1795_Jean_Paul_049_67.txt

montre à regulateur27, die sie nachzubringen ersuchte.

Er überbrachte ihr die Uhr eigenhändig; aber leider ebenso eigenhändigder Leser erschrickt; aber anfangs erschrak er selber und dachte doch den Einfall so oft, bis er ihn genehmigtehatte' er vorher über den Imperator der Uhr ein zartes Streifchen Papier gepicht, worauf er eigenhändig mit Perlenschrift geschrieben: Rome cacha le nom de son dieu et elle eut tort; moi je cache celui de ma déesse et j'ai raison28.

"Ich kenne die Leute schon," dachte' er, "sie machen und ziehen in ihrem Leben keine Uhr auf!" Ei, Sebastian, was wird mein Leser denken oder deine Leserin?

Sie reisete noch abends in ihr erheiratetes Land, das künftige Hackbrett ihres Zepters. Unserem Viktor war beinahe, als hätt' er ihr ein andres Herz als das metallene mit dem Zettel mitgegeben, und er freuete sich auf den Flachsenfinger Hof. Vor ihr lief ihr nachgedruckter Bräutigam oder seine Sänfte, aus der er ausstieg an die Wand des Schlafzimmers. Da er ihr Gott war, so kann ich ihn oder sein Bild mit den Bildern der alten Götter vergleichen, die auf einem eignen vis-à-vistensa genanntherumgefahren, oder in einer Porträtbüchseναος genanntoder in einem Bauerκαδισκον genanntherumgetragen wurden.

Darauf ging Viktor mit seinem Handelskonsul hinter den Kulissen des Benefizteaters herum. Er schnürte die seidne Demarkationlinie und Sperrkette abzog sie in die Höhe wie ein ekles Haarbefühlte siehielt sie erst weit vom Augedann nahe an dieseszerrte sie auseinander, eh' er sagte: "Die Kraft stecke, wo sie willes mag nun eine seidne Schnur politische Körper so gut wie elektrische isolierenoder es mag mit Fürsten wie mit Hühnern sein, die keinen Schritt weiter setzen, wenn man Kreide nimmt und damit von ihrem Schnabel herab eine gerade Linie auf den Boden hinführtsoviel seht Ihr doch, Associé: wenn ein Alexander die Grenzsteine der Länder verrücken wollte, so wäre ein solcher Strang dagegen das beste ins Enge gezogne Naturrecht und eine dergleichen Barriereallianz." Er ging in ihr Schlafzimmer zum ausgeleerten heiligen grab, d.h. zum Bette der auferstandnen Braut, in welches der an der Wand vor Anker liegende Sponsus von seinem Nagel sehen konnte. Ganze Divisionen von Einfällen marschierten stumm durch seinen Kopf, den er damit an ein seidnes Kopfkissenso gross wie ein Hundeoder ein Seitenkissen eines Wagensmit der Wange andrückte. So anliegend und kniend sprach er es halb in die Federn (nicht in die Feder) hinein: "Ich wollt', auf dem andern Kissen läg' auch ein Gesicht und säh' in meinesdu lieber Himmel! zwei Menschengesichter einander gegenübersich einander in die Augen ziehendeinander die Seufzer belauschendvon einander die weichen durchsichtigen Worte wegatmenddas ständen ich und Ihr gar nicht aus, Associé!" – Er sprang auf, patschte sein Hasenlager leise wieder platt und sagte: "Bette dich weich um das schwere Haupt, das auf dich sinkt; erdrücke seine Träume nicht; verrate seine Tränen nicht!" – Wäre sogar der Graf von O mit seiner feinen ironischen Miene dazugekommen: er hätte nichts darnach gefragt. Es ist ein Unglück für uns Deutsche, dass wir alleinindes dem Engländer sogar vom Weltmann seine Hasen-, Bock- und Luftsprünge für zierliche Rück-, Vor- und Hauptpas angerechnet werdengar nicht ernstaft und gesetzt genug einherschreiten können.

Er lief abends wieder in den Hafen seines Zeidlers ein; und sein schwankendes Herz warf auf die stille blühende natur um ihn die Anker aus. Der alte Mann hatte unterdes alle seine alten Papiere, Tauf-, Trauscheine und Manualakten vom Nürnberger Zeidlergericht etc., zusammengefahren und sagte: "Les' Er!" – Er wollt' es selber wieder hören. Er zeigte auch seinen "Dreifaltigkeitsring" aus Nürnberg, auf welchem stand:

Hier dieser Ring der weist,

Wie drei in Einem heisst

Gott Vater, Sohn und Geist.

Der Bienenvater machte weiter kein Geheimnis daraus, dass er vorher, als er diesen Ring sich noch nicht in Nürnberg an einem Gerichttage angeschafft hatte, die Dreifaltigkeit nicht glauben können: "jetzt aber müsst' einer ein Vieh sein, wenn er es nicht begriffe." – Am Morgen vor der Abreise war Viktor in der doppelten Verlegenheit: er wollte gern ein Geschenk habenzweitens eines machen. Was er haben wollte, war eine plumpe Stundenuhrbei einer Ausspielung für ein Los à 20 kr. gewonnen –; dieses Werk, dessen dicke Zeigerstange den Lebensfaden des Greises auf dem schmutzigen Zifferblatte in lauter bunten frohen Bienen-Stunden weggemessen hatte, sollte eine Lorenzo-Dose für ihn sein, ein Amulett, ein IgnatiusBlech gegen Saulische Stunden. "Ein Handwerker", sagt' er, "braucht wahrlich nur wenig Sonne, um zufrieden und warm durchs Leben zu gehen; aber wir mit unsrer Phantasie sind oft in der Sonnenseite so schlimm daran als in der Wetterseiteder Mensch steht fester auf Dreck als auf Äter und Morgenrot." Er wollte dem glücklichen Lebens-Veteranen als Kaufschilling für die Stundenuhr und als Preismedaille für das Quartier seine Sekundenuhr aufdringen. Lind hatte das Herz nicht, wurde' aber rot. Endlich stellte ihm Viktor vor, die Sekundenuhr sei eine gute Leuchtkugel zum Dreifaltigkeitsringe, ein Tesesbild dieses Glaubenartikels, denn