deinem Julius, wer der Engel war, der ihm den Brief an mich gereicht.
Emanuel."
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Julius hatte wahrscheinlich dabei wieder an jenen andern Brief gedacht, den ihm ein bis jetzt unbekannter Engel zum Aufsiegeln auf diese Pfingsten gegeben – Aber was gehen mich hier Engel und Briefe an? Kurier-schreiben will ich jetzt, damit ich das 32ste Kapitel hinausgemacht habe, eh der Hund mit seinem 33sten Pfingstkapitel auftritt, das nicht bloss, weil es 32 Kapitel-Ahnen hat, sondern wegen der wahrscheinlichen Ausgiessung eines freudigen heiligen Geistes darin, oder wegen eines ganzen Taubenflugs von heiligen Geistern, und wegen der historischen Gemälde darin – und wegen meiner eignen Anstrengung – ein Kapitel (glaubt man) werden muss, dergleichen in jeder dionysischen Periode kaum ein halbes und in jeder konstantinopolitanischen ein ganzes kann geschrieben werden – Der Pfingst-Hundtag kann lang ausfallen, aber gut und göttlich – Philippine wird den Bruder rütteln und sagen (sie schmeichelt gern): "Paul! Paulus war auch im dritten Himmel, aber so hat er ihn nicht beschrieben in seinen Briefen an die Römer!" – Ich wollte selber, ich könnte meinen 33sten Hundtag lesen, bevor ich ihn gemacht...
Das Viele, was ich noch mit Wenigem und mit der bisherigen Eile herzuwerfen habe, ist laut den KürbisAkten das: Viktor freuete sich ebenso wie ich auf die Pfingst-Evangelien. Sein Gewissen setzte seinem Genusse nicht das dünnste Speisegeländer, nicht den niedrigsten Weidstein weiter in den Weg, und er konnte wie eine unschuldige Freude zur geliebten Klotilde gehen und sagen: nimm mich an. Er tat jetzt die Abschied- und Krankenbesuche bei hof regelmässig ab und schor sich um kein Wort voll Höllenstein und um kein Auge voll Basiliskengift. Er verdoppelte die schönern Besuche bei Flamin, um dessen edle Versöhnung mit einer wärmern Freundschaft zu belohnen, und er drückte auf die vergangne geschichte und auf den Gegenstand der Eifersucht das Sekretinsiegel des schonenden Schweigens. Seine Träume stellten zwar bei ihrem Teater voll Schattenspielen und Lufterscheinungen Klotildens Gestalt nicht an (gerade die geliebtesten Gesichter versaget der Traum), aber indem sie ihn in die alten dunkeln Regenmonate führten, wo er wieder unglücklich und ohne Liebe und ohne die teuerste Seele war, so gaben sie ihm durch die niedergeregnete Nacht einen hellern Tag, und die verdoppelte Wehmut wurde zur verdoppelten Liebe – Und wenn er am Morgen nach solchen Träumen vom vergangnen Traum durch den MaienReif neben den üppigen Freudentropfen der Weinreben und unter dem Morgenwind, der ihn mehr trug als kühlte, hinaustrat, um die festen westlichen Wälder, die mit einem grünen Vorhang die Opernbühne seiner Hoffnung verhingen, wie teure Reliquien mit den sehnenden Augen zu betasten – – Ein Rezensent, der sich an meine Stelle setzt, kann mir unmöglich bei dieser Kürze der Zeit und auf meiner Extrapostkutsche des Phöbuswagen (jetzt in den kürzern Tagen) zumuten, o dem langen Vorsatze seinen Nachsatz zu geben.
Sogar der steilrechte Klimax des Barometers und das waagrechte Strömen des Ostwindes fassten die Segel seiner Hoffnung an und zogen ihn in das stille Meer der Pfingst-Zukunft und in den Kalender von 1793, um zu sehen, ob der Mond zu Pfingsten voll wäre – Beim Himmel, er wirds wenigstens halb, welches noch viel besser ist, weil man ihn sogleich bei der Hand mitten am Himmel hat, wenn man seinen Abend anfangen will...
Ich hab's doch durch ausserordentliches Rennen dahin gebracht, dass ich mit dem 32sten Hundposttage fertig bin, eh Spitz mit seinem Freudenpokal am Halse über das indische Meer gesetzt ist – Und da ich ohnehin nach der capitulatio perpetua mit dem Leser (bei der bekanntlich die Fürsten- und Städtebank ins Gras beisset) jetzt einen Schalttag machen muss: so will ich dazu die Vakanz des Hundes verwenden; aber ich flehe alle meine Tagwähler und Kunden, die bisher am Springstabe des Zeigefingers über die Schalttage weggesetzt sind, ernstaft an, es bei diesem nicht zu tun, erstlich weil ich erbötig bin, mich erschiessen zu lassen, wenn ich in diesem Schalttage mein obwohl unter mehren Regierungen bestätigtes Schalttags-Privilegium, die witzigsten und tiefsinnigsten Sachen vortragen zu dürfen, nur im geringsten exerziere – und zweitens weil der Hund schon am Schalttage in den Hafen laufen und mir Fakta bringen kann, die ich nicht im 33sten Hundtage auftische, sondern schon am – VIII. Schalttage oder an der VIII. Sansculotide.
– Der Inhalt davon ist, gleich der Gegenwart, ein toller Vorbericht von der Zukunft. –
Ich muss sagen, wenn erstlich Bellarmin (der katolische Vorfechter und Kontradiktor) behauptet, jeder Mensch sei sein eigner Erlöser – woraus meines Erachtens folgt, dass er auch seine eigne Eva und Schlange für seinen antiken Adam ist – wenn zweitens die Feder eines ausserordentlich guten Autors eine Lichtputze der Wahrheit ist, so wie umgekehrt dem Herrn von Moser im Gefängnis die Lichtputze die Feder war – wenn drittens der Despotismus statt der lebendigen Baumstämme zuletzt (denn er sägt in die Welt hinein wie blind) den Tron-Sägebock selber zersägen kann – ferner muss ich sagen, wenn viertens jede Handlung (sogar die schlimmsten) wie Christus zwei unähnliche Geschlechtregister hat – wenn vollends fünftens ein und der andere Rezensent sein kritisches Auge, womit er alles besieht, nicht auf dem Scheitel Wirbel trägt (wie etwa Muhammeds Selige, um die Schönheiten nicht zu sehen), noch wie Argus hinten und vornen, sondern wirklich vornen gleich unter dem Magen über dem Gedärm mitten im Nabel, wenn dieser Mann noch