Bildung entbehren, am Ende werde. Ich gesteh' aber, dass alle diese Versuche noch so lange unsicher und unvollkommen bleiben, als die Schulmeister sich nicht entalten können, diesen Probekindern irgendeinen Unterricht – und wär' es der kleinste – zu erteilen; und besser würde gefahren mit ganz stummen Schulleuten, wie es taubstumme Zöglinge gibt.
C siehe K
D
Dichter. Der Dichter wird, ob er gleich Leidenschaften malt, doch diese am besten in dem Alter treffen, wo seine kleiner sind, so wie Brennspiegel gerade in den Sommern, wo die Sonne am wenigsten brannte, am stärksten wirkten und in den heissen am wenigsten. Die Blumen der Poesie gleichen andern Blumen, die (nach Ingenhouss) im gedämpften benebelten Sonnenlicht am besten wachsen.
E
Empfindsamkeit. Sie gibt oft dem inneren Menschen, wie der, Schlagfuss dem äussern, grössere Empfindlichkeit und doch Lähmung.
F siehe Ph
G
Göttin. Wie die Römer ihre Monarchen lieber für Götter als für Herren erkannten, so wollen die Männer die Direktrice ihres Herzens lieber ihre Göttin als ihre Herrin nennen, weil es leichter ist anzubeten als zu gehorchen.
H
H-. Ich habe oft Leute, die zu leben hatten und zu leben wussten – welches nicht zweierlei ist –, erstlich um die besten und vornehmsten Weiber gaukeln und aus dem Honigkelch ihrer Herzen saugen, und zweitens hab' ich sie an demselben Tage die Flügel zusammenschlagen und auf eine jämmerliche Tröpfin niederschiessen sehen' damit die Tröpfin ihre Erben – erbe. Nie aber hab' ich diese Schmetterlinge mit etwas anderem verglichen als mit Schmetterlingen, die den ganzen Tag Blumen besuchen und benaschen, und doch ihre Eier auf einen schmutzigen Kohlstrunk laichen.
H
Holbeins Bein. Ich will lieber das H noch einmal nehmen als das I, weil unter der Rubrik des I's die Invaliden kämen, von denen ich behaupten wollen: dass ihnen, da Leute, denen man Glieder abgenommen, vollblütig werden, desto weniger Brot gereichet werden dürfe, je mehr ihnen Glieder weggeschossen oder weggeschnitten worden, und dass man dieses die Physiologie und Diätetik der Kriegskasse nenne. – Aber mich haben die halben armen Teufel zu sehr gedauert.
Die Beine Holbeins machen grösseren Spass als abgenommene. Der Maler strich nämlich in Basel nichts an als Basel selber; und der nämliche Umstand, der sein Genie in diese architektonische Färberei hineinzwang, nötigte es auch, dass es oft darin Raststunden hielt – er soff nämlich entsetzlich. Ein Bauherr, dessen Name in der geschichte fehlt, trat oft in die Haustüre und zankte zum Gerüste hinauf, wenn die Beine des Hausfärbers, anstatt davon herunterzuhängen – denn mehr war vom Maler nicht zu sehen –, in der nächsten Weinkneipe standen und wankten. Schritt nachher Holbein damit über die Gasse daher: so kam ihm Hader entgegen und stieg mit ihm aufs Gerüste hinauf. Dieses brachte den Maler, der seine Studien (auch im Trinken) liebte, auf, und er nahm sich vor, den Bauherrn zu ändern. Da er nämlich das ganze Unglück seinen Beinen verdankte, deren Fruchtgehänge der Mann unter dem Gerüste sehen wollte: so entschloss er sich, eine zweite Auflage von seinen Beinen zu machen und sie an das Haus hängend zu malen, damit jener, wenn er unter der Haustüre hinaufschauete, auf den Gedanken käme, die zwei Beine und ihre Stiefeln malten droben fleissig fort. – Und auf diesen Gedanken kam der Bauherr auch; aber da er endlich bemerkte, dass das Vexierfusswerk den ganzen Tag an einer Stelle hange und sich nicht fortschiebe: so wollt' er nachsehen, was denn der Meister so lange an einer Partie bessere und retuschiere – und verfügte sich selber hinauf. Droben im Vakuum (Leerem) ersah er leicht, dass der Maler da aufhöre, wo Kniestücke anfangen, beim Knie, und dass der mangelnde Rumpf wieder saufe in einem Alibi.
Ich verdenk' es dem Bauherrn nicht, dass er auf dem Gerüste keine Moral aus dem Fusswerk zog: er war zu erbost.
Ich wollte noch eine geschichte von den FürstenPorträts anstossen, die hinter den Präsidenten in den Sessionzimmern statt der Urbilder zum Stimmen dahangen – aber ich störe den Zusammenhang; auch war sonst hier das Ende des ersten Heftleins.
17. Hundposttag
Die Kur – das Schloss des Fürsten – Viktors Visiten –
Joachime – Kupferstich des Hofs – Prügel
Ich sagte in Breslau: "Ich wollt', ich wäre der Fetspopel!" da ich gerade das Porträt dieser person verzehrte. Der Fetspopel ist eine Närrin, deren Gesicht den breslauischen Pfefferkuchen aufgepresset ist. Ich sage folgendes nicht bloss meinetwegen, um etwa bloss mich auf eine solche Pfefferkuchen-Paste zu bringen, sondern auch anderer Gelehrten wegen, die Deutschland ebensowenig mit Denkmälern ehrt, z.B. Lessing, Leibniz. Da es einem in den deutschen Kreisen so sauer wird, bis man nur eine halbe Rute Steine zum Grabmal eines Lessings oder sonstigen Grossen zusammenbringt – das, was von Steinen gute Rezensenten auf einen Literatus schon bei Lebzeiten werfen, wie die Alten auf Gräber, ist noch das meiste –: so erklärt' ich mich frei auf dem breslauischen Markt, eh' ich noch den Fetspopel angebissen: "Entweder hier auf diesem Pfefferkuchen ist der Tempel des Ruhms und das Bette der Ehren für deutsche Schriftsteller, oder es gibt gar keinen Ruhm. Wann ist es Zeit, sobald es nicht jetzt ist, es von den Deutschen zu erwarten, dass sie die Gesichter ihrer grössten Männer nehmen und bossieren in Esswaren,