kleine Länder, wie an Bienenstöcke Koloniestöcke.
5. Der Mensch hält sein Leben für das der Menschheit, wie die Bienen das Tropfen ihres Bienenstandes, wenn schon die Sonne wieder scheint, für Regen nehmen und nicht ausfliegen;
6. aber er begeht täglich einen kleinern Irrtum: anfangs hält er für eine Ewigkeit (für diese aristotelische Zeit-Einheit des Schauspiels des Seins) seine gegenwärtige Stunde- dann seine Jugend – dann sein Leben – dann sein Jahrhundert – dann die Dauer des Erdballs – dann der Sonne ihre – dann der Himmel ihre – dann (das ist der kleinste Irrtum) die Zeit....
7. An den Menschen sind vorn und hinten, wie an den Büchern, zwei leere weisse Buchbinderblätter – Kindheit und Greisenalter; und an den Hundposttagen auch: siehe das Ende dieses Tages und den Anfang des nächsten.
Fünfter Schalttag
Fortsetzung des Registers der Extra-Schösslinge
K
Kälte. In unserm Zeitalter stehen Abnahme des Stoizismus und Wachstum des Egoismus hart nebeneinander; jener bedeckt seine Schätze und Keime mit Eis, dieser ist selber Eis. So nehmen im Physischen die Berge ab und die Gletscher zu.
L
Leihbibliotek für Rezensenten und Mädchen. Ich bin noch immer willens, es ins Intelligenzblatt der Literaturzeitung setzen zu lassen, dass ich den Kaufschilling, den ich für meinen Abendstern erhebe, nicht zerschlagen, noch wie Musäus zum Ankauf von Gartenhäusern zersplittern, sondern das ganze Kapital zu einer vollständigen Sammlung aller deutschen Vorreden und Titel, die von Messe zu Messe erscheinen, verwenden will. Ich kann dabei bestehen, wenn ich eine Vorrede wöchentlich für einen Pfennig Lesegeld an Rezensenten ausgebe, welche nicht gern das Buch selber lesen wollen, wenn sie es rezensieren. –
Damit mir nicht einmal der Überschuss des besagten Schlagschatzes als totes Kapital im haus liegt: so sollen dafür – wenn ich mich nicht ändere – die schwerern deutschen Meisterwerke – z.B. Friedrich Jakobis, Klingers seine, Goetes Tasso –, desgleichen die bessern satirischen und philosophischen vom Buchbinder in einer leichtern Damenausgabe geliefert werden, die ganz aus sogenannten Vexierbänden, worin kein Unterziehbuch steckt, bestehen soll. Ich spiele damit, denke' ich, den Leserinnen etwas Kernhaftes in die hände, das so gut gebunden und ebenso betitelt ist wie die Buchhändler-Ausgabe, und in das sie – weil das harte Steinobst schon ausgekernt und innen nichts ist – nicht nur ebensoviel, sondern sechs Lot mehr Seidenfaden und Seidenabschnitzel legen können als in die gedruckte Ausgabe. Allwills Briefwechsel – ein schweres zweidotteriges Straussenei des Autors, das ich vom Buchbinder auf diese Weise habe ausblasen lassen, weil die meisten Leserinnen zu kalt sind, es auszubrüten – ist jetzt ganz leicht. Aber von den deutschen Romanen werde' ich niemals eine solche Futteral-Ausgabe von leeren Zeremonienwagen des Musen- und Sonnengottes veranstalten, weil ich befahre, der Buchhandel schreie über Nachdruck. – Ich wäre ein glücklicher Mann, wenn sich die Mitleserinnen meiner Leih-Kapselbibliotek nur zweimal in einigen italienischen und portugiesischen Büchereien hätten herumführen lassen; sie würden in diesen, wo oft nur die Titel der Werke – und noch dazu der dümmsten – an die Wand geschmieret sind, erstaunet sein, welche schlechte Figur solche unbrauchbare Biblioteken neben meiner Bücherei von ordentlichen Vexierbüchern, die ich aus so vielen Fächern und mit einigem Eigensinn wähle, nicht anders als machen können. – So werden freilich deutsche Kapselleserinnen von euch Portugieserinnen nimmermehr eingeholet! Vielmehr kommen jene sogar den Männern, den Advokaten und Geschäftleuten nach, die ähnliche Kapsel-Journalistika mitalten und die Futterale der besten deutschen Journale – letztere werden oft als curiosa sogar den Kapseln angebogen und füttern diese aus – mitlesen und weitergeben.... Das ist mein Plan und Entwurf; Schafe aber würden mutmassen, ich spasste mich hier bloss herum, wenn ichs nicht wirklich durchsetzte.
M
Mädchen. Junge Mädchen sind wie junge Trutühner, die schlecht gedeihen, wenn man sie oft anrührt; und die Mütter halten diese weichen, aus Blumenstaub zusammengeflossenen Geschöpfe wie Pastellgemälde so lange unter Fensterglas – weil sich alles vor uns Prinzessinnenräubern und Obstdieben scheuet –, bis sie fixieret sind. Indessen ist weder Einsamkeit – welche nur zu einer ungeprüften Unschuld führt, die zwar nicht vor dem Wüstling, aber doch vor dem Heuchler fällt – die rechte Kronwache um ein weibliches Herz, noch Gesellschaft, noch Arbeitsamkeit – sonst sänke kein Landmädchen –, noch gute Lehren – denn diese sind in jedem Mund und in jeder Lesebibliotek zu haben –: sondern diese vier ersten und letzten Dinge auf einmal tuns, die sich sämtlich entbehren, vereinigen und ersetzen lassen durch eine tugendhafte weise Mutter.
N
Namen der Grossen50. Wenn ich so sehe, dass sie ihre ausserehelichen Mess-Produkte, Gelegenheitschriften und pièces fugitives so namenlos, als wärens Rezensionen, verteilen: so sag' ich: "Hieran erkenn' ich echte Bescheidenheit." Denn natürliche Kinder sind gerade ihre besten und ihre eignen und können noch dazu vom Fürsten für echt erklärt werden – indes ihre übernatürlichen in der Ehe das Echtmachen entbehren müssen –: und doch wollen sie der Welt den Namen des Wohltäters nicht wissen lassen, sondern schaffen ebensooft (ja öfter) heimlich Leute in sie hinein, als aus ihr hinaus. Was das Kind sonst zuerst aussprechen lernt, sagen ihm solche Eltern zuletzt – ihren Namen. Mich dünkt, sie folgen hierin Goetes feinem Ohre; denn sie verstecken sich selber ebenso – wenn sie das Orchester der Welt mit Kinderstimmen und mit vingt-quatre und mit Weck- und