1795_Jean_Paul_049_69.txt

Herzalkoveden Herzbeutel hab' ich gar nicht berührtbloss darum hineingebauet haben, dass eine Mannseele diese vier Zimmer mutterseelenallein miete, wie eine weibliche die vier Gehirnkammern des Kopf-Frauengemachs bewohnt? Ganz unmöglich! und sie tuns auch nicht: sondern aber wer übermässigen Witz scheuet, gehe mir jetzt aus den Füssenin die zwei Flügel dieser Rotunda und in die Seitengebäude wird hineingelagert, was hineingeht, d.h. mehr als herausgeht wie in einem Zoll- oder Taubenhause gehts aus und einman kann nicht zählen, wenn man zusiehtes ist ein schöner Tempel, der Durchganggerechtigkeit hat. – Solche kehren sich an die wenigen gar nicht, die sich einschränken und die Hauptloge des Herzens nur einem einzigen Liebhaber geben und bloss die zwei Seitenlogen tausend Freunden."

Gleichwohl konnte' es Jean Paules mochte immerhin Platz genug übrig seinnie so weit treiben, dass er nur in die zwei Koloniekörbe, nämlich in die Herzohren hineingekommen wäre, welches doch das Allerwenigste ist. Weil sein Gesicht zu mager aussieht, die Farbe zu gelb, der Kopf viel voller als die tasche und sein Einkommen das einer Titular-Berghauptmannschaft ist: so quartieren sie den guten Schelm bloss am kältesten Orte ganz oben unter den Kopf-Mansarden ein, nicht weit von den Haarnadeln und da sitzt er noch jetzunder und scherzet (schreibend) sein eilftes Kapitel hinaus....

12. Hundposttag

Polar-Phantasiendie seltsame Insel der

Vereinigungnoch ein Stück aus der

Vor-geschichteder Stettinerapfel als

Geschlechtwappen

Wir leben jetzt im finstern Mittelalter dieser Lebensbeschreibung und lesen dem aufgeklärten achtzehnten Jahrhundert oder Hundtag entgegen. Allein schon in diesem zwölften fliegen, wie in der Nacht vor einem schönen Tag, grosse Funken. Mich frappiert dieser Hundtag noch immer. "Spitz," sagt' ich, "friss mir weg, was du willst, und kläre nur die Welt auf."

Sebastian eilte am Sonnabend mit lustiger Seele unter einem überwölkten Himmel auf die Insel der Vereinigung zu. Er konnte da anlangen, wenn er sich nicht aufhielt, ehe das Gewölk eingesogen war. Unter einem blauen Himmel führte er, wie Schikaneder, die Trauerspiele, unter einem aschgrauen aber die Lustspiele seines inneren auf. wenn es regnete, lacht' er gar. Rousseau bauete in seinem kopf eine empfindsame Bühne, weil er weder aus der Kulisse noch in eine Loge des wirklichen Lebens gehen wollte Viktor aber besoldete zwischen den Beinwänden seines Kopfes ein komisches Teater der Deutschen, bloss um die wirklichen Menschen nicht auszulachen: seine Laune war so ideal wie die Tugend und Empfindsamkeit andrer Leute. In dieser Laune hielt er (wie ein Bauchredner) lauter innerliche Reden an alle Potentatener stellte sich auf die Ritterbank mit Kirchenvisitationsredenauf die Städtebank mit Leichenredenauf dem päpstlichen Stuhl hielt er an die Jungfer Europa und kirchliche Braut Strohkranzredendie Potentaten mussten ihm alle wieder antworten, aber man kann denken wie, da er, gleich einem Minister, ihnen aus seinem Kopf-Souffleurloch alles in den Mund legteund dann ging er doch fort und lachte jeden aus.

Mandeville sagt in seinen Reisen, am Nordpol gefriere im Winterhalbjahr jedes Wort, aber im Sommerhalbjahre tau' es wieder auf und werde gehört. Diese Nachricht malte sich Viktor auf dem Wege nach der Insel aus; wir wollen unsere Ohren an seinen Kopf legen und dem inneren Gesumse zuhorchen.

"Ich und Mandeville sind gar nicht verbunden, es zu erklären, warum am Nordpol die Worte so gut wie Speichel unter dem Fallen zu Eis werden, gleich dem Quecksilber allda; aber verbunden sind wir, aus dem Vorfalle zu folgern. Wenn ein lachender Erbe da seinem Testator lange Jahre wünscht: so hört der gute Mann den Wunsch nicht eher als im nächsten Frühjahr, das ihn schon kann totgeschlagen haben. – Die besten Weihnachtpredigten erbauen nicht früher gute Seelen als im Heumonat. – Vergeblich stattet der Polarhof seine Neujahrwünsche vor Serenissimo ab; er hört sie nicht, als bis es warm wird, und dann ist schon die Hälfte fehlgeschlagen. Man sollte aber einen Zirkulierofen als Sprachrohr in das Vorzimmer setzen, damit man in der Wärme die Hof-Sprecher hören könnte. – Ein Bruder Redner wäre dort ohne einen Ofenheizer ein geschlagner Mann. – Der Pharospieler tut zwar am Tomastag seine Flüche; aber am Johannistag, wo er schon wieder gewonnen, fahren sie erst herum; und aus den Winterkonzerten könnte man Sommerkonzerte machen ohne alle Instrumente: man setzte sich nur in den Saal. – Woher kommts anders, dass die Polar-Kriege oft halbe Jahre vor der Kriegerklärung geführt werden, als daher, dass die schon im Winter erlassene Erklärung erst bei gutem Wetter laut wird? – Und so kann man von den Winterfeldzügen der Polar-Armeen nicht eher etwas hören als unter den Sommerfeldzügen. – Ich meines Orts möchte nur auf den Winter nach dem Pole reisen, bloss um da den Leuten, besonders dem Hofstaat, wahre Injurien ins Gesicht zu sagen; wenn er sie endlich vernähme, sässe der Injuriant schon wieder in Flachsenfingen. – Die Winterlustbarkeiten sind gar nicht schuld, wenn die nördliche Regierung eine Menge der wichtigsten Dinge nicht vorträgt und entscheidet: sondern erst unter den Kanikularferien ist das Abstimmen zu hören; und da können auch die Bescheide der kammer auf Gnaden- und Holzsachen zur Sprache kommen. – Aber, o ihr Heiligen, wenn ich am Polindes die Sonne im Steinbock wäre und mein Herz im