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Marterwoche deines Lebens versüsset haben! –

Ende des dritten Heftleins

Viertes Heftlein

Vierte Vorrede

oder abgedrungene Antikritik gegen eine oder die andere Rezension, die mir etwa nicht gefallen sollte Gute Romanenschreiber erschaffen aus Dinten- und Druckerschwärze einen neuen entsetzlichen Tyrannen, geben ihm entweder in Italien oder im Orient einen Tronund dann treten sie (ungleich den Kindern, die vor der Gestalt entlaufen, die sie gezeichnet haben) beherzt vor den gemalten gekrönten Wüterich und sagen ihm die herrlichsten, aber die kühnsten Wahrheiten in das Angesicht, die den freien Mann verraten, und die wohl kein gebückter Dikasteriant vor seinem Regenten wiederholt. Solche Waghälse erinnern mich so oft an zwei Abcschützen, als ich bei einem Tore im Habergässchen in Hof vorbeigehe, auf dem ein gemalter Löwe sich und seine Mähne aufbäumt und den Schwanz und die Zunge ringelt und hebt. Denn einer der gedachten Abcschützen sagte unter meinem Vorüberlaufen zum andern: "Hör, ich fass' ihn doch am Schwanz an, ich fürchte mich gar nicht." Aber der andere Schütz, der viel dreister dachte, bestieg kalt einen Eckstein und sagte: "Ich erst, Herr, ich fahr' ihm gleich so in den Rachen!" –

Es ist dieselbe Kühnheit, womit oft ein Autor auf dem Papier, ausser dem gedachten grausamen König der Tiere, auch das kritische Katzengeschlecht angreiftdas Linné zur königlichen Linie der Löwen zählt –, indem er Richterstühle so kalt und kühn, als wärens gemalte Tronen, erschüttert und so im Allgemeinen Journale durch seine Vorreden schilt und fällt. Das kann ein Schriftsteller von Kraft. Ich meines Orts bin hierin vielleicht so vermessen wie einer und male mir ausdrücklich folgende Rezensenten-Katze hin, um frei und ungebunden mit ihr anzubinden und an ihr zu zeigen, was Mut tut.

Erstlich muss der Rezensent, der mir vorwerfen wird, ich wäre zwei ganze Schalttage schuldigden nach dem 40sten und den nach dem 44sten Hundposttag –, diese zweite Ausgabe gar nicht angesehen haben; die beiden Vorreden, womit ich sie bereichert habe, die erste und diese, gelten bei allen Verständigen für wahre Schalttage.

Zweitens hält mein Rezensent sich (künftig) über meine Schonung meiner Manier auf. Er höre aber jetzt den Philosophen (nämlich mich): Manier ist an und für sich weiter nichts als folgendes: das ästetische Ideal und Intregal wird, wie jedes, nur von einer unendlichen Kraft erreicht, wir aber mit unserer endlichen kommen ihm unaufhörlich näher, nicht einmal nah; Manier ist also, wie es der Philosoph nimmt, ein endlicher Spiegel der Unendlichkeit, oder der Ausdruck des Verhältnisses, in welchem jede Temperatur und Saitenzahl irgendeiner gegebenen Äolsharfe mit der Partitur der unendlichen Sphärenmusik steht, der sie nachzuklingen hat. Jedes Gewebe menschlicher Kräfte gibt nur eine Manier, und höhere Geister würden in Homer und Goete wenigstens die menschliche finden; ja die höhere Engel-Hierarchie fände die niedere manieriert, der Seraph den Engel der Gemeine. Da ich aber nicht einmal ein gewöhnlicher Engel bingeschweige ein Seraph –: so würde ein anderer Rezensent als der, der mich beurteilen wird, sogleich von vorne vorausgesetzt haben, dass ich eine Manier haben würde. – Und diese hab' ich offenbar. – Aber noch mehr: da der Grad und das Verhältnis unserer Kräfte sich von Jahr zu Jahr verwandeltund mitin auch die Frucht und der Ertrag derselben, die Manier –: so wirft leider gewöhnlich die Manier des funfzigsten Jahrs sich zum Korrektor der Manier des fünfundzwanzigsten auf; oder vielmehr, es geht eine heterogene Einkindschaft von Kindern zweier Ehen vor, bei welcher beide verlieren. Ein solches Simultan-Hysteronproteron ist noch ärger, als wenn man die griechischen Statuen aus dem einen Winkelmannschen Kunstzeitalter nach den Statuen aus einem andern behacken und zuschleifen wollte. Giesse lieber ein reines flüssiges Werk in deine jetzige Form, und treibe nicht erst das gegossene erhartete darein! – Gesetzt auch, ich würde künftig klüger und anders, niemals würde' ich den Greis auf den Jüngling pfropfen.

Der Mensch hält sich im Konzertsaal des Universums, wenn nicht für den Solospieler, doch für ein Instrument darinanstatt für einen einzigen Ton –, wie denn der Fürst sich für ein Oberons- oder doch Parforcehorn ansiehtder Poet für ein Haberrohrder Autor für ein Setzinstrument102der Papst für das Orgelwerkdie Schöne für Bestelmeiers Handstahlharmonika oder für eine Wachtelpfeifemein Rezensent für eine Stimmpfeifeund ich mich selber für Mälzels grosses Panharmonikon. Aber wir alle sind nur Töne, wie in Potemkins Orchester jede der 60 metallenen Flöten nur einen Ton angab. Daher bin ich über jede Individualität, über jede Manier als über einen neuen Halbton in der Kirchenmusik der Wesen froh.

Drittens weiss ich nichts, woraus ich meines künftigen Rezensenten Verlegenheit um sündige Materie zum Tadeln besser sehen kann, als dieses, dass er sich an solche jämmerliche Kleinigkeiten hältin Zukunft –, wie folgende augenscheinlich sind, dass ich z.B. diese Vorrede beigefügt, dass ich das Werklein in vier Hefte auseinandergebunden und durch dieses vierte Heft einem frühern Besitzer und Bücherwurm den Bogenwurm103 der alten Ausgabe ganz unbrauchbar gemacht. Aus dergleichen Proben und Sprüchen, womit mir ein solcher spartischer Ephorus Emerepes die vierte und höchste Saite nehmen will, die ich auf meiner Geige voll steigender Quinten aufziehe, mache sich der geneigte Leser einen Begriff, wie es mit dem Ganzen der Rezension aussehen mag. Ich schäme mich fortzufahren.

Viertens find' ich überall, wenn ein Autor