1795_Jean_Paul_049_35.txt

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Eh ich sage, dass Klotilde kam, will ich sie, da sie acht Quartiere hatwiewohl mancher Magnat, der sechzehn adlige Quartiere hat, doch noch ein siebzehntes gemauertes sucht, wo er schläft –, ein wenig entschuldigen, dass sie in ein bürgerliches ging; es kommt ihr aber in der Tat nichts zustatten, als dass sie auf dem land war, wo oft das älteste Blut keinen bessern Umgang habhaft wird als bürgerlichen, wenn es nicht etwa Vieh ist, das auch einige nicht unkluge Kavaliere wirklich vorziehen....

Es schlägt fünf Uhrdie Schönste tritt hereinder Mond hängt wie ein weisses Blütenblatt aus dem Himmel auf sie herabdas freudige schuldlose Blut in St. Lüne steigt wie die Flut unter ihm aufalles ist umgekleidet....

Aber das sechste Kapitel ist aus....

Und da der Spitz mit dem siebenten noch nicht da ist: so können ich und der Leser ein vernünftiges Wort miteinander reden. Ich gestehe, er schätzt mich und mein Tun lange, er sieht ein, alles ist im schönsten biographischen Gange, der Hund, meine Wenigkeit und die Helden dieser Hundtage. – Ich habe auch nie abgeleugnet, dass er immer mehr von dem Glanz und Blitze dieser Fussgeburt werde geblendet werden; da ich so sehr daran wichse, reibe und bohne, mehr als an einem Menschenstiefel oder militärischen Rosshuf in BerlinJa ich brauche aus keiner Tasse voll Kaffeesatz es mir erst wahrsagen zu lassen (denn ich erseh' es schon aus der menschlichen natur und aus dem Kaffee, den ich trinke), dass das noch das Geringste ist, und dass die eigentliche Lesewut den guten Schelm erst dann befallen wird, wenn in diesem Werke, woran wie an der Basselisse zwei Arbeiter auf einem stuhl sesshaft weben, die historischen Figuren dieser Basselisse samt ihrer Gruppierung von dem Fussballen bis zur Wirbelnaht hervorsteigen werden – – Jetzt ist ja kaum noch eine Ferse, ein Schienbein, ein Strumpf fertig gewürkt...

Aber wenn zwanzig bis dreissig Ellen am Werke werden abgewoben sein: dann können ich und mein Beisitzer das erwarten, was ich hier schildern will: des Teufels völlig wird der Leser sein mit Eileneinen Hundposttag hinauszubringen, lässt er sechs Schüsseln kalt werden und den Nachtisch warmDoch was will dies sagen: ein leibhafter römischer König reite durch die Strasse, und ein Kanonendonner fahre hinterdrein, er hörts nichtseine Ehehälfte gebe in seinem Lesekabinett einem ehelichen Überbein das beste Abendessen, er siehts nichtdas Überbein selber halte ihm Teufelsdreck unter die Nase, es gebe ihm scherzend mit einem Waldhammer leichte Hiebe, er spürts nicht... so ausser sich ist er über mich, ordentlich nicht recht bei Sinnen. – –

Das ist nun das Unglück, dessen Gewissheit ich mir vergeblich zu verbergen suche. ist es einmal da, und bring' ich ihn unglücklicherweise in jene historische Hellseherei, wo er nichts mehr hört und sieht als meine mit ihm in Rapport gesetzte Personen, weder seinen Vater noch Vetter: so kann ich versichert sein, dass er einen Berghauptmann noch weniger hörtdenn geschichte will er, und von mir weiss er gar nichts mehrja ich will setzen, ich brennte die buntesten Feuerwerke des Witzes ab, ja es hingen aus meinem Maul philosophische Schlussketten, wie aus eines Taschenspielers seinem Bänder, in Zaspeln heraus: hülf's mir was? –

Dennoch müssen Bänder heraushängen und Feuerwerke abbrennen; es soll aber so werden: Wie von jedem Jahre so viel Stunden übrigbleiben, dass aus den Überbleibseln von vier Jahren ein Schalttag zu machen istund wie mir selber nach vier Hundposttagen allezeit so viel Nachschriften, so viel Witz und Scharfsinn ganz unnütz als Ladenhüter liegen bleiben, dass daraus recht gut ein eigner Schalttag zu machen wäre: so soll er auch gemacht werden, sooft vier Hund-Dynastien vorüber sind; nur dies braucht es noch, dass ich vorher mit dem Leser folgenden Grenzund Hausvertrag abschliesse und ratifiziere, also und dergestalt:

I. Dass von seiten des Lesers dem Berghauptmann auf St. Johannis für ihn und seine Erben zugestanden und bewilligt werde, von nun an nach jedem vierten Hundposttage einen witzigen und gelehrten Schalttag, in dem keine Historie ist, zu verfertigen und drucken zu lassen.

II. Dass von seiten des Berghauptmanns dem Leser bewilligt wird, jeden Schalttag zu überschlagen und nur die Geschichttage zu lesenwofür beide Mächte entsagen allen beneficiis jurisrestitutioni in integrumexceptioni laesionis enormis et enormissimaedispensationiabsolutioni etc. Auf dem Kongress zu St. Johannis den 4ten Mai 1793.

So lautet das echte Instrument des so bekannten Hund-Vertrags zwischen dem Berghauptmann und Leser, und diese Renunziationsakte kann und muss in zukünftigen Misshelligkeiten beider Mächte von einem Mediateur oder einem Austrägalgericht einzig zum grund gelegt werden.

7. Hundposttag

Der grosse Pfarr-ParkOrangerieFlamins

Standes-Erhöhungfest-Nachmittag der

häuslichen LiebeFeuerregenBrief an Emanuel

Den Lord ausgenommen, sitzt schon alles im Pfarrgarten und passet auf mich; aber den Garten kennt noch kein Henker. Er ist eine Chrestomatie von allen Gärten, und doch nicht grösser als die Kirche. Viele Gärten sind wie er zugleich Küchen-, Blumen-, Baumgärten; aber er ist noch ein Tiergartenwie er denn die ganze Fauna von St. Lüne entältund noch ein botanischermit der vollständigen Flora des Dorfs ist er bewachsenund