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die dreifaltigen Zeiger machten doch nur eine Stunde. – Lind tauschte.

Viktor konnte weder der Spötter noch der Bunklische Reformator einer solchen irrenden Seele sein, und seine sympatetische Laune ist nichts als ein zweifelnder Seufzer über das menschliche Gehirn, das 70 Normaljahre hat, und über das Leben, das ein Glaubens-Interim ist, und über die teologischen Doktorringe, die solche Dreifaltigkeitsringe sind, und über die teologischen Hör- und Sprechsäle, worin solche Sekunden-Uhren zeigen und schlagen.

Endlich geht er aus Kussewitz um 6 Uhr morgens. Eine sehr schöne Tochter des Grafen von O kam erst um 7 Uhr zurück: das ist unser aller Glück, er sässe sonst noch da.

Der Hundposttag ist aus. Ich weiss nicht, soll ich ein Extrablatt machen oder nicht. Der Schalttag ist an der tür; ich wills also bleiben lassen und nur ein Pseudo-Extrablatt hersetzen, welches sich bekanntlich von einem kanonischen ganz dadurch unterscheidet, dass ichs im apokryphischen durch keine Überschrift merken lasse, sondern nur unter der Hand von der geschichte wegkomme zu lauter Fremdsachen.

Ich nehme meinen historischen Faden wieder auf und befrage den Leser: was hält er von Sebastians Weiber-Liebhaberei? Und wie erklärt er sich sie? – Wahrhaft philosophisch versetzt er: "Aus Klotilden: sie hat ihn durch ihr Magnetisieren mit der ganzen Weiber-Welt in Rapport gesetzt; sie hat an diesen Bienenschwarm geklopft, nun ist kein Ruhen mehr. – Ein Mann kann 26 Jahre kalt und seufzerlos in seinem Bücherstaube sitzen; hat er aber den Äter der Liebe einmal geatmet: so ist das eirunde Loch des Herzens auf immer zu, und er muss heraus in die Himmelluft und beständig nach ihr schnappen, wie ich in den künftigen Hundposttagen sicherlich sehe." Einen närrischen philosophischen Stil hat sich der Leser angewöhnt; aber es ist wahr; daher ein Mädchen nie so begierig für ihr Teater den zweiten Liebhaber wirbt als nach dem Hintritt des ersten und nach den Schwüren, ihr Werbepatent wegzuwerfen.

Wie konnte aber der Leser auf noch wichtigere Ursachen29 nicht fallen, 1) auf die Gesamtliebe und 2) auf Viktors Muttermäler?

1) Die Gesamt- oder Zugleichliebe ist zu wenig bekannt. Es ist noch keine Beschreibung davon da als meine: in unsern Tagen sind nämlich die Lesekabinette, die Tanzsäle, die Konzertsäle, die Weinberge, die Kaffee- und Teetische, diese sind die Treibhäuser unsers Herzens und die Drahtmühlen unserer Nerven, jenes wird zu gross, diese zu feinwenn nun in diesen ehelustigen und ehelosen zeiten ein Jüngling, der noch auf seine Messiasin wie ein Jude passet und der noch ohne den höchsten Gegenstand des Herzens ist, von ungefähr mit einer Tanz-Hälfte, mit einer Klubistin oder Associée oder Amtschwester oder sonstigen Mitarbeiterin hundert Seiten in den Wahlverwandtschaften oder in den Hundposttagen liesetoder mit ihr über den Kleebau oder Seidenbau oder über Kants Prolegomena drei bis vier Briefe wechseltoder ihr fünfmal den Puder mit dem Pudermesser von der Stirne kehrtoder neben und mit ihr betäubende Säbelbohnen anbindetoder gar in der Geisterstunde (die ebensooft zur Schäferstunde wird) über den ersten Grundsatz in der Moral uneins wird: so ist soviel gewiss, dass der besagte Jüngling (wenn anders Feinheit, Gefühl und Besonnenheit einander die Waage in ihm halten) ein wenig toll tun und für die besagte Mitarbeiterin (wenn sie anders nicht mit Höckern des Kopfes oder Herzens an seine Fühlfäden stösset) etwas empfinden muss, das zu warm ist für die Freundschaft und zu unreif für die Liebe, das an jene grenzt, weil es mehre Gegenstände einschliesst, und an diese, weil es an dieser stirbt. Und das ist ja eben nichts anders als meine Gesamt- oder Zugleichliebe, die ich sonst Simultan- und Tuttiliebe genannt. Beispiele sind verhasst: sonst zög' ich meines an. Diese Universalliebe ist ein ungegliederter Faustandschuh, in den, weil keine Verschläge die vier Finger trennen, jede Hand leichtlich hineinfährtin die Partialliebe oder in den Fingerhandschuh drängt sich nur eine einzige Hand. Da ich zuerst diese Sache und Insel entdeckt habe: so kann ich ihr den Namen schenken, womit sie andre nennen und rufen müssen. Man soll sie künftighin die Samm- oder Zugleichliebe benamsen, ob ich sie gleich auch, wenn ich und Kolbe wollten, die Präludierliebedie Maskopei-Zärtlichkeitdie General-Wärmedie Einkindschafttreue nennen lassen könnte.

Den Teologen und ihrer Kannengiesserei von den Endabsichten zu Gefallen werf' ich noch diesen festen Grundsatz her: ich möchte den sehen, ders ohne die Sammliebe in unsern zeiten, wo die einspännige Liebe durch die Foderungen eines grösseren metallischen und moralischen Eingebrachten seltner wird, drei Jahre aushielte.

2) Die zweite Ursache von Viktors Weiber-Liebhaberei war sein Muttermal, d.h. eine Ähnlichkeit mit seiner und jeder Mutter. Er behauptete ohnehin, seine Ideen hätten gerade den Schritt, d.h. den Sprung der weiblichen, und er hätte überhaupt recht viel von einer Frau; wenigstens gleichen die Weiber ihm darin, dass ihre Liebe durch Sprechen und Umgang entsteht. Ihre Liebe hat sicher noch viel öfter mit Hass und Kälte angefangen als aufgehört. Aus einem aufgedrungenen verhassten Bräutigam wird oft ein geliebter Ehemann. "Ich will," – sagte er im Hannöverischen – "wenn nicht in ihr Herz, doch in ihre Herzohren. Sollte denn die natur in die weibliche Brust zwei so weite Herzkammernman kann sich darin umkehrenund zwei so nette