sich sogar über den Verdacht hinweg, dass sie es etwa täten, damit sie, wenn er seine Krone auf den Putztisch ihrer Gemahlinnen ablegte, mit der blanken Mauer-Krone (corona muralis) wie mit einem Joujou spielen und mit ihrem Glanze Leuten in die Fenster blenden könnten: denn lieber will ein Hofmann seine Gemahlin bewähren als bewahren.
– Es wird gleich angehen, rufen Puppenspieler; es wird gleich auswerden, ruf' ich. –
Als endlich der Lord mit leeren Händen ankam, war er sehr betroffen – nicht von der Gegenwart des Infanten, sondern – von der Adoption desselben, nämlich von der Vermählung Le Bauts. Aber dieser Obrist-Kammerherr war – und das bedachte niemand weniger als Horion – ein feuriger Freund des Fürsten: das machte ihn fähig, für diesen (wie Cicero verlangt) sogar das zu begehen, was er nie für sich begangen hätte – etwas wider die Ehre. Es ist überhaupt für einen Hof- und Weltmann, dessen Ehre der hohe Posten oft der schlimmsten Witterung blossstellt, ein ungemeines Glück, dass diese Ehre, sei sie auch noch so empfindlich bei kleinen Stössen7, doch grosse leicht verwindet, und wenn nicht mit Worten, doch mit Taten ohne Nachteil anzutasten ist: etwas Ähnliches bemerken die Ärzte an Rasenden, oder vielmehr an deren Haut, die zwar die leiseste Betastung verspürt, auf welcher aber dennoch keine Blasenpflasterziehen. – Der Fürst wurde durch einen dreifachen Bast an Le Baut geknüpft, durch Dankbarkeit, durch Sohn und Frau: der Lord zausete den Bast auseinander. Er entblössete nämlich vor seiner Nichte das kammerherrliche Herz und deckte ihr den Giftsack darin auf und einen dramatisch durchgeführten Plan, den sie bisher für Nachsicht angesehen hatte. Alles Edle und Stolze entbrannte in ihr vor Scham und Zorn; und sie floh vor den erdrückenden Erinnerungen mit ihrem kind und mit der Aussicht eines zweiten aus der Stadt auf ein Landgut des Lords.
Nun ging der Fürst mit dem Lord und seinem Hofstaat (sogar mit dem Doktor Kuhlpepper) nach Deutschland zurück. Le Baut verweilte noch einige Zeit, um die Nichte zu beruhigen und zu bereden zur Reise. Aber es war ihr nicht nur unmöglich, alle ihre senkrecht laufenden Wurzeln aus dem land der Freiheit zu ziehen und nach Deutschland mitzugehen, sie trennte sich auch – nicht bloss durch Meere, sondern – durch einen Scheidebrief vom schmutzigen Günstling ab. Sie musste dem Kammerherrn ihr zweites Kind, seine wahre Tochter, lassen; aber das erste, den Infanten, befestigte sie an ihrer Mutterbrust. Le Baut litt es auch gern und dachte, nach der Baurede gehört das Baugerüst ohnehin in den Ofen des Hauses.
Aber als er unter dem deutschen Tronhimmel erschien, stand seine Sonne (Januar) in der SommerSonnenwende, die von abnehmender Wärme allmählich zu kalten Stürmen überging. Januars Liebe konnte leichter steigen und fallen als stehen, und das grösste Verbrechen war bei ihm – Abwesenheit. Le Baut musste jetzt ohne Frau und Kind schon darum gegen den Lord verlieren, weil dieser als Schatzmeister und Küstenbewahrer zweier in London gelassener Schätze unter Jenners Tronhimmel auftrat. Aber es gab tiefere Gründe. Der Lord regierte den Regenten leicht, weil er ihn weder an eignen noch fremden Lastern zügelte, sondern an eignen Tugenden. Erstlich begehrte er nichts von ihm, nicht einmal Diät und Keuschheit. Zweitens hob er keine Vettern in den Sattel, sondern schlimme daraus; er trug ihn wie einen Habicht auf der beschuhten Faust, aber der Falkenierer tats nicht, um den Fürsten auf Tauben und Hasen zu werfen, sondern um ihn immer wach und zahm zugleich zu machen. Drittens machten seine Festigkeit und seine Feinheit einander wechselseitig gut; über Veränderliche regieret am besten der Unveränderliche. Viertens war er nicht der Günstling, sondern der Gesellschafter, blieb immer ein Brite und ein Lord und des Landes wohltätiger Bienenvater, indes Januar der Weisel und im Weiselgefängnis war. Fünftens gehörte er unter die wenigen Menschen, denen man gleich sein muss, um ihnen ungehorsam zu sein; und einer, der das Taschenspielerkunststück machen wollte, ihm ein Schloss unversehens an den Mund zu werfen, hatte leicht eines an Bein- und Handschellen der Seele. Sechstens hatte' er einen guten Käse. Das letzte braucht nicht weitläuftig erklärt zu werden; in Chester hatte' er einen Pachter, der einen Käse lieferte, dergleichen es weiter keinen in Europa gibt; Fürsten aber ist im ganzen ein ausserordentlicher Käse lieber als eine ausserordentliche Dankadresse des Landschaftsyndikus. –
Bei einem Zusammentreffen solcher Unsterne wurde freilich dem Kammerherrn der Absagebrief, der anfangs mit sympatetischer Dinte auf Jenners Gesicht geschrieben war, allmählich immer leserlicher – doch las er ihn wöchentlich etliche Male durch, um recht zu lesen – er konnte jetzt keinem Schosshunde eine Stelle mehr verschaffen, nämlich einen Schoss – seine Empfehlschreiben wurden Uriasbriefe – als er nun gar durch den Lord die Charge eines Obrist-Kammerherrn erstand, hielt er es für hohe Zeit, gegen seine Kniegicht das Bad auf seinem Rittergut St. Lüne jahraus, jahrein zu brauchen, und zog ab, nachdem er vorher dem ganzen Hof geloben müssen, bald genesen zurückzukommen. –
– eigentlich wäre jetzt diese Vor-geschichte versprochnermassen aus, so dass ich gut in der neuern dieses Werkes weitergehen könnte, müsst' ich nicht des Hofkaplans wegen durchaus noch dieses nachholen:
Die einzige Stelle, die Le Baut gleichwohl am hof noch besetzen konnte, war die Pfarrei in St. Lüne. Er fand als ihr Patronaterr damit den Ratten-Kontradiktor Eimann ab,