, in Brautbetten (bei der Vermählung durch Gesandte), dächten, es gäbe in der Sache einen treuern und unschuldigern Prinzipalkommissarius als eine Elle Leinwand, worauf sie selber hingefärbt sind.".. Da wir gerade in Menge spielten und ich eben König war und im Feuer so fortfuhr: "Was Teufel! wir Könige wissen die in der Tugend und in der Ehe bildenden Künste gescheit genug durch die zeichnenden zu ersetzen; und nicht bloss im Billard steht ein König ganz müssig da mit seinem Zepter-Queue!" so sollte und konnte das Feuer wenig auffallen.
Ende des Extrablättchens über obige Bruststücke
Beim Grafen von O – so hiess im Siebenjährigen Kriege auch ein berühmter Offizier und bei Shakespeare die Erde; und das ganze Gebet einer alten Frau; und nach Bruce liebten die Hebräer diesen Vokal vorzüglich; das ist aber im grund hier unnütze Gelehrsamkeit- stieg die Prinzessin und der gemalte Eheherr ab. Viktor wollte sich mit seinem heutigen Anzug und seinem heutigen Herzen nicht in den Taumel der Welt mischen – und wäre doch gern bei allem gewesen.
Aus Kussewitz drängte sich ein rot und weisses kleines Häuschen hervor, so rot wie ein Eichhornbauer und so fröhlich wie ein Gartenhaus. Er trat hinan und an dessen widerscheinende Fenster – aber wieder davon zurück; er wollte ein altes Menschenpaar, für das die Glocke die Orgel gewesen, gar hinausbeten lassen. Als er mit seinem vom Widerschein der heutigen Verklärung erhöhten gesicht hineintrat: wandte ein alter Mann einen Silberkopf, der wie ein lichter Mond über dem Abend seines Lebens stand, mit lächelnden Runzeln gegen den Gast. Nur ein Heuchler – der Agioteur der Tugend – ist nach dem Beten nicht sanfter und gefälliger. Die alte Frau legte zuerst die Miene der Andacht ab. Viktor begehrte mit seiner siegenden Unbefangenheit – ein Nachtquartier. Es ihm bewilligen – das konnten nur so zufriedne Leute wie diese; es verlangen – das konnte nur einer, der so wie er die Wirte floh, weil ihre mit jedem Gast ankommende und abgehende eigensüchtige kalte Teilnahme und Liebe seiner warmen Seele zu sehr zuwider war. Zweitens zog ihn die Reinlichkeit an, die sogar der Schmutzfink in fremden Stuben liebt und die darin ein Beweis der Zufriedenheit und der – Kinderlosigkeit ist. Drittens wollt' er im Inkognito und aus dem Gassen-Gewühle heute mit seiner von der natur geweihten Seele bleiben.
Er wurde bald einheimisch; noch eh' das Essen abgewaschen und abgeblattet und fertig war, hatte' er es heraus oder vielmehr hinein, dass der sanfte Greis – Lind mit Namen – ein Zeidler sei. Letztes glaube' ich; denn sonst wär' er nicht so sanft, wie denn in den meisten Fällen die tierische Gesellschaft weniger verdirbt als menschliche: daher Plato die Langischen Kolloquia mit den Tieren als das Beste aus Saturns goldner Regierung angibt. Es ist nicht einerlei, ob man ein Hunde-, ein Löwen- oder ein Bienenwärter ist; denn unser Tiergarten im Unterleib – nach der platonischen Allegorie – bellt und blökt dem Unisono des äussern nach. – Als Viktor vollends mit dem Alten um das Haus und um die Bienenkörbe ging: so kam er wieder ins Tafelzimmer mit dem gesicht eines Menschen, der in der Kussewitzer Kirche schon einen Stuhl und im Kirchenbuch eine Blattseite behauptete; wusst' er nicht schon, dass der Bienenvater drei Pfarrer und fünf Amtmänner in Kussewitz zu grab begleitet – dass er die erste Hochzeit mit seiner Mutter (so hiess er die Frau) in dem Alter gemacht, in das sonst die Silberhochzeit fällt – dass sein Kopf noch das Gedächtnis und die Haare habe – dass er unter den Sargdeckel schwarze Augenbraunen zu bringen gedenke – dass er, Lind, ganz und gar nicht, wie etwa der alte Gobel und selber der Vogt Stenz, in der Kirche der Augen wegen die Stellung neben dem Kirchenfenster zu nehmen brauche, sondern seinen Vers überall lesen könne, und dass er jährlich nach Maiental in die Kirche einmal gehe und ein Kopfstück in den kirchlichen Billardsack stosse, weil der Kirchhof da alle seine Verwandten von väterlicher Seite bedecke?
O, diese Zufriedenheit mit den Abendwolken des Lebens erquickt den hypochondrischen Zuhörer und Zuschauer, dessen melancholischer Saitenbezug so leicht in eines alten Menschen Gegenwart gleich einem Todesanzeiger zu zittern anfängt; und ein feuriger Greis scheint uns ein unsterbliches, gegen die Todessense verhärtetes Wesen und ein in die zweite Welt wegweisender Arm! – Viktor besonders sah mit schweren Gedanken in einem alten Menschen eine organisierte Vergangenheit, gebückte verkörperte Jahre, den Gipsabdruck seiner eignen Mumie vor sich stehen. Jeder kindische, vergessliche, versteinerte Alte erinnerte ihn an die Eisenhammermeister, die in ihrem Alter wie die Menschenseele eine krebsgängige Beförderung erdulden und wegen ihrer gewöhnlichen Erblindung wieder Aufgiesser – dann Vorschmiede – dann Hüttenjungen werden. Der gute Newton, Linné, Swift wurden wieder Hüttenjungen der Gelehrsamkeit. Aber so sonderbar furchtsam ist der Mensch, dass er, der die Seele bei der grössten vorteilhaften Abhängigkeit von den Organen doch noch für einen Selbstlauter ansieht – und mit Recht –, gleichwohl bei einer nachteiligen besorgt, sie sei bloss der Mitlauter des Körpers und mit Unrecht – – –
Da ein Spaziergang um einen fremden Ort einem Reisenden die beste Naturalisationakte gibt – und da Viktor nirgends fähig war, ein Fremder zu sein: so ging er – ein wenig hinaus. In manchen Nächten wird es nicht Nacht. Er sah draussen – nicht weit von den Gartenstaketen des Seniors, nicht des adeligen, sondern des geistlichen – ein sehr schönes Mädchen sitzen, in ein lateinisches Pfingstprogramm