zu Bette.
– Steh auf, mein Held! Die Morgensonne macht schon deinen Erker rot – springe unter dem Glockengeläute der Wochenpredigt und unter dem Getöse des heutigen Markttages in deine helle stube! – Dein Vater, von dem du die ganze Nacht geträumt, hat sie voll musikalischen und malerischen Schiff und Geschirr gestellt, und du wirst den ganzen Morgen an ihn denken; – und doch schenkt dir der Erker noch mehr: den blick auf einen grünen Streif von Feldern und auf Maientals Anhöhen nach Abend – den ganzen Marktplatz – das Privat-Haus des Stadtseniors gegenüber, dem du in alle Stuben? die er an deinen Flamin vermietet, schauen kannst! – –
Flamin ist jetzt aber nicht darin; denn er hatte meinen Helden schon angefasst und mit meinen Worten angeredet: steh auf! Eine neue Lage ist eine Frühlingkur für unser Herz und nimmt das ängstliche Gefühl unserer Vergänglichkeit aus ihm; – und unter einem solchen heitern Himmel des Lebens tanzet heute mein Viktor mit allem – mit den Vormittaghoren – mit dem Regierungrate – mit dem Apoteker – durch die Apoteke hindurch neben dem Provisor vorbei, um oben auf dem schloss mit dem podagristischen Jenner einige Gänge zu machen.
– Er ist kaum eine halbe Stunde bei dem Fürsten gewesen, so sieht ihn Zeusel wieder in sein medizinisches Warenlager rennen.... "Ei ei!" denkt der Apoteker.
Aber es war ganz anders: Viktor gelangte durch ein Monturen-Verhau – denn die Gänge zu den Fürstenzimmern sind fast Zeltgassen, und die Regenten lassen sich so ängstlich umwachen, als besorgten sie, die ersten oder die letzten zu sein – ins Krankenzimmer. Vor einem Patienten, der in waagrechter Verfassung liegt, behält man die lotrechte leichter. Die Grossen verwechseln oft die wirkung ihrer Zimmer und Geräte mit ihrer eignen: – wenn sie der Gelehrte auf einem Rain, in einem wald, an einem Krautfelde überfallen könnte: er wüsste sich zu benehmen. Aber Viktor war selber in gestickten und mit goldnen Eckenbeschlägen versehenen Zimmern erzogen. Da er den Freund seines Vaters in Schmerzen und mit eingepackten Beinen fand: so vertauschte er seine britische Unbefangenheit gegen die medizinische und fing, anstatt stolze fürstliche fragen zu erwarten, ärztliche vorzulegen an. Als des Doktors ärztliches Beichtsitzen zu Ende war: so legte er die Hand, anstatt auf den Kopf des Beichtkindes, auf die Bibel daneben und wollte schwören und liess es – bleiben, weil ihm etwas Besseres einfiel, und blätterte – das war ihm eingefallen – das Gichtbrüchigen-Evangelium in der Bibel auf und wies auf den Spruch: Steh auf, hebe dein Bette auf; "denn ans Podagra ist hier gar nicht zu denken", sagte er. Er tat ihm dar, seine ganze Krankheit sei Wind, figürlich und eigentlich gesprochen in den erschlafften Gefässen haus' er und schleiche sich wie die Jesuiten unter allen Gestalten in alle Glieder ein – selber sein Schmerz in der Wade sei solcher versetzter Menschen- oder Gedärm-Äter. Der Leibarzt Kuhlpepper ist mit seinem Irrtum über den Fürsten zu entschuldigen; denn jeder Arzt muss sich eine Universalkrankheit auslesen, wofür er alle andere ansieht, die er con amore behandelt, in der er, wie der Teolog in Adams Sünde oder der Philosoph in seinem Prinzip, den ganzen Rest ertappet – es stand also in dem freien Willen Kuhlpeppers, sich zur Stamm-Krankheit, die das Nest-Ei und die Mutterzwiebel der Patologie sein konnte, das Podagra – bei Männern, bei Weibern Flüsse – auszuklauben oder nicht. Da er es ausgeklaubt, so hat er auch suchen müssen, es bei Sr. Durchlaucht zu fixieren wie Pastell oder Quecksilber. – Jenner hatte – selber von seiner Kapelle – nie etwas Angenehmers gehöret als Viktors Behauptung, die ihn vom bisherigen Liegen, Medizinieren und Hungern loshalf. Viktor eilte in der Freude über die leichte Krankheit zum Rezeptieren davon, nachdem er an Trostes Statt behauptet hatte: "ein äterischer Leib sei noch mitzunehmen und diene der Seele zwar zu keinem himmlischen Grahams-, aber doch zu einem Luftbette, das sich selber mache. Nur die armen Weiberseelen lägen – wenn man ihre Körper recht betrachte – auf stechenden Strohsäcken, glatten Husarensatteln und scharfen Wurstschlitten, indes tonsurierte oder tätowierte Geister (Mönche und Wilde) sich mit so hübschen, von geschabtem Fischbein gepolsterten Leibern44 zudeckten."
– Fort lief er; und ich habe schon berichtet, dass der Apoteker nachher dachte: Ei, ei! – In der Apoteke sagte Viktor zum Provisor, an den er wie Salpeter anflog: "Herr Kollege, was denken Sie dazu, wenn wir bei Sr. Durchlaucht auf nichts kurierten als Wind? Sie sollen mir raten. Ich meines Ortes würde verordnen:
Pulv. Rhei orient.
Sem. Anisi Stellati
– Foeniculi
Cort. Aurant. immat.
Sal. Tart. aa dr. I.
Fol. Senn. Alexandr. sine Stipit. dr. II.
Sacchar. alb. Unc. Sem. –
Fallen Sie mir bei: so hab' ich weiter nichts zu sagen als: C. C. M. f. p. Subt. D. ad Scatulam, S. Blähungpulver, einen Teelöffel voll öfters zu nehmen bei gelegenheit."
Da ihn der Provisor ernstaft ansah: so sah er denselbigen noch ernstafter an; und die Arzenei wurde ohne geänderte Dosis bereitet. Als er fort war, sagte der Provisor zu seinen zwei stutzenden Pagen: "Ihr zwei dummen Epiglottes, er hat doch