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die Tragödie, auf Einheit der Zeit, nämlich auf den Zeitraum eines Tages, eingeschränket sein, damit sie nicht noch mehre Ähnlichkeit mit ihr bekäme. Schildern Sie aber die bürgerliche!" – Viktor: "Die zieh' ich vor." – Mattieu: "Ich nicht. Sie ist bloss ein längerer Wahnsinn als der Zorn. On y pleure, on y crie, on y soupire, on y ment, on y enrage, on y tue, on y meurtenfin on se donne à tous les diables, pour avoir son ange. – Unsere gespräche sind heute einmal voll Arabesken und à la grécque: ich will ein Kochbuchrezept zu einer guten bürgerlichen Liebe machen: Nimm zwei junge grosse Herzenwasche sie sauber ab in Taufwasser oder Druckerschwärze von deutschen Romanengiesse heisses Blut und Tränen darübersetze sie ans Feuer und an den Vollmond und lasse sie aufwallenrühre sie fleissig um mit einem Dolchenimm sie heraus und garniere sie wie Krebse mit Vergissmeinnicht oder andern Feldblumen und trage sie warm auf: so hast du einen schmackhaften bürgerlichen Herzenskoch62"

Mattieu setzte noch hinzu: "in der heissen bürgerlichen Liebe sei mehr Qual als Spass; in ihr sei, wie in Dantes Gedicht von der Hölle, letzte am besten ausgearbeitet und der Himmel am schlechtestenJe älter ein Mädchen oder ein eingepökelter Hering sei, desto dunkler sei an beiden das Auge, das durch die Liebe so werdeJede Frau aus einem höhern Zirkel müsse froh sein, dass sie vom mann, an den sie gekettet sei, nichts zu behalten brauche als sein Bild im Ring, wie Prometeus, da Jupiter einmal geschworen, ihn 30000 Jahre am Kaukasus gelötet zu lassen, während derselben bloss ein wenig von dieser Bastille an der Hand getragen in einem Fingerring." – Dann ging Mattieu eilend hinaus, welches er allemal nach witzigen Entzündungen tat. Viktor liebte die bitterste ungerechteste Satire im fremden mund, als Kunstwerk; er verzieh alles und blieb heiter.

Joachime sagte dann scherzhaft: "Wenn also keine Manier der Liebe etwas taugt, wie Sie beide bewiesen haben, so bleibt uns nichts übrig, als zu hassen." – "Doch nicht," (sagt' er:) "Ihr Herr Bruder hat nur kein wahres Wort gesagt. Stellen Sie sich vor, ich wäre der Armenkatechet und verliebtin die zweite Tochter des Pastor primarius bin ichsihre Rolle ist die einer Hörschwester; denn die bürgerlichen Mädchen wissen nicht zu reden, wenigstens mehr in Hass als in der LiebeDer Armenkatechet hat wenig bel esprit, aber viel saint esprit, viel Ehrlichkeit, viel Treue, zu viel Weichherzigkeit und unendliche Liebeder Katechet kann keine galante Intrige anspinnen auf einige Wochen oder Monate, noch weniger kann er die zweite Pastorstochter in die Liebe hineindisputieren, wie ein rouéer schweigt, um zu hoffen; aber mit einem Herzen voll ewiger Liebe, voll opfernder Wünsche begleitet er zagend und still alle Schritte der Geliebten undLiebendenaber sie errät ihn nicht, und er sie nicht. Und dann stirbt sie... Aber vorher, eh' sie stirbt, tritt der bleiche Katechet trostlos vor ihr Abschiedlager und drückt die zitternde Hand, eh' sie erschlafft, und gibt dem kalten Auge noch eine Freudenträne, eh' es erstarret, und dringet noch unter die Schmerzen der kämpfenden Seele mit dem sanften Frühlinglaute hinein: ich liebe dich Wenn er es gesagt hat, stirbt sie an der letzten Freude, und er liebt dann auf der Erde weiter niemand mehr. "...

Die Vergangenheit hatte seine Seele überfallenTränen hingen in seinen Augen und mischten Klotildens Krankenbild in einer sonderbaren Verdunklung mit Joachimens ihrem zusammener sah und dachte eine Gestalt, die nicht da warer drückte die Hand derjenigen, die ihn ansah, und dachte nicht daran, dass sie alles auf sich beziehen könnte.

Plötzlich trat lächelnd Mattieu herein, und die Schwester lächelte nach, um alles zu erklären, und sagte: "Der Herr Hofmedikus gab sich bisher die Mühe, dich zu widerlegen." Viktor, schnell erkaltet, versetzte zweideutig und bitter: "Sie begreifen, Herr v. Schleunes, dass es mir am leichtesten wird, Sie in die Flucht zu schlagen, wenn Sie nicht im feld sind." – Matz fixierte ihn; aber Viktor schlug sanft sein Auge nieder und bereuete die Bitterkeit. Die Schwester fuhr gleichgültig fort: "Ich glaube, mein Bruder ist oft im Falle, mit der Façon zu wechseln." – Er nahm es heiter lachend auf und dachte wie Viktor, sie ziele auf seine galanten Abenteuer und Lusttreffen mit Weibern aus allen Ständen, die auf dem Landtag sitzen. – Aber da sie ihn fortgeschickt hatte, um bei ihrer Mutter anzufragen, wer heute abends zum Cercle komme, so sagte sie dem Medikus: "Sie wissen nicht, was ich meinte. Wir haben am hof eine kranke Dame, die Ihre leibhafte Pastorstochter istUnd mein Bruder hat nicht so viel und nicht so wenig Geist, um den Armenkatecheten zu machen." Viktor fuhr zurück, brach ab: und ging ab.

Warum? Wieso? Weswegen? – Aber merkt man denn nicht, dass die kranke Dame Klotilde sein soll, die Matzens feinen Annäherungen zur Schall- und Schussweite des Herzens zu entfliehen sucht? Überhaupt hatte Viktor wohl gesehen, dass der Evangelist gegen Klotilden bisher eine verbindlichere Rolle spielte