, wenn er vorher heiratete.
– jetzt schreitet die geschichte wieder von einem Tage auf den andern fort, gleichsam auf den Steinchen im Strome der Zeit.
So schön war also der Frühling vor ihm vorübergegangen mit Sabbatwochen, mit den Pfingsttagen, mit weissen Blüten, die dem Lenze allmählich wie Schmetterlingflügel ausfielen; – Viktor hatte den Besuch Le Bauts verschoben, weil er dachte: "Ich muss ohnhin bald genug vom weichen Schosse der natur herunter und auf das Hof-Drahtgestell hinauf und auf den Objektenträger (Tron) des Hof-Mikroskops"; – er hatte sich zwar täglich zugeredet, bald, noch vor Klotildens Ankunft, hinzugehen, um auf seine Absichten keinen Verdacht zu laden, aber immer vergeblich – – als plötzlich (denn tages vorher war der 13te Jun.) der 14te erschien und mit ihm Klotildens Gepäck ohne sie. Nun passierte er (wie die offiziellen Hundberichte entalten) wirklich am 15ten den Bach von St. Lüne und ging über die Alpen der kammerherrlichen Treppen und schlug auf Le Bauts Kanapee sein Cäsars-Lager auf. Er wusste, dass heute niemand da war, nicht einmal Matz.
"Der Himmel erhalt' uns" (sagt' er) "die Höflichkeit gesund; es wäre ohne sie nicht nur unter keinen Spitzbuben auszuhalten, sondern sie gibt auch Minutensteuer von Freuden, indes die Wohltätigkeit nur Quartalsteuer und Kammerzieler und Karitativsubsidien zahlt." Herr und Frau Le Baut waren so höflich als nie (ich schwöre darauf, sie hatten etwas von Viktors Hof-Doktorhut und Doktorkrone ausgewittert); nur wussten sie nicht, was für ein Mundstück auf ein so närrisch gewundnes Instrument, wie Viktor war, aufzuschrauben sei. Wie alle Studierstuben-Schaltiere sprach er lieber von Sachen als Personen; Flamin aber umgekehrt. Für das Ehepaar gabs in keiner Messiade etwas Erhabeners, als dass jetzt am Johannistage die italienische Prinzessin kommen würde; davon konnte kein Sterblicher genug reden, zumal auf dem dorf. Ich weiss nicht, worin es Viktor versah, dass er die meisten Weiber auf die Meinung brachte, er liebe sie. Genug, die Kammerherrin, die in ihren Jahren nicht mehr Liebe, sondern den Schein der Liebe foderte, dachte: "Vielleicht!" Man verkenne sie nicht: sie brachte zwar allemal die erste Stunde mit einem mann auf der Sternwarte der Beobachtung zu; aber die zweite nur dann im Jagdschirm, wenn die erste glücklich gewesen, und sie war kalt genug, um nicht mehr zu hoffen als zu sehen; sie verspottete sogar jeden, der bei ihr noch einer weiblichen Eitelkeit, Eroberungen zu leicht vorauszusetzen, anders schmeicheln wollte als öffentlich. Genug, sie beurteilte heute unsern Viktor zu günstig – in ihrem Sinn oder zu ungünstig – in unserem; wie überhaupt die blossen Hofleute nur blosse Hofleute erraten. – Von Klotilde sprach man kein Wort, nicht einmal von der Zeit ihrer Zurückkehr.
Überhaupt hatte die Le Baut einen ungeheuren Stolz in sich gegen ihre Stieftochter zu bestreiten, von dem mir mein Korrespondent hätte melden sollen, worauf er sich steifte, ob auf Verhältnisse oder auf Verdienste; denn beides war reichlich da, indem die Kammerherrin von des jetzigen Fürsten seligem Herrn Vater die H – gewesen. – Ich und ein gescheiter Mann habens hin und her überlegt, ob sie dem Cäsar in der Liebe oder im Ehrgeiz gleiche. Der gescheite Mann sagt. "In der Liebe", weil eine Frau die Liebe nie vergesse, wenn ein Fürst ihr Lehrer darin gewesen. Des sel. Herrn Vaters Herz hatte besonders zwei Schönheiten an ihr angebetet, die vor zeiten von den Schotten17 so gern gefressen wurden, nämlich den Busen und den Steiss. Die Grossen haben ihre eignen grossièretés, die den Kleinen nicht träumen. Ich würde' es nicht drucken lassen, aber es war am ganzen hof bekannt, und also auch vielen meiner Leser. Da führte der Teufel die Zeit her, die ihre Sense hämmerte und alles wegmähte, was von beiden Reizen Überhang in ihr Gebiet gewesen. Nun hält bei Weibern an Höfen – es sei in einem Schulhof, Packhof oder Viehhof – die Eitelkeit, sobald der alte Saturn (d.h. die Zeit) diese mit seinem Sichelwagen und mit dem kleinen Geschütz aus seiner Sanduhr anfällt, einen der gescheitsten Rückzüge, die ich kenne – die Eitelkeit lässt sich aus einem Werke oder Gliede nach dem andern treiben – endlich aber wirft sie sich aus den weichen Teilen in die festen wie in feste Plätze, z.B. in Fingernägel, Stirne, Füsse u.s.w., und da zieht sie der Henker selber nicht heraus. Die Kammerherrin musste sich einen solchen festen teil erst machen, nämlich eine gorge de Paris und einen cul de Paris: diese vier Grenzhügel ihres Reichs mussten täglich gegen die Grenzverrückung der Jahre aus achtung für das Eigentum hergestellt und erhöhet werden. Daraus schliesset nun der gescheite Mann, dass ihre Seele ihrem Körper immer Kaperbriefe schreibe.
Ich bin gerade der Gegenfüssler vom gescheiten Mann und verfechte, dass der Amor nur ihr frère servant, nicht ihr Logenmeister – ihr Adjutant, nicht ihr Generalissimus ist; – und dies darum, weil sie noch immer an der Wiederherstellung ihres ersten salomonischen Tempels, wo sie sonst am hof als Göttin neben dem Gott angebetet wurde, ihre eigne oder Le Bauts Hand anlegt – weil sie in diesem nichts heiratete als den Kammerherrnschlüssel und seine Assembleen und seine Hoffnungen des künftigen Einflusses – weil sie an Klotilden nicht das Gesicht, sondern