eine blumauerische Parodie, worüber wir die vorige Epopöe leicht vergessen können.
W
Weiber. Ihr holden weichen Frühlingblumen und Engel-Absenker neben uns harten Winterkohlstrünken, ich habe ja schon im vorigen Buchstaben eurer gedacht und eurer Weichheit im Gegensatz der deutschen Strengflüssigkeit! Was soll ich weiter sagen, als dass ihr, sobald ihr gut seid, es im höchsten Grad seid, und dass ihr und das englische Zinn einerlei Stempel habt – nämlich die Figur eines Engels? –
X siehe I K S – Y siehe I – Z siehe T S
Tz
Spitz. Der arme Spitz will so gut in Vorreden unter Extra-Schösslinge wie sein Herr und kommt gerade recht mit dem 29sten Kapitel. Ich kann stundenlang mit Spitzhunden reden, wie Yorickmit Eseln. Ich will jetzt den Götterboten auf die Hinterfüsse stellen und an den vordern halten, damit er mir aufgerichtet zuhört. – – "Steh, leichte Bestie! – Ich rede nur mit dir über etwas, damit ich dich in die dritte Vorrede setzen kann. Es verdient, Spitz, bemerkt zu werden, dass du ein Schelm bist wie Menschen und gleich ihnen nicht gerade, sondern gekrümmt und niedergebückt verbleiben willst, bloss um recht zu fressen; du und sie wollen wie Pharokarten durch Beugen und Krümmen gewinnen, wie die gemeinen Engländer ihre schlechten Silbermünzen krümmen, damit sie nicht für weniger ausgegeben werden, nämlich zwei für eine. – Du hast falsche Augen, aber du handelst doch gut. – Die Rezensenten, ungeduldiges Vieh, sagen, wenn sie an deiner Stelle wären, sie würden das biographische Bauzeug fleissiger zutragen, damit die Lebensbeschreibung aus wäre, eh' es schneiet – Setze ihnen nicht entgegen, dass ichs wie Baronius machen könnte, der seine Annalen ohne Bart angefangen und mit einem grauen ausgemacht Das können ihm nur Refeilen und die ein Werk unbärtig anfangen können am Rasiertage, und erst drei Tage darauf vollenden, wenn sie eingeseift sind. – – Fall nur nieder, Hofmann, und friss; du bist wenigstens nicht ohne allen Verstand und gibst doch mehr auf das Haranguieren acht als ein Dauphin-Fötus und wedelst doch, aber der Fötus nicht – Ich habe nun mit ganz andern Leuten zu sprechen, und die wenigsten wedeln, Spitz!"
Jean Paul.
29. Hundposttag
Bekehrung – Billetdoux der Uhr – Florhut
Des Morgens ging Klotilde nach ihrer Pappelinsel ab, und mittags Viktor nach seinem pontinischen Sumpfbeide mit einer Entfernung zufrieden, die sie würdig machte, eine Vereinigung zu geniessen.
Das erste, was der Hofmedikus in Flachsenfingen vornahm, war – dass er nachsann oder vielmehr nachempfand. Der Mensch ist der Doppelspat der Zeit, der alle Szenen zweimal nebeneinander zeigt. Die Erinnerung fing in ihrem Spiegel noch einmal den Mondschein der letzten Nacht und die Engel auf, die darin schwebten, und kehrte den Spiegel mit diesem Schimmer, mit dieser Perspektive meinem Viktor zu. Er überdachte Klotildens bisheriges Betragen, aus dem er – und ich hoffe, mein Leser – die Züge der reinsten Liebe, die nur mit einem Auge aus dem Schleier blickt, neben den Zügen einer entschiedenen herrschaft der weiblichen Gefühle über die weiblichen Wünsche entdeckte. Sie kommt den ersten Mai aus Maiental mit einem weinenden Herzen, das, von einer Toten abgerissen, offen noch fortblutet. – Der Schüler Emanuels begegnet ihr, und sie eilet wieder zum grab zurück, um dort mit den Tränen der Trauer ihre erste Liebe auszulöschen. – Aber Emanuel teilet dieser Liebe sein heiliges Feuer mit durch die seinige, durch sein Lob des Geliebten, durch den offnen Brief voll keimender Liebe, den dieser am Geburtfeste des 4ten Maies an ihn geschrieben. – Sie kehrt ungeheilet gegen die Zeit seiner nahen Abreise zurück. – Aber ihr guter Emanuel drückt freundschaftlich-grausam das Bild, das ihr das Herz zu enge macht, tiefer in die Wunden desselben hinein, indem er ihr Viktors Leben in Maiental und dessen Geständnis berichtet, dass er sie liebe. – Viktor schweigt vor ihr, aber sie glaubt, er tu' es, weil er von seinem Vater keine Erlaubnis habe, mit ihr über Flamins Verwandtschaft zu reden. – Er geht an den Hof und scheint sie zu vergessen, ja er legt ihr die Ketten des Hofamts um, die doch, wie er weiss, ihre Seele blutig drücken. – Ihre Eltern nötigen ihr, um sie auszuforschen oder um ihrem geheimen Werber Mattieu mit ihrer weiblichen Verschleierung zu schmeicheln, durch eine tyrannische Frage das unglückliche Nein ab, das ihren Bruder täuscht und ihren Freund entfernt – Viktor weicht an ihrem Festabende aus dem Garten, ohne sie anzureden, besucht darauf ihre Eltern wieder und ist ganz erkaltet. – Nun hört sie nichts mehr von ihm als höchstens Berichte seiner höfischen Freuden und seiner Besuche bei Joachimen – – – Ja, du Gute, so mussten ja im Kampfe mit Wünschen und mit Sorgen, im kranken Lechzen nach der geliebten Seele alle deine Freuden einschlafen und deine Hoffnungen aussterben und deine unschuldigen Wangen erblassen. – – Da nun Viktor so diese trübe Vergangenheit durchdachte und sich erinnerte, wie ihr im Schauspielhause, wo er ihr seine Wissenschaft um ihre Verschwisterung zeigte, die letzte Blüte der Wange, der letzte Zweig der Hoffnung wegbrach, weil sie sein bisheriges Schweigen für ein von seinem Vater befohlnes halten konnte – und da alle diese Züge in eine Himmelkönigin zusammenliefen, vor welcher das Niederknien leichter als das Umarmen ist – und da er weiter bedachte, dass dieses edle, von einem Emanuel verschönerte und eines Emanuels würdige