heisst Mortimer. – Mein Freund wird er schwerlich werden können, er hat eine gewisse kalte beissende Laune, die mich von ihm gestossen hat. – Er soll viel wissen – er hat diese Reise schon einmal gemacht, er ist älter als ich; alles dies zusammengenommen hat meinen Vater bewogen, ihn zu meinem Begleiter auszuwählen. Er scheint sehr unterhaltend zu sein – aber ich liebe nicht diese Art von Charakteren, das Satirische in ihm gefällt mir nicht, diese Erhebung über die andern Menschen, diese Bitterkeit führt leicht zur Menschenfeindschaft – ich liebe die meisten, möchte sie gern alle lieben und mag über keinen spotten; – jeder bewache seine eigne Schwäche.
12
Mortimer an Karl Wilmont
London 4. Jun.
Wenn ich gerade aufgelegt wäre, über die wunderbaren Wege der Vorsehung Betrachtungen anzustellen, so hätt ich heute dazu die schönste gelegenheit. Denn wahrlich, nichts ist so seltsam, keine Linie läuft in den wunderbarsten Verschränkungen so schief und krumm, um in sich selbst zurückzukehren, als es so oft die begebenheiten und Vorfälle in dieser Welt tun. – Den Schilling den ich heute meinem Bedienten gebe, erhalt ich morgen vielleicht vom Lord Parton zurück, um ihn einem Bettler zu schenken. – Du bist begierig, welch Resultat endlich aus diesem Wirwarr folgen soll; nun so höre denn und erstaune. – (Erstaunst Du nicht, so gesteh ich, dass Du selbst ein erstaunenswürdiges Wesen bist.)
Wer hätte Dir wohl damals ins Ohr geraunt, als Du Deinen neulichen Brief an mich schriebst, in welchem von William Lovell die Rede war, dass Du an den achtbaren Gouverneur dieses hoffnungsvollen Eleven schriebest? Um ernstaft zu sprechen: ich reise mit William nach Italien und Frankreich und kehre dann volles Vaterland zurück, um auch hier mein Licht glänzen zu lassen. – Ich sehe die Gegenden noch einmal, die mich schon einst entzückten. Ich habe hier nichts zu tun, ich versäume nichts, Lovell ist leidlicher, ja angenehmer, als ich ihn mir vorgestellt hatte, und darum hab ich das Anerbieten seines Vaters angenommen.
William ist, soviel ich gleich bei unsrer ersten Zusammenkunft bemerken konnte, nicht ganz mit mir zufrieden, ich bin ihm zu froh, zu wenig das, was er ernstaft nennt. Wer von uns beiden nun den andern aus seinen Verschanzungen zuerst treiben wird, ist die grosse Frage. In einer Woche ungefähr reisen wir. Ich will mir alle mögliche Mühe geben, meinen Freund aus ihm zu machen.
Mein alter Onkel hätte beinahe geweint, als ich ihm die Nachricht meiner Abreise brachte; er ist mir mehr gewogen als ich dachte, er hat es mir so gut wie versprochen, mich zum Erben einzusetzen, wenn er während meiner Abwesenheit sterben sollte. –
Könnt ich über Bondly reisen, so würde die Reise noch eine Annehmlichkeit mehr für mich haben, aber einige Leute, die Fait von der Geographie machen, wollen behaupten, es läge ganz auf der entgegengesetzten Seite.
Deine Schwester ist allerdings ein vortreffliches Mädchen, ausgenommen darin, dass sie gewiss Lovell liebt – doch vielleicht wird er unter der Anführung eines gescheiten Mannes anders, das heisst, nach meiner Überzeugung: besser.
Worüber ich mich verwundre, ist, dass man mich für so gelehrt hält, um mit Nutzen der Begleiter eines jungen Mannes zu sein, der nicht ohne Kenntnisse ist – der alte Lovell aber ist ein vernünftiger Mann, der weiss, was meistenteils hinter der gewöhnlichen Ernstaftigkeit steckt; vielleicht hat auch eben meine Heiterkeit seine Wahl auf mich fallen lassen, da er mit der zu reizbaren Empfindsamkeit und Schwärmerei seines Sohnes nicht ganz zufrieden ist. –
Und wenn nun auch bald viele Meilen zwischen uns liegen, so bin ich auch im wärmeren Klima, zwar nicht wärmer, aber ebenso warm als jetzt, Dein Freund, und wenn ich nicht auf dem Kanal untergehe, so erhältst Du aus Frankreich einen Brief von
Deinem Mortimer.
13
Willy an seinen Bruder Tomas in Waterhall
Weiss nicht, lieber Bruder, von wo aus ich Dir schreiben soll, aber ohne dass die Schuld davon an mir liegt: denn ich bin hier ganz nahe bei London, aber doch nicht in London, so dass ich lieber gar kein Datum dabeischreiben will, um Dich nicht konfus zu machen, weil ich weiss, dass Du Dich nicht gut aus den Ortschaften und Ländereien herausfinden kannst, wenn sie eine Meile von dem Garten in Waterhall liegen – und London, oder das Landhaus hier nahe bei London, ist nicht so nahe an Waterhall, als Du glaubst, ob es freilich wohl ganz nahe an London liegt, so dass man die Glocken kann schlagen hören, wenn sie gerade nicht unrichtig gehen, wie denn das wohl in so einer grossen Stadt bisweilen der Fall ist, wo selten alles ganz richtig geht: es macht die Menge.
Der Herr William ist so ein guter Herr, als nur ein Bedienter verlangen kann, wenn er nicht selbst der Herr werden will. – Er sagte, er hätte mich mehr aus alter Freundschaft mitgenommen, als wie einen Bedienten; nun ist er freilich nicht ganz so alt, als ich, aber so alt er auch immer sein mag, so bin ich doch wirklich von der Geburt an sein Freund gewesen. Du weisst, Tom, was ich meinen will, dass ich ihn nämlich schon vor der Geburt gekannt habe, als ich schon lange vorher beim alten Herrn Lovell als ein Bedienter gestanden habe.
Du glaubst übrigens nicht, Tomas, wie viel