die ihren Lesern nur ihre Kiele bescheren, ebenso weit vorzustechen als der König über den alten Lipsius, der der Maria nur seine silberne Feder vermachte. Anfangs wollt' ich dieses Elysium mit seinen dreimähtigen Wiesen und Nadelhölzern selber behalten, weil ich im grund ein armer Teufel bin und wirklich nicht mehr einzunehmen habe als ein Prinz von Württemberg sonst, nämlich 90 fl. rhn. Apanage und 10 fl. zu einem Ehrenkleide, und weil ich mir auf die mir von Gott und Rechts wegen zuständigen zwei Quadratmeilen Landes – denn soviel wirft die ganze Erde bei ihrer gleichen Zerschlagung nach einem guten Teilplane auf den Mann aus – wahrlich so wenig Rechnung mache, dass ich die zwei Meilen an jeden gern um einen elenden Schaf-Pferch hingeben will. – Und was mich am meisten zurückzog, diese Schenkung unter den Lebendigen mit meinem Maiental zu machen, war die sorge, dass ich ein Feudum Leuten, Lesern, Landboten, Knäsen zuwende, die tausendmal grössere Woiwodschaften und Schatullgüter innenhaben und die man aufbringt, wenn man sie der Maria ähnlich macht, die aus einer himmels-Königin eine Gräfin von Boulogne wurde, oder dem römischen Kaiser, der zugleich am Kröntage ein Mitglied des Marienstifts zu Aachen werden muss. –
Aber was können denn alle ihre Majorate – ihre Deutschmeistereien-ihre Afterlehn – und ihre patrimonia Petri (eine Anspielung auf mein patrimonium Pauli) – und ihre grossväterlichen Güter und alles ihr auf das Erdenschiff geladne Schiffgut, kurz ihre europäischen Besitzungen auf der Erde, was können, sag' ich, diese Holländereien für Produkte liefern, die vor den maientalischen nur von weitem beständen? Und wachsen auf ihren Kronengütern himmelblaue Tage, Abende voll seliger Tränen, Nächte voll grosser Gedanken? – Nein, Maiental trägt höhere Blumen, als die das Vieh abreisset, schönere Hesperiden-Äpfel, als die Obstkammern bewahren, überirdische Schätze auf unterirdischen, Eden-Kompetenzstücke, wie Klotilde und Emanuel sind, und alles, was unsre Träume malen und unsre Freudentränen begiessen. –
– Und eben dies entschuldigt mich, wenn ich das maientalische Freuden-Tafelgut tausend Mitwerbern abschlage, wenn ich als dessen Lehnprobst mit diesem schwäbischen Schupflehn nicht belehnen kann solche Leute, die auch zu keinem eigentlichen Feudum taugen, moralische Blinde, Lahme, Minderjährige, Verschnittene etc. – Und hier muss ich mir viele Feinde machen, wenn ich aus den Vasallen und Mitbelehnten, denen man das Maiental mit allen seinen poetischen Nutzniessungen zu Lehn gibt, namentlich alte Salbader ausstosse, die den Rittersprung der Phantasie nicht mehr tun können- 47 Scheerauer und 103 Flachsenfinger, deren Herzen so kalt sind wie ihre Kniescheiben oder wie Hundschnauzen – die grössten Minister und andere Grosse, an denen wie an grossen gebratnen Fleischklumpen bloss die Mitte noch roh ist, nämlich das Herz – 1/2 Billion Ökonomen, Juristen, kammer- und Finanzräte und Plus-, d.h. Minusmacher, in denen die Seele, wie an Adam der Leib, aus einem Erdenklosse geknetet worden, die einen Herzbeutel haben, aber kein Herz, Gehirnhäute ohne Gehirn, Pfiffigkeit ohne Philosophie, die statt des buches der natur nur ihre Manualakten und Steuerbücher lesen – endlich die, die nicht Feuer genug haben, um vor dem Feuer der Liebe, der Dichtkunst, der Religion zu entbrennen, die statt weinen greinen sagen, statt dichten reimen, statt empfinden rasen....
Bin ich denn toll, dass ich mich hier so erbose, als wenn ich nicht auf der andern Seite das schönste Leser-Kollegium, das ich zum primus adquirens des maientalischen Männer- und Kunkellehns erhebe, vor mir hätte; eine mystische moralische person, die es einsieht, dass der Nutzen nur eine niedrigere Schönheit und die Schönheit ein höherer Nutzen ist? – Es ist allen Empfindungen eigen (aber nicht den Einsichten), dass man sie nur allein zu haben glaubt. So hält jeder Jüngling seine Liebe für eine ausserordentliche Himmelerscheinung, die nur einmal in der Welt sei, wie der Stern der Liebe, der Abendstern, oft einem Kometen gleichsieht. Aber es wird nicht lauter Flachsenfinger und Holländer geben, die auf die Alpen steigen, weniger um grosse Gedanken und Erhebungen, als um Sedes97 zu haben, oder zu Schiffe gehen, nicht um auf das erhabne Meer den blick des Dichters zu werfen, sondern um die Schwindsucht zu verfahren... Sondern es wird überall in jedem Marktfleck, auf jeder Insel schöne Seelen geben, die der natur am Busen ruhen – die die Träume der Liebe achten, wenn auch sie selber aus ihren eignen wach geworden – die mit rauhen Menschen umpanzert sind, vor denen sie ihre Idyllenphantasien über das zweite Leben und ihre Tränen über das erste verhüllen müssen – die schönere Tage geben, als sie empfangen – diesem ganzen schönen Bunde mach' ich das verschenkte Feudum von Maiental, wovon schon so viel Redens war, endlich auf und gehe als beleihender Lehnhof mit einigen Freunden und Freundinnen und meiner Schwester vorn an der Spitze voran hinein. Nachschrift oder eigenhändige Dispensationbulle. Der Berghauptmann kann nicht leugnen, dass der S.T. Verfasser dieser Lebensbeschreibung dadurch, dass der Hundfaulist, und dass diese Posttage voluminöser sind, und dass er in diesem Kapitel gar zwei in eines zusammengeschmolzen hat, hinlänglich bei denen entschuldigt ist, die das Recht haben, ihn zu fragen, warum er erst in der Mitte des Septembers oder Fruktidors den 32sten Posttag hinausgebracht. Vier Monate weit sitzet er noch mit seiner Beschreibung von der geschichte ab. 1793. J.