zittert und klingt alles um mich her, und ich singe innerlich Gesänge, ohne dass ich es weiss.
Alte graue Helden treten
So vertraulich zu mir her,
Ehrfurchtsvolle Priester beten,
Und es rauscht das griechsche Meer.
Circes Weberstühle sausen,
Die Charybdis strudelt wild,
Pan erwacht, die Wälder brausen,
Jäger fliehn zusamt dem wild.
Lanzenkämpfer tummeln rüstig
Sich auf Rossen hin und her,
Und Ariost ersinnet listig
Seine wundervolle Mär,
Singt Orland' und Rodomant; –
Wie er sich in Liedern sonnt,
Bricht verstummend plötzlich ab,
Ihn verschlingt das offne Grab.
Ach und keine Reime sprechen
Sanften Trost dem Armen zu,
Alle Harfensaiten brechen,
Um ihn furchtbar dumpfe Ruh.
Ich denke noch daran, dass wir oft über alles sprachen, was ich jetzt immer wirklich vor mir sehe.
Alle diese Leute sind nicht tot, sondern nur verdunkelt; sie kommen, wenn ich sie rufe, und vertragen sich brüderlich mit mir.
Denkst Du noch zuweilen an mich, wie ich an Dich und Deine Torheiten denke? Es ist mir jetzt ein neues ruhiges Leben aufgegangen, ich weiss es nicht zu sagen, wie sehr ich innerlich froh bin. Eine andere stillere Seele ist in mich eingezogen, und die hat über mich eine bessere herrschaft gewonnen.
Ich weiss nicht, in welchem Waldgebirge ich wohne, denn ich erkundige mich nie mehr nach Namen. Es sieht um meine wohnung wunderlich und doch schön aus. Felsen stehen hoch und ernstaft da, und Ulmen und Pappeln, und an den senkrechten Wänden hängt der Efeu dick wie Riesenlocken herunter. Es ist alles hier um mich lebendig und voll Freundschaft; die Bäume grüssen mich, wenn ich aufwache, der Himmel zieht purpurrot über meinen Kopf weg und seine bunten Lichter spielen um mich herum und necken mich. – Ach Freund, wenn man die Blumen und Pflanzen näher kennenlernt, was sie dann anders sind, als man gewöhnlich glaubt, sie sind klüger als die Leute denken, und haben auch mehr Gewalt, als man meint. Die Menschenwissenschaft kennt nur einen teil ihrer geheimen Kraft.
Blumen sind uns nah befreundet,
Pflanzen unserm Blut verwandt,
Und sie werden angefeindet,
Und wir tun so unbekannt.
Unser Kopf lenkt sich zum Denken
Und die Blume nach dem Licht,
Und wenn Nacht und Tau einbricht
Sieht man sich die Blätter senken.
Wie der Mensch zum Schlaf einnickt,
Schlummert sie in sich gebückt.
Schmetterlinge fahren nieder,
Summen hier und summen dort,
Summen ihre träge Lieder,
Kommen her und schwirren fort.
Und wenn Morgenrot den Himmel säumt,
Wacht die Blum und sagt, sie hat geträumt,
Weiss es nicht, dass voll von Schmetterlingen,
Alle Blätter ihres Kopfes hingen.
O was würden die Menschen in der Nacht erblicken, wenn sie plötzlich in ihren Träumen aufwachen könnten. Der Traum steht vor ihnen und weiss, wenn der Mensch nicht mehr schläft, der gewöhnliche Betrug gibt auf den ersten Wink acht und rennt wieder an seine Stelle. – Aber ich war einmal krank und sah alles mit Augen, und griff es mit diesen Händen, mit denen ich jetzt schreibe, ich weiss selbst nicht, warum; da hielt ein jedes Wunder ordentlich stand und ich lachte über die andern Menschen.
Auch die Vögel und die Tiere, die Berge und die Felsen sind anders, als die Menschen sich einbilden wollen, es zu wissen. Es ist nur zu weitläuftig, sonst könnt ich hier viel davon schreiben und es würde doch weder Dir noch einem andern Menschen nützen, denn wer's nicht schon vorher weiss, kann mich doch nicht verstehn. So geht es mit allem Guten.
Da hab ich hier in einem Felsen einen Menschen gefunden, der alles so sehen kann, wie ich. Dass sich die Klugen doch so gern aus der Welt zurückziehn! Aber in der Einsamkeit denkt und fühlt die Seele anders, sie wird nicht durch das unordentliche Gezwitscher und Gepolter unterbrochen. In der freien natur ist alles mit der Seele verwandt und auf einen Ton gestimmt, in jedes Lied stimmt sie freiwillig ein und ist das Echo und ebensooft der Vorsänger von allem, was ich denke: ein kleiner Vogel kann mir vielen Verstand in meinen Kopf hereinlocken. Der Mensch ist taub und kann mich nicht reden hören; aber wozu brauchen Menschen die Sprache? Sie ist unnütz und eine seltsame Erfindung. Sie ist erfunden, um zu lügen, nicht um die Wahrheit zu reden, denn sonst wäre sie besser und verständlicher; ein boshafter Lügner weiss alles damit zu machen, dem Verständigen fällt sie zur Last.
Wir leben wie Brüder beieinander und er hat gar kluge Einfälle. Uns beiden kommt die Welt anders vor, wie den übrigen Leuten, und doch ist die Kunst nur so klein und einfach.
Ich halte mir auch Tauben, die ganz zahm geworden sind und doch ihren natürlichen Mut und Verstand behalten haben. Ich habe sehr viel von ihnen gelernt, wenn sie manchmal so unter sich mit dem kopf nickten und girrten und sich ihre Zeichen machten, mit denen sie manchmal über den Menschen spotten. Diese und die Lämmer, die mit mir essen, sind die unschuldigsten und besten Geschöpfe von der Welt, und wenn sie Dich kennten, würden sie Dich grüssen lassen. Es ist nur um die Reise zu tun, so könntest Du hier mit mir leben.
Von den grossen Dingen, die ich weiss, kann und darf ich Dir nichts schreiben. Es ist bloss darum ein Geheimnis, weil Du