gesehen – ausser die ganze Nacht in jedem Traum – und konnte alles kaum erwarten...
Und der Leser auch: schneuzt er nicht jetzt Licht und Nase – füllt Pfeife und Glas – ändert die Stellung, wenn er auf einem sogenannten Lese-Esel reitet – drückt das Buch glatt auseinander und sagt mit ungemeinem Vergnügen: "Auf die Beschreibung spitz' ich mich gewissermassen"? – Ich wahrlich nicht; mir ist, als sollt' ich arkebusiert werden. Wahrhaftig! ein Infanterist, der mitten im Winter Sturm läuft gegen eine feindliche Mauer vom dicksten Papier in einer Oper, hat seinen Himmel auf der Erde, mit einem Berghauptmann meines Gelichters verglichen.
Denn einer, der Kaffee trinkt und eine Beschreibung von irgendeinem Schulaktus des Hofs machen will – z.B. von einem Courtag – von einer Vermählung (im grund von den Vorerinnerungen dazu) – von einer Übergabe –, ein solcher Trinker macht sich anheischig, Auftritte, deren Würde so äusserst fein und flüchtig ist, dass der geringste falsche Nebenzug und Halbschatten sie völlig lächerlich macht – daher auch Zuschauer wegen solcher dazugedachter Nebenstriche über sie in natura lachen – er macht sich anheischig, sag' ich, solche ans Komische grenzende Aufzüge so wiederzugeben, dass der Leser die Würde merkt und so wenig dabei lachen kann, als spielte er selber mit. Es ist wahr, ich darf ein wenig auf mich bauen, oder vielmehr darauf bauen, dass ich selber an Höfen gewesen und den angeblichen Klaviermeister gemacht (ob dieser eine Maske höherer Würden war oder nicht, lass' ich hier unentschieden); man sollte also von einem Vorzug, der mir fast vor der ganzen schreibenden Hanse zuteil geworden, und dem ich wirklich mein (von einigen) in der Hof-Scientia media entdecktes Übergewicht über die schriftstellerische so niedrige Schiffmannschaft gern verdanke, davon sollte man sich fast ausserordentliche Dinge versprechen. – Man wird aber schlimm abfahren; denn ich war nicht einmal imstande, meinem Zögling Gustav den Krön-Prozess in Frankfurt so ernstaft vorzutragen, dass dieser aufhörte zu – lachen. So wusste auch Yorick niemals so zu schelten, dass seine Leute davonliefen, sondern sie mussten es für Spass halten.
Mein Unglück wär's gewesen, wenn ich die Übergabe der Prinzessin – anfangs dachte' ich freilich, es wäre dann mehr Würde darin – unter dem Bilde einer mit einem Türspan besiegelten Haus-Übergabe an Gläubiger abgeschildert hätte, oder wie eine Übergabe eines Feudums durch investitura per zonam – oder per annulum – oder per baculum secularem24. – – Ich bin aber zum Glück darauf gekommen, die Übergabe unter der poetischen Einkleidung einer historischen Benefizkomödie mit derjenigen Würde abzumalen, die Teater geben. Ich habe dazu soviel und mehr Einheit des Orts – (drei Zimmer) –, der Zeit – (den Vormittag) und des Interesse – (den ganzen Spass) – in Händen, als ich brauche. Und wenn ein Autor noch dazu – das tu' ich – vorher die betrübtesten ernsten Werke durchlieset, Youngs Nachtgedanken – die akatolischen gravamina der Luteraner – den dritten Band von Siegwart – seine eignen Liebebriefe; ferner wenn er sichs noch immer nicht getrauet, sondern gar vorher Homes und Beatties treffliche Beobachtungen über die Quellen des Komischen vor sich legt und durchgeht, um sogleich zu wissen, welchen komischen Quellen er auszuweichen habe: so kann ein solcher Autor schon ohne Besorgnis der Prahlerei seinen Lesern die Hoffnung machen und erfüllen, dass er, des Komischen sich so komisch er wehrend, vielleicht nicht ohne alle Züge des Erhabnen liefern und malen werde folgende
historische Benefizkomödie von der Übergabe der
Prinzessin, in fünf Akten
(Das halbe Wort Benefiz bedeutet bloss den Nutzen, den ich selber davon habe.)
Erster Akt. Unter drei Zimmern ist das mittlere der Schauplatz, wo man spielt, der Handelsplatz, wo man auslegt, der Korrelationsaal (regensburgisch zu reden), wo alles Wichtige zeitigt und reift – hingegen in dem ersten Nachbar-Zimmer steckt der italienische, im zweiten der flachsenfingische Hofstaat, und jeder erwartet ruhig den Anfang einer Rolle, für die ihn die natur geschaffen. Diese zwei Zimmer halt' ich nur für die Sakristeien des grössten.
Das Mittelzimmer, d.h. sein Vorhang, der aus zwei Flügeltüren gemacht ist, geht endlich auf und zeigt dem Associé Sebastian, der aus seinem Laden neben der katarrhalischen Firma hereinguckt, viel. Es tritt auf an der tür der Kulisse No. 1 ein rotsamtner Stuhl; an der tür der Kulisse No. 2 wieder einer, ein Bruder und Anverwandter von jenem; es sind diese Duplikate die Sessel, worin sich die Prinzessin setzt im Verfolge der Handlung, nicht weil die Müdigkeit, sondern weil ihr Stand es ausdrücklich begehrt. Mitten im Handeln ist schon ein langer befranster Tisch begriffen, der das Mittelzimmer, das selber ein Abteilzeichen der zwei Kulissen ist, abteilt in zwei Hälften. Man sollte nicht erwarten, dass dieser Sektiontisch sich seines Orts wieder von etwas werde halbieren lassen, was ein Dummer kaum sieht. Aber ein Mensch trete in Viktors Laden: so wird er einer Seidenschnur ansichtig, die, unter dem Spiegeltisch anfangend, über den Achatboden und unter dem Partage-Tisch wegstreichend, aufhört vorn an der Türschwelle; und so teilt ein blosser Seidenstrang leicht den Abteiltisch und dadurch das Abteilzimmer und am Ende die Abteilschauspielergesellschaft in zwei der gleichsten Hälften – lasset uns daraus lernen, dass am hof alles tranchiert wird, und selber der Prosektor wird zu seiner Zeit hingestreckt auf