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heisst der Hund; der war die Ratte und kratzte an der tür mit dem zweiten Kapitel im Kürbis. Ein ganzes volles Proviantschiff, das die gelehrte Welt ausnaschen darf, hab' ich vom Halse Hofmanns abgehoben: und es tun sich für den Leser, der das Gescheute so gern lieset wie das Dumme, heutedenn nunmehr ist es gewiss, dass ich fortschreibefreudige Aussichten auf, die ich aus einem gewissen Gefühle der Bescheidenheit nicht abzeichne... Der Leser sitzt jetzt in seinem Kanapee, die schönsten Lese-Horen tanzen um ihn und verstecken ihm seine Repetieruhrdie Grazien halten ihm mein Buch und reichen ihm die Heftleindie Musen wenden ihm die Blätter um oder lesen gar alles vorer lässt sich von nichts stören, sondern der Schweizer oder die Kinder müssen sagen, Papa ist ausda das Leben an einem Fuss einen Koturn und am andern einen Sockus trägt, so ist es ihm lieb, dass eine Lebensbeschreibung auch in einem Atem lacht und weintund da die Schönschreiber immer mit dem Moralischen ihrer Schriften, das nützt, etwas Unmoralisches, das vergiftet, aber reizt, zu verbinden wissen, gleich den Apotekern, die zugleich Arzneien und Aquavit verzapfen, so vergibt er mir gern für das Unmoralische, das vorsticht, das Religiöse, das ich etwa habe, und umgekehrtund da diese Biographie in Musik gesetzt wird, weil Ramler sie vorher in Hexameter setzt (welches sie auch mehr bedarf als der harmonische Gessner), so kann er, wenn er sie gelesen hat, aufstehen und sie auch spielen oder singen.... Auch ich bin fast ebenso glücklich, als läs' ich das Werkder indische Ozean schlägt die Pfauenräder seiner beleuchteten Wellenkreise vor meiner Inselmit allem steh' ich auf dem besten fuss, mit dem Leser, mit dem Rezensenten und mit dem Hundalles ist schon zu den Hundposttagen da, ein Dintenrezept von einem Alchemiker, der Gänsehirt mit Spulen war schon gestern da, der Buchbinder mit bunten Schreibbüchern erst heutedie natur knospet, mein Leib blüht, mein Geist trägtund so häng' ich über den Loh- und Treibkasten (d.h. über die Insel) meine Blüten, durchschiesse den Kasten mit meinen Wurzelfasern, kann es (ich Hamadryade) aus meinem Laubwerk heraus nicht wahrnehmen, wie viel Moos die Jahre in meine Rinde, wie viel Holzkäfer die Zukunft in das Mark meines Herzens und wie viel Baumheber der Tod unter meine Wurzel setzen wird, nehme alles nicht wahr, sondern schwinge frohdu gütiges Schicksal! – die Zweige in dem Winde, lege die Blätter saugend an die mit Licht und Tau gefüllte natur und errege, vom allgemeinen Lebenodem durchblättert, so viel artikuliertes Geräusch, als nötig ist, dass irgendein trübes Menschenherz unter der Aufmerksamkeit auf diese Blätter seine Stiche, sein Pochen, sein Stocken vergesse in kurzen sanften Träumen – – warum ist ein Mensch zuweilen so glücklich?

Darum: weil er zuweilen ein Literatus ist. Sooft das Schicksal unter seinem Schleier das Lebenströmchen eines Literatus, das über einige Hörsäle und Bücherbretter rinnt, aus dem grossen Weltatlas in eine Spezialkarte hineinpunktiert: so kann es so denken und sagen: "Wohlfeiler und sonderbarer kann man doch kein Wesen glücklich machen, als wenn man es zu einem literarischen macht: sein Freudenbecher ist eine Dintenflaschesein Trommetenfest und Fasching ist (wenn es rezensiert) die Ostermessesein ganzer paphischer Hain geht in ein Bücherfutteral hineinund in was anderm bestehen denn seine blauen Montage als in (geschriebnen oder gelesenen) Hundposttagen?" Und so führt mich das Schicksal selber in den

2. Hundposttag

Vorsündflutliche geschichteViktors

Lebens-Prozess-Ordnung

Beim Tor des ersten Kapitels fragen die Leser die Einpassierenden: "Wie heissen Sie? – Ihren Charakter? – Ihre Geschäfte?" –

Der Hund nimmt für alle das Wort. Vom H. Januar – d.h. Herrn Januar, nicht heiligen Januar, sondern der flachsenfingische Fürst hiess sowurde in den jüngern Jahren die grosse Tour oder Reise um die schöne und die grosse Welt gemacht. Er teilte überall an Fremde Geschenke aus, die ihn ein einziges don gratuit seiner Untertanen kosteten, und unterstützte und bedauerte viele gedrückte Bauern in Frankreich, die es so schlimm hatten wie seine in Flachsenfingen. Für das wehrlose weibliche Geschlecht tat er, wie alle reisende Fürsten, fast noch mehr: man kann von der grösseren Zahl derselben sagen, dass sie, wie Titus oder wie ein östlicher Weltumsegler, zwar zuweilen einen Tag verlieren, aber selten eine Nacht, ohne glücklich zu machen und folglich zuwerden. Der Regent muss überhaupt die jetzige Entvölkerung Frankreichs vorausgesehen haben; denn er setzte sich ihr bei zeiten entgegen und hinterliess in drei gallischen Seestädten drei Söhne, und auf den sogenannten sieben Inseln nur einen. Der erste hiess der Walliser, der zweite der Brasilier, der dritte der Asturier, der auf den sieben Inseln der Monsieur oder Mosje: wahrscheinlich sollten die Namen auf Prinzen von Wallis, von Brasilien und Asturien hinspielen. Er liess die Kinder bloss in der Unwissenheit ihres Standes und in keiner schlimmern erziehen:

man sollte sie zu künftigen Mitarbeitern seiner Regierung formen. Januar war zwar sinnlich und ein wenig schwach, aberausser wo er fürchteteäusserst menschenfreundlich.

Der Lord Horion war dem Fürsten Januar zweimal auf seiner Reise begegnet; das erstemal durchschnitt er die fürstliche Planetenbahn als Haarkomet, das zweitemal als