dazu kein anderes Herz besitzt als das leinene, das die Nähterin unten im Winkel des Hemdjabots einflickt und das auf der Herzgrube aufliegt, die man gescheuter die Magengrube nennen sollte – endlich muss ich sagen (wenigstens kann ichs), wenn sechstens wahrer Zusammenhang, strenge Paragraphen-Verkettung vielleicht die grösste Zierde und Seele der ungebundnen Rede ist, die aber einem gebundnen Klaviere gleicht, und wenn daher der Verstand, wie eine epische Handlung, am Ende der (rhetorischen und der Zeit-) Periode anfangen muss, weil sonst gar keiner da wäre:..
– Es wird aber auch keiner mehr kommen. – Aber jene vier Punkte sehen wie die Hasenfährte im Schnee aus. – Kurz: der Spitzhund, unser biographischer Handlanger und Spediteur, liegt schon unter dem Tische und hat einige elysische Felder und Himmelreiche abgeladen. – Da ich ohnehin im obigen nicht ganz wusste, was ich haben wollte (ich will nicht gesund vor dem Publikum sitzen, wenn ichs gewusst): so erwies mir der Hund einen wahren Liebedienst, dass er dem Perioden den Nachsatz-Schwanz sozusagen gar abbiss. Es war ohnehin mein Plan, bloss so lange Hasensprünge zu machen in einem ellenlangen Perioden, bis der Hund mir die Angst über die Zweifelhaftigkeit der Pfingstreise benommen hätte. – Überhaupt wollt' ich nie Worte und Gedanken miteinander aufwenden, sondern diese sparen, wenn ich jene vertat; Peuzer schrieb längst an die Regensburger und Wetzlarer: viele Gedanken brauchen einen kleinen Wortfluss, aber je grösser der Bach ist, desto kleiner kann das Mühlrad sein. – Einen rechtschaffenen Rezensenten kränkt ein lakonisches Buch auch schon darum (nicht bloss weil das Publikum es nicht versteht), weil ein Deutscher ja an den Juristen und Teologen die besten Muster vor sich hat, weitschweifig zu schreiben, und zwar mit einer Weitläuftigkeit, die vielleicht – denn der Gedanke ist die Seele, das Wort der Leib – unter den Worten jene höhere Freundschaft der Menschen stiftet, die nach Aristoteles darin besteht, dass eine Seele (ein Gedanke) in mehrern Körpern (Worten) zugleich wohnet. –
– Ich hebe Viktors Vigilie, den heiligen Abend vor Pfingsten, jetzt an. Es war schon Sonnabend – der Wind ging (wie die Wissenschaften) von Morgen – das Quecksilber sprang in der Barometerröhre (wie heute in meinen Nervenröhren) fast oben hinaus. – Flamin war friedlich von seinem Freunde am Freitage geschieden und kehrte vor fünf Tagen nicht zurück. – Viktor will morgen, am ersten Pfingsttag, vor der Sonne aufbrechen, um am dritten wieder zurückzukommen, wenn sie in Amerika aussteigt. (Ich wollt', er bliebe länger.) – Es ist ein schöner blauer Montag in der Seele (jeder blaue Tag ist einer) und eine schöne Dispensation von der Trauerzeit des Lebens, wenn man (wie mein Held) das Glück hat, an einem heiligen Abend, unter dem Gebetläuten, und wenn der Mond schon über die Häuser herauf ist, vor den Aussichten in die schönsten Pfingsttage und in die schönsten Pfingstgesichter, ruhig und schuldlos in Zeusels Erker zu sitzen, alle Voressen der Hoffnung anzuschneiden, alle Vorsteckrosen und Anzeigen des schönsten Morgens zu sammeln und unter den lärmenden Budenvorspielen des Festes den zweiten teil der Mumien gerade in den Freudensektoren zu lesen, wo ich meinen und Gustavs Einzug in das himmlische Jerusalem zu Lilienbad abzeichne. – – Alles das hatte, wie gesagt, der Held....
Aber als er, der zwischen seiner Pfingstreise und jener Badreise im buch so viele Verwandtschaft ausfand, endlich mit seiner bewegten Seele an die Zerstörung jenes Jerusalems kam: so sagte er mit dem ersten traurigen Seufzer für heute: "O du gutes Schicksal, ein solches Schlachtmesser lege nie am Herzen meiner Klotilde an: ach ich stürbe, wenn sie so unglücklich würde wie Beate." – Und er dachte weiter nach, wie die roten Morgenwolken der Hoffnung nur schwebender erhöhter Regen sind und wie oft der Schmerz der bittere Kern der Entzückung ist, gleich dem goldnen Reichsapfel des deutschen Kaisers, der zwar 3 Mark und 3 Lot schwer ist, aber innen mit Erde ausgefüllet...
Beim Himmel! wir versalzen uns da alle mit Nachtgedanken den heiligen Abend ohne Not, und es weiss keiner von uns, warum er so seufzet. – Ich habe ja das ganze Pfingstfest schon kopeilich vor mir, und es steht kein einziges Unglück darin, es müsste denn Viktor noch einen vierten Pfingsttag als Nachsommer anstossen, und in diesem müsste es etwas absetzen. Ich gestehe es, ich bin gern ästetischer frère terrible und setze der Welt, die in meine unsichtbare Mutter-Loge sich hineinlieset, gern den Degen auf die Brust und dergleichen Streiche mehr – das kommt aber davon, weil man in der Jugend Werters Leiden lieset und besitzt, von welchen man, wie ein Messpriester, ein unblutiges Opfer veranstaltet, ehe man die Akademie bezieht. Ja wenn ich noch heute einen Roman verfasste: so würde' ich – da der blauröckige Werter an jedem jungen Amoroso und Autor einen Quasichristus hat, der am Karfreitage eine ähnliche Dornenkrone aufsetzt und an ein Kreuz steigt – es auch wieder so machen....
– Aber es ist Zeit, dass ich mein Maiental öffne und jeden einlasse. Ich will nur nicht länger verheimlichen, dass ich gesonnen bin, dieses ganze Paphos und Rittergut an den Leser gar zu verschenken, wie Ludwig XI. die Grafschaft Boulogne der heiligen Maria zuwarf. Ich gedenke dadurch vielleicht über andere Schriftsteller,