene, die plötzlich, ohne mein Zutun, vor meinen Füssen liegt. Die Menschen sind darin ganz gute Geschöpfe, und wohl mir, dass auch ich mir jetzt so recht wichtig und bedeutend vorkomme, dass ich alle Vorstellungen auf mich und mein künftiges Glück beziehe! Man lasse doch alle grosse kosmopolitische Plane, allen Kummer über Weltbegebenheiten fahren, und liebe sich und die Menschen recht innig, die der gütige Himmel dicht um uns angepflanzt hat! Dieser Empfindung, diesem Vorsatze will ich folgen, und Du, mein lieber Mortimer, bist mit unter meine Geliebten eingeschlossen; aber auch meine Schwester, die Du grüssen sollst, und jeden, der sonst im haus nach mir frägt, selbst die hässliche Charlotte nicht abgerechnet, die Dir so zuwider ist.

2

Mortimer an Karl Wilmont

Roger Place.

Deinen Gruss an Charlotten magst Du bei der ersten gelegenheit selbst bestellen, denn ich spreche nur ungern mit ihr, die übrigen sind besorgt und alle sagen von Herzen Dank, dass Du Dich ihrer mit einem so fröhlichen Wohlwollen erinnerst. Dein Brief, Karl, hat mir sehr gefallen, denn eine liebenswürdige Menschlichkeit führt darin das Wort; wir sollten alle so empfinden, und die Menschen würden sich aus dieser dürren Erde einen Garten machen.

Nein, Du brauchst Dir