man das deutsche Publikum glücklich, das doch solche Werke nähren, an denen wie an Trutühnern das Weisse das beste ist.
Da ein solcher Trutahn auch die Wiener Zeitschrift ist, und ich vorige Woche im Traume dachte, mein Hund schreibe daran: so wirds hierher passen, dass ich meinen Irrsal widerrufe. Mir fällt der Traum nicht auf – (da die Korrespondenzbestie gleichfalls Hofmann72 heisst) –, dass diese gar der in eine Hundshaut eingewindelte und verpuppte Professor sei. Ich wäre gar nicht darauf verfallen, dass ein Professor der "praktischen Eloquenz" in der Form eines Hundes der Welt Drucksachen apportierte, hätte nicht einmal in Paris ein Kerl sich mit konterbanden Waren in eine Pudelhaut einnähen lassen, um so verkappt durchs Tor zu kommen. Schon aus der ungleichen Grösse beider Wesen hätt' ich wissen können, welche Zeit es sei; aber ich ging im tollen Traume so weit, dass ich den Hund wirklich examinierend zwickte und befühlte, als der Professor, den ich hinter dieser Charaktermaske suchte, selber lebendig zur Tür eintrat. Er hob zwar sofort alle Verwechslung; ich legte mir aber, gleichsam um ihm Genugtuung zu geben, die Strafe auf, das ganze Ding bekannt zu machen und noch dazu sein Mitarbeiter, d.h. seine Monattaube zu werden, die monatlich heckt... Es sollen daher viele wirklich in der Wiener Zeitschrift (denn in der ersten Auflage vergass ich das zu sagen, dass ich nur geträumt) nach arbeiten von mir geforschet haben: ist das möglich, ich bitte? – –
Wir haben unsern Viktor unter lauter trüben Vermutungen stehen lassen: jetzt finden wir ihn wieder vor einem Begegnis, das sie alle bestätigt.
Wer den Apoteker Zeusel, um den sich der ganze Vorfall dreht, nur von Hörensagen kennt, weiss, dass er ein Hasenfuss ist Besagter Fuss – ein Hase und der Teufel behalten, wenn auch das ganze Fell abgestreift ist, noch den Fuss – sah es gern, wenn ihn ein Herr von hof ausschmausete und – auslachte; er konnte nicht bescheiden verbleiben, sobald ihn ein Vornehmer zum Narren hatte. Der edle Matz benahm ihm daher seine Bescheidenheit oft. Von diesem vertrug er wie die Flachsenfinger alles, von Viktor nichts. Ich erklär' es nur daraus, weil Viktors Satiren allgemein und passend und für das Bessern waren; die Menschen aber vergeben lieber Pasquill als Satire, lieber Verleumdung als Ermahnung, lieber Spotten über Ortodoxe und Aristokraten als Vernünfteln darüber73. – Demungeachtet, ob Zeusel gleich von Mattieu diesesmal wieder gehänselt und geprellet wurde, wollt' er es ihm nicht recht vergeben, sondern bekam das Chiragra darüber.
Es war nämlich kurz vor dem ersten April – manche haben jährlich 365 erste Aprile –, als der Junker den Apoteker in jenen April schickte. In St. Lüne waren schon drei Bad- und Trinkgäste angekommen, drei junge wilde Engländer, die sich für Drillinge ausgaben, aber wahrscheinlich nur nacheinander, nicht miteinander geborne Brüder waren. Bloss ihre Seelen schienen Drillinge des Gemein- und Freiheitgeistes zu sein; sie waren so republikanisch, dass sie nicht einmal an dem hof erschienen, und hielten wie jeder Engländer uns alle (mich und den Leser und den Eloquenz-Professor) für Christensklaven und die Freigelassenen für Steckenknechte. Die Zauberkraft eines ähnlichen Herzens trieb bald den Regierrat Flamin in ihre kartesischen Wirbel; sie waren kaum acht Tage da, so hatten sie mit ihm schon einen Klub beim Kaplan gehalten. Er versprach ihnen auf Ostern das Gesicht ihres Landsmanns Sebastian; und den edlen Mattieu hatte' er gleich anfangs mitgebracht. Matzens Freiheitbaum war bloss ein satirischer Dornstrauch; seine Satiren ersetzten die Grundsätze. Nur ein einziger Drilling, den selber der Böse mit Hörnern und Bocksfüssen, nämlich der Satyr, ritt, konnte den beissenden Evangelisten und falschen Freiheit-Apostel recht leiden; denn in einem heitern lichten Kopf nimmt jedes fremde Witz- und Blitzwort einen grösseren Schimmer an, wie Johanniswürmchen in dephlogistisierter Luftart heller glimmen.
Als Mattieu den Pfarrkutscher und den Lohnlakai der Engländer, den Blasbalgtreter Zeusel – den Zwillingbruder des Apotekers-, erblickte: erfand er etwas, das ich eben erzählen werde. Der Apoteker musste sich bekanntlich seines leiblichen Bruders schämen, weil er ein blosser Balgtreter war und keinen andern Wind machte als musikalischen – und weil er ferner schlechte innere Ohren und aussen gar keine hatte. Jedoch hatte' er sich wegen der letzten mit einem gerichtlichen Zeugnis gedeckt, das ihm nachrühmte, dass er seine Schallmuscheln auf eine ehrliche Art durch einen Bader verloren, der ihm von seiner Schwerhörigkeit helfen wollen. Aber sein Kopf war sein Ohr. Wenn er einen Stab an den Redner oder an seinen Sessel hielt, oder wenn man gerade über seinem kopf predigte: so hörte er recht gut. Haller erzählt ähnliche Beispiele, z.B. von einem Tauben, der allemal einen langen Stock an die Kanzel als Leiter und Steg der Andacht stiess. Seine Taubheit, die ihn eher zu einem höchsten Staatsbedienten, als zu einem Lehnbedienten berief, wendete ihm gerade den Sieg über andere Wahlkandidaten zu, weil dem Kato dem Ältern – so hiess sich der lustige Engländer – seine närrische Stellung gefiel.
Der edle Mattieu, dessen Herz eine ebenso dunkle Farbe hatte wie seine Haare und Augen, hing die Drillinge als Köder-Würmchen an die Angel, um den Apoteker zwischen seinem und Flamins Arm nach St. Lüne zu bringen. Zeusel ging freudig mit und ahnete das Unglück nicht, das ihn erwartete, nämlich seinen Bruder