in ein Blumenparterre finden. Hohe Menschen tragen wie die Berge den süssesten Honig."...
Ob er gleich schon im letzten dorf, gleichsam der Vorstadt von Maiental, ausläuten hörte: so erzürnte er sich doch nicht über die Verspätung des Eintritts. Ja um sich selber zu zeigen, er sei der Philosoph Sokrates, schritt er mit Fleiss träger fort und libierte nicht wie der Atener den Freudenbecher, sondern füllte ihn gar noch nicht. "Werde immer", sagt' er zu einem aus Lilien-Samenstaub zusammengelaufenen Wölkchen, "vor mir früher über die Guten geweht, du Wolkensäule vor dem gelobten Land! – Und dein kleiner Schatten silhouettiere ihnen den festern, der träger nachkömmt und den das Himmelblau später einsaugt!" – Und eh' ihn der herumgekrümmte Fusssteig vor das mit Blumen behangne Tor des Tals stellte, worin die geliebte Wiege und Baumschule seiner schönen dreitägigen Zukunft stand: so hielt ihn noch eine zugeknöpfte Distel auf, um deren versiegelte Honiggefässe ein weisser Schmetterling seine dritte Parallele zog – und die musivischen Disteln auf Le Bauts Diele traten vor ihm ins Leben und zeigten ihm die Stacheln der Vergangenheit; da fand er es jetzt unbegreiflich, wie er seine Schmerzen ertragen können, und leichter, den Freudenhimmel zu tragen.....
Er zog Linds Uhr heraus, um die Geburtstunde seiner Honig- und Flitterzeit zu wissen – gerade um 11 Uhr trat er vor das nette Dorf, vor das Treibhaus seines himmels, vor die Pflanzstadt seiner Hoffnung, vor Eden.... Ach das säuselnde, in Lauben verwachsene Dörfchen schien alle seine blühenden Zweige als arme um ihn zu legen und ihn an sich zu stricken; es war grün und weiss und rot – nicht angestrichen, sondern überlaubt und überblüht. Und als er unter dem Ausläuten – um sich die Umarmung seines Emanuels geizig aufzusparen, und um den maientalischen Kirchengesang mit einem von der natur geöffneten Herzen zu beschleichen – in das lange saubere Dörfchen sich stahl und den Freundschaftzoll auf eine Minute bei Emanuels haus umfuhr: so war ihm, als wenn sein stillfrohes Herz sich in den stillen Gassen mit den Vögeln auf den die Fensterscheiben vergitternden Kirschenzweigen wiegte und mit den Bienen in den Kirschenblüten schwankte. "Komm nur herein," (schien alles zu sagen) "du guter Mensch, wir sind alle glücklich, und du sollst es auch werden." – Er trat an die blanke Kirche, deren blendende Übertünchung dem Himmelblau durch den Abstich ein erhabenes Dunkel zuwarf, und sein pochendes Herz zitterte glücklich mit der wogenden Orgel darin und mit der vor dem Kirchtore raschelnden eingerammten Birke und mit dem trocknen, vom Morgenwind gebeugten Maienbaum mitten im dorf....
"Aber", sagt mein Leser, "konnte denn sein Auge so lange die schönern Prospekte und sein Herz die geliebtere Schönheit entraten und statt der Abtei nur die Kirche aufsuchen?" – O er sah zu allererst nach jener, und sein Auge lief zitternd um alle Fenster seines Sonnentempels; aber da er daran alle offen und leer und alle Vorhänge aufgezogen antraf: so vermutete er, dass die schönen Konklavistinnen desselben und darunter die Konklavistin seiner Brust da wären, wo er sie suchte – – und fand: im Tempel. Er stieg unter dem Heruntertraben der Kirchgänger ungehört hinauf in die aussen leer scheinende adelige Frontloge, dieses Blumengestell der Stift-Nonnen. Es war heute nichts darin als entfallne Birkenblätter; denn die sämtlichen Nonnen und die Äbtissin und Klotilde standen – unten in der Kirche und fassten den Altar mit einem Chor von singenden Engeln ein und empfingen daran das Abendmahl. – Mit einem Freudenschauer blickte er die Königin seines himmels an, die so teuer Geliebte und so Unverdiente, den glänzenden Engel, der seine Hülle aus Erdenschnee mit der himmlischen Wärme zu Tränen zerschmilzt, um bald unsichtbar zu werden. – – Sein Geist bog sich, als sie kniete: "Himmelfrieden trinke" (sagt' er) "aus dem Ordenkelch des grossen Menschen, unter dessen Gedanken keine Wolke und kein Seufzer war – o der Gedanke, den du jetzt mit so fester Andacht anschauest, müsse immer leuchtender und unbeweglich wie eine Sonne werden und immer ein warmes Abendlicht über die müde Seele werfen!" – Dieser Engel im Trauerkleide zog in seinem inneren durch eine Totenauferweckung alle Tugenden seines Lebens und alle Fehler desselben herauf und gab jenen einen Himmel und diesen ihre Hölle; daher war er jetzt zu heilig, um eine Heilige zu stören durch seine Erscheinung, wenn anders ihr ruhendes, nur in fromme Rührungen eingesenktes Auge, das nicht einmal auf die nähern frommen Schönheiten zur Höhenmessung der Taille fiel, sich bis zu ihm hätte versteigen können. Die Birke am ersten Fenster der Empor nahm er als belaubten Fächer vor; – dieser grüne, an seinen Wangen spielende Schleier bedeckte seine Aufmerksamkeit und seine Freudentränen vor der ganzen Kirche. Der Ort, wo er so glücklich war, schien, nach einer Glas-Inschrift zu urteilen, sonst der gewöhnliche Stand Klotildens gewesen zu sein; denn Giulias ihrer war darneben, wie ich gewiss weiss, weil auf dem Logenfenster ein von einem Kranz umfasstes G und K eingeschnitten war mit den Worten von Giulia: "So vereinen uns die Blumen des Lebens und der Zirkel der Ewigkeit.". ..
Viktor schlich ungesehen und früh sich aus dieser Bilderblinde weggestellter Göttinnen fort und trug das von der Liebe gefüllte Herz an die offne Brust der Freundschaft – an Emanuel. Er sah schon dessen Stiftütte im Tempel